Villa Waldeck am Haster Berg Holzhaus aus Unterammergau nach Osnabrück geholt

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. So etwas gibt es nur in Bayern. Und in Osnabrück. Am Haster Berg steht seit 80 Jahren ziemlich unbemerkt ein Holzhaus, dessen Baustil typisch für die Alpenregion ist. Ein Holzhändler hat es sich 1934 aus Unterammergau kommen lassen. Sein Sohn will es jetzt verkaufen.

Damals war es noch nicht üblich, in nördlichen Gefilden Schwarzwaldhäuser oder Toscanavillen zu bauen, und Holzhäuser waren eher etwas für arme Leute. Aber für Ferdinand Schnettler, einen gebürtigen Sauerländer, war Holz der Stoff, dem er seinen gesellschaftlichen Aufstieg verdankte. Auf seinen Geschäftsreisen hatte der junge Kaufmann viel von Deutschland gesehen. Als er sich in den 30er-Jahren mit seiner Familie in Osnabrück niederließ, erfüllte er sich am Waldrand von Haste einen Traum aus Holz – die Villa Waldeck im Schweizer Baustil.

Haste, damals noch selbstständige Gemeinde, hatte noch nicht viele Einwohner, die Siedlung erstreckte sich entlang der Bramscher Straße und der Bramstraße . Der Bauplatz am Hang mit seiner exzellenten Fernsicht bis zum Dörenberg muss schon damals eine privilegierte Lage gewesen sein.

Das Baumaterial vom Sägewerk aus Unterammergau kam mit dem Güterzug nach Osnabrück, die Zimmerleute reisten ebenfalls mit der Bahn an. Ferdinand Schnettler, der gleichnamige Sohn des Holzhändlers, war noch zu klein, um sich daran zu erinnern, aber er weiß natürlich, was in seiner Familie über den Bau des Hauses erzählt wurde.

Vom „grauten Wispel“

Den Sockel mit dem Kellergeschoss hatte ein Maurermeister aus Haste schon fertiggestellt, als die Holzlieferung aus Unterammergau kam. Mit Pferdefuhrwerken musste das ganze Material vom Güterbahnhof abgeholt werden. Die Zimmerleute, so hat es Ferdinand Schnettler immer wieder gehört, übernachteten im Hotel Mönkedieck an der Bramstraße , das heute nicht mehr existiert. Dort sollen sie sich mit dem stärkeren norddeutschen Bier schwergetan haben. „Angeblich wurden sie unter den Tisch getrunken“, erzählt der 81-Jährige.

Jedes Zimmer seiner Villa Waldeck ließ sich sein Vater mit dicken Sperrholzplatten einer anderen Baumart ausstaffieren, darunter Lärche, Linde, Douglasie und Nussbaum. In seinen frühen Jahren regten die geheimnisvollen Muster in den Maserungen seine Fantasie an: „Als Kind konnte ich mir da allerhand drunter vorstellen“, erzählt Ferdinand Schnettler.

Das Holzhaus am Waldrand wird auch in den Erinnerungen des Hasteraners Friedrich Hardinghaus erwähnt, die der Heimatschriftsteller Wido Spratte herausgegeben hat. Da geht es um den „grauten Wispel“, einen Heuerling des Gutes Nette. „Ganz nahe bei seinem Hause und in einer Waldecke, die der alte Wispel noch selber ausgerodet hatte, stand eine Villa, ein Holzgebäude in alpenländischem Schweizer Baustil. Hatte mein Vater nicht oft gesagt, wenn wir durch den Haster Berg gingen und Wispels Haus sahen: ‚Hier könnte ein Millionär gut ein Schloss bauen.‘ Wenn der Bau auch etwas bescheidener ausgefallen war: Das erträumte schöne Haus als Herrensitz stand dort.“

15 Jahre als Verpflichtung

Ferdinand Schnettler junior hat 28 Jahre in dem alpin anmutenden Gebäude am Haster Berg gelebt. 1965 zog er an die Berningstraße und vermietete die väterliche Villa an Studenten. Seine Hoffnung, dass sein Sohn oder seine Tochter in das Holzhaus ziehen würden, erfüllte sich nicht. Jetzt wäre eine Renovierung fällig, aber den Aufwand will sich der 81-Jährige nicht ans Bein binden. Deshalb steht die Villa Waldeck zum Verkauf. Bei Datos-Immobilien ist die Unterammergauer Rarität für stattliche 385000 Euro im Angebot. 190 qm Wohnfläche, Vollkeller und ein 1750 qm großes Eigentumsgrundstück weist das Exposé aus. Der Platz würde auch für ein zweites Wohnhaus reichen.

Es könnte ja sein, dass ein Interessent zwar die exklusive Lage, aber nicht die Villa Waldeck schätzt. Ferdinand Schnettler knüpft den Erwerb der Immobilie an eine Bedingung: Der Käufer muss sich verpflichten, das väterliche Holzhaus für mindestens 15 Jahre zu erhalten.