Gutes Geschäft mit den Gräbern Stadt Osnabrück und Gärtner rangeln um Friedhofspflege


Osnabrück. Henning Sannemann ist nicht gut auf Stadtverwaltung und Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) zu sprechen. Der Friedhofsgärtner mit Sitz in Schinkel sieht sich in seinem privatwirtschaftlichen Handeln vom OSB ausgebremst und von Verwaltung und Politik im Stich gelassen.

„Die Stadt hat kein Geld, der OSB kommt mit der Friedhofspflege nicht mehr nach , aber unsere Ideen und Angebote finden bei den Verantwortlichen keine Beachtung“, sagt Sannemann. Sannemann ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Nordwestdeutschen Treuhandstelle für Dauergrabpflege. Gesellschafter dieser Einrichtung sind mit 75 Prozent der Anteile der Wirtschaftsverband Gartenbau als für den Nordwesten zuständiger Arbeitgeberverband sowie mit 25 Prozent die Sparkasse in Bremen.

Verkürzt gesagt kümmert sich die Treuhandstelle um die Grabpflege, wenn dies die Hinterbliebenen nicht leisten wollen oder können. Dafür zahlen sie einen Betrag ein, der von der Gesellschaft treuhänderisch verwaltet wird. Mit dem Geld wird die Arbeit der angeschlossenen Friedhofsgärtner für einen zuvor definierten Zeitraum finanziert. Die Arbeiten werden von der Treuhandstelle regelmäßig kontrolliert.

Eine neue Variante der Bestattung bietet die Treuhandstelle und die ihr angeschlossenen Gartenbaubetriebe mit dem Memoriam-Garten an. Dieser Ort der Erinnerung wird einerseits ganz individuell, andererseits als harmonisches Ganzes gestaltet. Grabmale markieren den Ort der Beisetzung, ohne dass die einzelnen Gräber eingefasst wären. Mit Kunstobjekten und Sitzgelegenheiten bietet ein Memoriam-Garten Trauernden die Möglichkeit ihrer Verstorbenen zu gedenken, ohne selber häckern und pflanzen zu müssen.

Einen solchen Memoriam-Garten hätte sich Sannemann auch gut für Osnabrück vorstellen können. „Seit Jahren habe ich versucht, diese neue Bestattungsart in Osnabrück einzuführen“, sagt Sannemann. Da er in die Entwicklung des Gartens einbezogen gewesen sei, hätte Osnabrück die erste Kommune in Niedersachsen sein können, die auf einem Friedhof so einen Memoriam-Garten hätte zeigen können. Nun ist der erste niedersächsische Memoriam-Garten Mitte des Monats in Wunstorf eröffnet worden.

Trotz Zusagen von Politik und Verwaltung habe sich der OSB bis heute geweigert, ein solches Projekt in Osnabrück umzusetzen. Schlimmer noch, so Sannemann: „Man hat sich das Wissen der Friedhofsgärtner zu eigen gemacht, um es dann in diesem Herbst selber umzusetzen.“ Für ihn und seine Kollegen stelle sich nun die Frage, ob es Aufgabe der Kommune bzw. ihrer Tochtergesellschaften sei, Grabpflege zu übernehmen, die bis dato von Friedhofsgärtnern geleistet wurde. „Wir können das schöner und preiswerter“, ist sich Sannemann sicher.

Unverständlich ist für Sannemann auch, dass der OSB auf der einen Seite über zu viel Arbeit für zu wenig Mitarbeiter klage – gerade auch im Friedhofsbereich – auf der anderen Seite aber zusätzliche Aufgaben übernehme. Für Sannemann ist der derzeitige Zustand der Friedhöfe ohnehin kein Aushängeschild für die Stadt.

Das sieht Axel Raue, Betriebsleiter des OSB, naturgemäß anders. „Wir arbeiten im Friedhofsbeirat mit den Gewerbetreibenden erfolgreich zusammen“, sagt Raue. Er erkenne auch das wirtschaftliche Interesse der Gartenbaubetriebe an. Die Friedhöfe seien aber gebührenfinanziert. „Wir haben da eine hohe Verantwortung, die Gebühren so gering wie möglich zu halten.“ Der städtische Eigenbetrieb habe in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, die Friedhofspflege zu optimieren. Der OSB sehe sich mit einem starken Wandel in der Bestattungskultur konfrontiert. „Die Stadt verfügt mittlerweile über wesentlich mehr Friedhofsflächen, als sie benötigt“, sagt Raue.

Zudem könne der OSB nicht hingehen und eine Fläche ohne öffentliche Ausschreibung an zum Beispiel an die Nordwestdeutsche Treuhandstelle für Dauergrabpflege vergeben. Es stelle sich für ihn dann ohnehin die Frage, wo denn da der Wettbewerb bleibe, weil ja in einem solchen Fall lediglich die der Treuhandstelle angeschlossenen Betriebe zum Zuge kämen. „Alle anderen wären dann außen vor.“

Außerdem würde die Treuhandstelle seiner Ansicht nach sicher nur auf 1-A-Lagen übernehmen wollen. Die Stadt müsse dann bei nahezu gleichem Kostenapparat den Rest versorgen, was sich wiederum nur negativ auf die Gebühren auswirken könne.

„Ich denke nicht, dass wir in Konkurrenz zu den Gärtnern stehen“, wiegelt Raue Sannemanns Argument ab, der OSB nehme den gewerblichen Friedhofsgärtnern die Arbeit weg. In Zeiten eines starken Wandels der Bestattungskultur müsse der OSB gerade mit Blick auf die Gebühren langfristig strategisch denken und handeln. „Wir müssen die Einnahmen verbessern“, sagt Raue. Dazu müsse sich der OSB dem Zeitgeist stellen und neue Bestattungsformen in sein Dienstleistungsangebot aufnehmen.


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