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Konzert im ausverkauften Dom Osnabrücker Jugendchor feiert 40. Geburtstag

Von Ralf Döring

Prägt seit 40 Jahren die Osnabrücker Chorlandschaft: Der Osnabrücker Jugendchor. Foto: Thomas OsterfeldPrägt seit 40 Jahren die Osnabrücker Chorlandschaft: Der Osnabrücker Jugendchor. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Der Osnabrücker Jugendchor kommt in die besten Jahre: Am Freitagabend hat er mit einem Konzert im Dom seinen 40. Geburtstag gefeiert. Dafür hat der Chor in der Historie gekramt, aber auch in die Zukunft geschaut.

Franz Ferdinand Kaern hat das Wort „Sanctus“ in eine griffige Formel gepackt: Ein Ton für die erste Silbe, auf der zweiten Silbe ein Sprung nach unten; minimalistische Prägnanz könnte man das nennen. Aus diesem kleinen Baustein errichtet der Komponist ein imposantes Gebäude, entwickelt eine prickelnde Polyfonie, indem er das Motiv wie Echowellen durch den Chor oszillieren lässt. Damit trifft Kaern beim Osnabrücker Jugendchor und seinem Dirigenten Clemens Breitschaft offensichtlich ins Schwarze: Sie interpretieren das „Sanctus“ und „Benedictus“ mit der jugendlichen Freude am sängerischen Anspruch, die diesen Chor ausmacht.

Überraschungspaket

Die beiden Messe-Sätze waren gewissermaßen das Überraschungspaket, das der Jugendchor zu seinem 40. Geburtstag dem Publikum im Dom offerierte. Ein Stück, das eine sehr konkrete Zukunftsperspektive eröffnet: Denn Kaern will die Messe komplettieren – die Freunde des Jugendchores dürfen also gespannt sein. Gleichzeitig fügt sich das Werk aber auch passgenau in das Programm des Geburtstagskonzerts: Der Abwärtssprung im Wörtchen „Sanctus“ wirkt wie die Umkehrung eines gewagten Freudensprunges im gregorianischen „Gaudeamus“, mit dem der Chor zum Beginn des Konzerts den Dom akustisch erkundet. Gleichzeitig führt Kaern die polyfone kirchenmusikalische Tradition ins 21. Jahrhundert fort.

Was für den König taugt...

Der gregorianische Allerheiligen-Introitus „Gaudeamus omnes in Domino“, freut euch alle im Herrn, gibt das Konzert-Motto vor – und man kann das getrost auf das Gastdirigat des Gründers und langjährigen Chefs des Jugendchores beziehen. Johannes Rahe leitet in diesem Fall ein Kammerorchester mit Musikern des Osnabrücker Symphonieorchesters und seinen Jugendchor bei Henry Purcells „My Heart Is Inditing“.

Mit diesem Jubel-Anthem hat Purcell die Krönung von König James II. besungen – und was für einen König taugt, passt auch zur eigenen Geburtstagsfeier. Zumal die Sänger und Musiker unter Rahe frisch und lebendig musizieren, mit großem Vergnügen Purcells festliche, dabei mitunter vertrackte Musik umsetzen.

Das gilt auch für die Musik Johann Sebastian Bachs, die den Schwerpunkt des Konzerts bildet. Die Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227 ist so etwas wie ein Dauerbrenner des Osnabrücker Jugendchors, ein Werk von erhabener Größe – die allerdings erarbeitet sein will. Rahe verzichtet hier auf jede instrumentale Stütze, also auch auf Akkord- und Bassfundament durch Orgel etwa. Der Chor agiert also ohne Netz und doppelten Boden, und Rahe schöpft in fließenden Tempi die Ausdruckstiefe der Musik aus. Die Verderblichkeit des Fleisches, das Heil des Geistes: Bach hat dafür musikalische Bilder von extremer musikalischer Ausdruckskraft gefunden, dies die der Chor hoch emotional umsetzt, mit einem scharfen, vom Sopran dominierten Klangbild.

Dank mit Bach

Das Finale gehört ebenfalls dem Thomaskantor, und auch da stapelt der Chor keineswegs tief: Diesmal leitet Clemens Breitschaft Orchester und Chor im „Sanctus“, „Osanna“, „Benedictus“ und schließlich im „Gratias agimus tibi“ aus der h-Moll-Messe. Da funkeln also die Trompeten, der Chor glänzt in Geburtstagspracht, Daniel Wagner überreicht als Solist im „Benedictus“ Grüße aus dem Theater am Domhof – das Gotteshaus und den Kulturtempel verbindet eine langjährige fruchtbare Partnerschaft; ein Beleg für den hohen Stellenwert des Jugendchors im musikalischen Leben der Stadt.

Am Ende steht das „Gratias agimus“ aus der h-Moll-Messe als großer Dank des Chores ans Publikum, und das spendet lang anhaltenden Applaus – was sicher als ein Symbol für herzliche Glückwünsche interpretiert werden darf.


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