Als Arbeiterkind an der Uni Ehrenamtliche helfen akademischen Pionieren

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Ehrenamtliche helfen beim Hochschulstart (von links): Saskia Perkuhn, Christina Hesse, Astrid Lohenert und Marcel Bretzigheimer. Foto: Hermann PentermannEhrenamtliche helfen beim Hochschulstart (von links): Saskia Perkuhn, Christina Hesse, Astrid Lohenert und Marcel Bretzigheimer. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Wie organisiere ich mein Studium am besten? Was bringt mich weiter? Wie knüpfe ich Kontakte? Und vor allem: Wie finanziere ich meine Zeit an der Uni oder Hochschule? Diese Fragen beschäftigen alle Studierenden. Besonders knifflig sind die Antworten aber für Erstsemester, die die Ersten in ihren Familien sind, die ein Studium aufgreifen. Die Initiative Arbeiterkind.de will ihnen helfen.

„Meine Mutter hat gesagt: ‚geh studieren‘, aber ich weiß, dass das die Ausnahme in Familien ist, in denen noch niemand studiert hat“, erzählt Alexander Ziegert. Der junge Mann ist mittlerweile Diplom-Jurist. Und weil er weiß, wie schwierig die Organisation eines Studiums gerade für Kinder von Nicht-Akademikern ist, engagiert er sich, um anderen zu helfen.

Seit 2008 gibt es Arbeiterkind.de. Die Idee und den Namen der mittlerweile bundesweiten Initiative hat Katja Urbatsch entwickelt. Auch sie gehört zur ersten Generation einer Familie, die ein Studium absolviert. Nach einem erfolgreichen Examen an der Freien Universität Berlin arbeitet sie inzwischen an ihrer Doktorarbeit – und ist damit ein Vorbild für andere Arbeiterkinder, zumal sie sogar ein Stipendium erhält.

Solche Vorbilder erleichtern die Orientierung. Das zeigen Studien, beispielsweise des Deutschen Studentenwerks. Sie machen auch deutlich, dass von 100 Kindern aus Akademikerfamilien 77 ein Studium aufnehmen – bei Facharbeiterfamilien sind es lediglich 23.

Zehn Absolventen und Studierende sind in Osnabrück für Arbeiterkind.de aktiv. „Wir beantworten alle Fragen rund ums Studium oder leiten an die entsprechenden Stellen weiter“, sagt Alexander Ziegert. Und nicht nur das. Arbeiterkind.de bietet einen monatlichen Stammtisch an, zu dem jeder kommen kann, der Fragen hat, egal welches Semester. Zudem hatten die Aktiven auch einmalig ein besonderes Treffen für Erstsemester im Angebot, um ihnen den Start zu erleichtern. Geplant ist außerdem eine regelmäßige Sprechstunde.

Und: Die Aktiven gehen auch in Schulen, um Abiturienten aus Arbeiterfamilien Möglichkeiten aufzuzeigen und Argumente an die Hand zu geben. „Beispielsweise dafür, ihre Familien von ihrem Wunsch zu überzeugen, ein Studium aufnehmen zu wollen“, erläutert Ziegert und betont, das Arbeiterkind.de auch dabei hilft, eine stimmige Bewerbung zu verfassen. Inzwischen ist die Gruppe in Osnabrück mit anderen Initiativen vernetzt, wie „Hope – Hochschulperspektiven für alle“, und schließt sich auch mit der Zentralen Studienberatung kurz.

Der Stammtisch trifft sich am ersten Donnerstag eines Monats um 18.30 Uhr, das nächste Mal also am 6. November. Der Veranstaltungsort ist derzeit noch offen und wird auf Anfrage unter der E-Mail osnabrueck@arbeiterkind.de bekannt gegeben. Infos gibt es außerdem bei Facebook unter der Adresse facebook.com/WegZurUni .


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