„Planeta Sol“-Chef Pedro Stortini Vertrag auf dem Bierdeckel

Von Carolin Appelbaum

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Osnabrück. „Fußball! – Fußball?“ Als Pedro Stortini auf einer Party dieses Wort aufschnappte, konnte er kaum ein Wort Deutsch, aber „Fußball“ verstand er, und er sprach die ihm fremden jungen Leute an. Einer von ihnen war Christoph Kock, sein heutiger Mannschaftskollege beim FC Concordia und ein guter Freund. Kock erzählt lachend, wie er noch am selben Abend den fremden Partygast für den Fußballclub angeworben hat. „Ich habe ihn gleich auf einem Bierdeckel einen lebenslangen Vertrag unterzeichnen lassen, als ich hörte, dass er aus Brasilien kommt.“

Das war vor zehn Jahren, kurz nach der Ankunft von Pedro Stortini in Osnabrück. Inzwischen ist er hier heimisch geworden. Mit Familie, Fußballverein und gutem Deutsch. Und er schüttelt heute noch etwas ungläubig den Kopf darüber, dass er mittlerweile seit zehn Jahren hier ist. So war das damals nämlich nicht geplant.

2004 lebte Pedro Stortini in Itacaré, einem beliebten Ferienort an der Nordostküste Brasiliens. Ein Surferparadies mit traumhaften Stränden. Mit einem Freund betrieb er dort eine Bar, das „Planeta Sol“, und ein Gästehaus für Touristen. Wenn sie nicht arbeiteten, saßen sie mit Freunden am Strand, spielten Gitarre und sangen. So liebte Pedro das Leben, voller Leichtigkeit, Lachen und Einfachheit.

Eigentlich hatte er Geschichte studieren wollen, doch nach ein paar Semestern gab er auf, weil die Studiengebühren zu hoch waren. Obwohl er arbeitete, konnte er es sich nicht mehr leisten. Das ist noch heute bitter für ihn: „Ich empfinde es als schade, wegen Geld die Bildung aufgeben zu müssen.“ Doch er haderte nicht lange, verließ seine Heimatstadt Belo Horizonte, um sich in Itacaré ein neues Leben aufzubauen.

Dort begegnete er Anna, einer jungen Touristin aus Deutschland. Sie blieb ein paar Monate, und sie verliebten sich ineinander. Als sie nach Deutschland zurückkehrte, war klar, dass er sie besuchen würde. Am Ende der Saison packte Pedro die Koffer für einen Urlaub in Deutschland. Noch nie zuvor hatte er Brasilien verlassen. Am 30. April 2004 kam er in Osnabrück an, der Heimatstadt seiner Urlaubsliebe. Drei Monate wollte er bleiben – mittlerweile sind es zehn Jahre geworden.

Nach einigen Jobs als Fußballtrainer, Putzkraft oder Koch übernahm er ein Restaurant. Aus dem früheren „Divan“ in der Volkshochschule wurde unter seiner Regie das „Planeta Sol“, eine Kneipe mit brasilianischer Küche und dem Namen seiner Bar in Itacaré.

„Macht nicht so große Schritte! Macht kleine Schritte – kleine Schritte machen das Leben einfacher und das Tanzen auch.“ Der Salsa-Lehrer klingt ein bisschen verzweifelt, dabei machen sich seine Schüler gar nicht so schlecht. Es ist Dienstagabend, Salsa-Zeit im „Planeta Sol“, wo sich 20 Leute mit mehr oder weniger kleinen Schritten und mehr oder weniger wiegenden Hüften in dem lateinamerikanischen Tanz versuchen.

Im „Planeta Sol“ bietet die Mambo-Latin-Jazz Academy Osnabrück regelmäßig Salsa-Abende an, inklusive Schnupperstunden. Für Pedro Stortini passt der Tanz gut in das lateinamerikanische Flair seines Restaurants. Er selber tanzt nicht Salsa: „In Brasilien tanzt man auch nicht Salsa, sondern Samba oder Forró.“

Doch ohnehin hätte er zum Tanzen keine Zeit. Während in der oberen Etage des Restaurants die Luft langsam schwül von den Salsa-Tänzern wird, schwitzt Pedro unten in der Küche. Auf der Karte stehen brasilianische Spezialitäten – von den kleinen Gemüse-Teigtaschen bis zur üppigen Fischplatte, hier stilecht Peixada genannt, kocht Pedro alles selbst.

Kochen hat er von seiner Mutter gelernt. Da war er erst 15 und wollte seine Mutter entlasten, die als Lehrerin arbeitete und drei Jungs alleine großzog. In der Küche habe er seiner Mutter beim Kochen zugesehen und sich vieles abgeguckt. Und manches davon später auf dem Campingkocher nachgekocht, wenn er mit Freunden zelten war. Manchmal ruft er noch heute seine Mutter an und holt sich Tipps: „Mama, was muss ich tun, damit es schmeckt?“

Das Kochen hat Pedro Stortini geholfen, in Osnabrück beruflich Fuß zu fassen. Und privat? Seine damalige Urlaubsliebe Anna ist heute seine Frau und Mutter seiner zwei Söhne Noel und Jonas.

Christoph Kock, sein Mannschaftskollege vom FC Concordia, beschreibt Pedro so: „Er ist sehr direkt, hat kaum Berührungsängste und ist immer guter Laune.“ Dass Pedro damals in den Fußballverein eingestiegen ist, bezeichnet er fußballerisch und menschlich als Volltreffer. „Diese Lust auf Leben, das gibt mir auch als Freund viel“, erzählt er und ergänzt: „Egal, wie schwierig etwas ist, Pedro zeigt immer, dass ein Lächeln schon weiterhilft.“

Genau das bezeichnet Pedro als den roten Faden seines Lebens: „Lachen ist für mich wichtig, ich rede auch über wichtige Dinge mit einem Lachen im Gesicht.“ Er sei eben ein unkomplizierter Mensch, der nicht viel brauche, um glücklich zu sein.

Pedro Stortini hat den roten Faden von Verena Navarro Schröder (Foto) aufgenommen und reicht ihn weiter an Hannes Jahn, Elektrotechniker und Wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Hochschule.


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