„Zu alt für das Showgeschäft?“ Von wegen! Ulla Meinecke bewegt im Osnabrücker Rosenhof

Poetisch, tiefgründig und sarkastisch sind die Texte, die Ulla Meinecke mit ihren beiden Begleitern auf die Bühne brachte. Foto: Elvira PartonPoetisch, tiefgründig und sarkastisch sind die Texte, die Ulla Meinecke mit ihren beiden Begleitern auf die Bühne brachte. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Sie ist Autorin, Schauspielerin, vor allem aber Sängerin: Ulla Meinecke. Seit 1977 ist sie auf deutschen Bühnen präsent. Jetzt trat sie im Osnabrücker Rosenhof auf, zusammen mit ihren langjährigen Wegbegleitern Ingo York und Reinmar Henschke.

Und zusammen lieferten sie eine Art Best-of-Programm: Selbst geschriebene Lieder und Lieblingsstücke anderer Songwriter packte sie zu einem unterhaltsamen Programm mit bewegenden Momenten.

Eigentlich müsste der erste Song nicht wie im Original „Wenn 2 (zueinander passen)“ heißen, sondern „Wenn drei zueinander passen“. Dann könnte man dieses typische Ulla-Meinecke-Lied nämlich auf die Band beziehen, die jetzt im Rosenhof auf der Bühne steht. Denn die Wahlberlinerin hat zwei Multiinstrumentalisten im Schlepptau, die so gut zu ihr passen, dass die überwiegend akustisch gespielten Lieder stimmungsvoll und wie aus einem Guss geraten. Ingo York und Reinmar Henschke legen die Stimme der 61-Jährigen in ein komfortables Bett, das mal kuschelig und gemütlich daherkommt, mal – passend zu den Schlafstörungen der „Chefin“ – unbequem und sperrig.

Schon früher, als sie mit Liedern wie „Die Tänzerin“ ungemein erfolgreich war, zeichneten sich die Songs von Ulla Meinecke durch anspruchsvolle Texte und für Popmusik eher ungewöhnliche Instrumentierung aus. Das hat sich bis heute nicht geändert. Noch poetischer und tiefgründiger oder auch sarkastischer sind ihre Texte geworden. Es ist wohl die Reife, die sie Songs wie „Schlendern ist Luxus“ schreiben lässt. Und dann singt sie „Ich bin zu alt für das Showgeschäft“, straft diese Aussage aber gleichsam Lügen, denn sonst würde sie nicht dort im Scheinwerferlicht stehen. So wird das gesungene Statement gegen Facelifting und Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff zu einem sehr persönlichen.

Überhaupt scheint es der Sängerin wichtig zu sein, ihre Anliegen und Ansichten nicht nur per Musik an den Mann und die Frau zu bringen, sondern auch mit Kommentaren und Geschichten zwischen fast allen Songs. Da erzählt sie, dass sie Paare in der Regel nicht am Hut haben kann und dass sie als Heranwachsende Probleme mit „Vorbilderinnen“ hatte: Huckleberry Finns Becky Thatcher und Winnetous Schwester Nscho-tschi passten ihr nicht! Das hat kabarettistische Züge.

Ihre Begeisterung für Marlene Dietrich äußert sie in Text und Ton, dann schwärmt sie für Marc Cohn und interpretiert dessen Song „Walking In Memphis“, um sich mit „Grapefruit Moon“ einem Song von Tom Waits zuzuwenden. Auch Udo Lindenberg, dem „ersten Mann, der mir vor 36 Jahren eine Chance gegeben hat“, widmet sie einen Song. Und Osnabrück thematisiert sie, denn bei einem Spaziergang durch die Stadt waren ihr die Kinder mit den Steckenpferden aufgefallen: „Irgendjemand erklärt mir bestimmt, was es damit auf sich hat.“

Alsbald dürfen ihre Begleitmusiker zeigen, was sie können: Ingo York slappt funky Saiten in einer sehr eigenen Version von Michael Jacksons „Human Nature“, singt auch und begleitet sich mit diversen Perkussioninstrumenten, dann liefert Henschke ein effektvolles Pianosolo.

Den ergreifendsten Moment des Konzerts legt Ulla Meinecke an das Ende: Das stimmungsvolle „Übers Meer“ singt sie im Andenken an ihren Freund und Kollegen Rio Reiser. „Mit ihm konnte ich über alles reden.“ Es folgt Rios folkiger Song, den die Ulla-Meinecke-Band sehr intensiv vorträgt. Inklusive eines prägnanten Bordunklangs, den die Sängerin mit den Saiten einer Gitarre generiert und deren Sound noch nachwirkt, als die Band schon ultimativ die Bühne verlassen hat. Stark.


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