Architektur in Osnabrück Die Lutherkirche war der erste moderne Sakralbau

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Osnabrück. In der Reihe „Architektur in Osnabrück“ wird heute die 1909 eingeweihte Lutherkirche mit ihrer Jugendstilmalerei im Inneren betrachtet.

Wenn Kunstfreunde heute in die Lutherkirche pilgern, dann vor allem wegen der Jugendstilmalerei in ihrem Inneren. Doch nicht zu jeder Zeit wussten die Verantwortlichen dieses Zeugnis des in Frankreich Art nouveau genannten Stils zu schätzen. In den 50er-Jahren, in denen Kunst und Architektur der hervorgehenden Jahrhundertwende nicht sonderlich geschätzt wurden, verschwanden die Malereien unter weiß-grauer Dispersionsfarbe und wurden erst drei Jahrzehnte später wieder freigelegt. Das war in den 80er-Jahren, als Denkmalpfleger und Kunstwissenschaftler erkannten, dass die Jugendstil-Dekorationen ein Alleinstellungsmerkmal weit über die Stadtgrenzen hinaus sind.

Die 1909 geweihte Kirche gilt als Osnabrücks erster moderner Kirchenbau und gehört neben dem Theater und dem Haarmannsbrunnen zu den drei Bauwerken in Osnabrück, die konsequent dem Jugendstil verpflichtet sind. Das auffälligste Merkmal der schlichten Außenfassade ist der runde Turmhelm aus Kupfer.

Architekt Karl Börgemann lehnte sich bei dem Bau im Rundbogenstil an das Wiesbadener Programm von 1890 an, ein Gegenentwurf zum Eisenacher Regulativ von 1861, das eine mittelalterliche Bauweise protestantischer Gotteshäuser forderte. Das Wiesbadener Programm dagegen knüpft an alternative Formen des Kirchenbaus wie der barocken Dresdener Frauenkirche an.

Die Lutherkirche ist ein Kind ihrer Zeit. Nicht ein Kreuz, sondern ein Bild des auferstandenen Christus dominiert in der Apsis den Kirchenraum. Das passte in eine Zeit, in der das Deutsche Reich seit fast 40 Jahren im Frieden lebte und der deutsche Kaiser sich diesem triumphierenden Symbol näher fühlte als dem Leiden des Kreuzes. In den nach den Weltkriegen entstandenen Kirchenbauten dominiert wieder das Kreuz. Auch in der Lutherkirche wird seine Bedeutung heute durch stärkere Beleuchtung vergrößert.

Dass die ornamentale Ausmalung des Jugendstils in Grau, Beige und Ockergelb mit roten und blauen Akzenten wieder zu bestaunen ist, ist einem Zufall zu verdanken. Zwischen 1987 und 1989 musste die Kirche wegen schwerer Bauschäden restauriert werden. Bei den Arbeiten wurden die Reste der Malereien entdeckt, die daraufhin freigelegt wurden.

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