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Auftritt in Osnabrück-Halle Gegner und Fans von Dieter Nuhr demonstrieren in Osnabrück


Osnabrück. Am Samstagabend hat Dieter Nuhr seinen Auftritt in der Osnabrück-Halle. Vor dem Auftritt demonstrierten Fans und Gegner des Comedians. Wir berichten von der Osnabrück-Halle.

Von Daniel Benedict, Rainer Lahmann-Lammert und Hendrik Steinkuhl

Ist es Komik oder Hetze? Seit eine Anzeige gegen den islamkritischen Kabarettisten Dieter Nuhr wegen der Beschimpfung von Religionsgemeinschaften publik wurde, steht er im Zentrum einer Debatte über Islam und Islamophobie. In früheren Programmen hatte er regelmäßig spöttische Aussagen über den Islam getroffen. An diesem Samstag tritt er in der Osnabrück-Halle auf.

Erhat Toka, dem eine Nähe zu islamischen Hardlinern nachgesagt wird, rief zum Protest vor dem Veranstaltungsort auf. Er verweist auf ein Youtube-Video, das Nuhrs Aussagen geballt wiedergibt. 30 Männer sind seiner Aufforderung gefolgt.

Erhat Toka wendet sich mit Megaphon an die Passanten. Einige beschimpfen ihn, Toka antwortet prompt - durchaus auch mit Humor.

„Wenn es Sie stört, dass ich hier bin, dann gehen Sie doch weg! Sie müssen nur Ihren Hund mitnehmen, ich muss mein ganzes Zelt einpacken.“

Inhaltlich bezieht sich Toka vor allem auf die Koran-Suren, die Dieter Nuhr in einigen Programmen ob ihrer Gewaltverherrlichung zitiert. Toka trägt nun die Suren in größerem Zusammenhang vor, um den Eindruck der herausgelösten Textstellen zu entschärfen.

Nach seiner Motivation gefragt sagt Toka: „Das hier ist meine Pflicht! Das ist der Inbegriff des Dschihad: Auf friedliche Art für meine Religion einzutreten.“

Toka distanziert sich von Mitdemonstranten

Interessant: Obwohl Erhat Toka betont, dass er alle Mitdemonstranten kenne und sie „meine Brüder“ nennt, grenzt er sich auch von ihnen ab. „Ich bin hier heute Abend nur für das verantwortlich, was ich selbst sage!“

Einige Osnabrücker sind gekommen, obwohl sie keine Karte für Dieter Nuhr haben. Zu ihnen gehört Marita Thöle, die für das Kulturamt der Stadt arbeitet.

Sie trägt einen laminierten Zettel vor der Brust mit der Aufschrift: „Was darf Satire? Alles.“ Gegenüber unserer Zeitung sagt sie, sie sei schockiert, dass Teile der islamischen Gemeinde Osnabrücks gegen Dieter Nuhr demonstrieren. „Ich bin auch Fan von ihm.“

Demonstriert habe sie schon oft, sagt die langjährige Fraktionsgeschäftsführerin der Osnabrücker Grünen. „Aber heute mache ich das zum ersten Mal alleine.“

Ulrich P., der seinen Nachnamen nicht nennen will - „Aus Angst“, wie er sagt - geht die Demonstranten trotz dieser Angst offen an. „Dann geht doch zurück in die Türkei!“

Offen kritisiert werden die Demonstranten auch von Tina Malachowitz, die übrigens Karten für den Nuhr-Auftritt hat. „Wo sind denn eure Frauen? Ich sehe gar keine Frauen!“

Laut Polizei waren 80 Demonstranten angemeldet.

Dieter Nuhr hat unterdessen bei seinem Auftritt in Osnabrück Stellung bezogen zum Islam und der Kritik an ihm.


Vorübergehend hatte der Kabarettist der „NOZ“ die Berichterstattung über seinen Auftritt verwehren wollen. Inzwischen zog er dies zurück.

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