Für alle Seiten ein Gewinn Aktionstag „Handschlag“ der Bürgerstiftung Osnabrück

Von Regine Hoffmeister


Osnabrück. Jeder kann mitmachen, das ist das Prinzip des Aktionstags „Handschlag“ der Bürgerstiftung Osnabrück. Wer sich einen Tag lang mit seinem Mitarbeiterteam sozial engagieren möchte, für den findet das Projektteam der Bürgerstiftung auch eine passende Aufgabe. Spendengelder sind zwar willkommen, aber sie sind nicht die Hauptsache bei der Aktion. Wichtig ist vielmehr das Miteinander und Eintauchen in eine fremde Lebenswelt.

17 Unternehmen und fünf öffentliche Einrichtungen haben sich in diesem Jahr beim Aktionstag eingebracht und insgesamt 21 Kooperationsprojekte mit sozialen Einrichtungen in Osnabrück realisiert. Einige setzten auf ihre Fachkompetenzen, andere wollten einmal ganz neue Erfahrungen sammeln. So kam es dann auch, dass Polizisten alte Möbel abschleiften, Elektriker bunte Acrylbilder malten und IHK-Mitarbeiter schlaffe Kinderwagenreifen aufpumpten.

„Ich finde es sehr interessant, Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen kennenzulernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten“, erklärte Saskia Wacker (19), die bei der Georgsmarienhütte GmbH eine Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin macht. Ihr Einsatzort am Aktionstag war die Jugendwerkstatt des Zentrums für Jugendberufshilfe an der Dammstraße. Zusammen mit den Flüchtlingen Osman (25) und Sadam (15) aus Somalia suchte sie Motive für Bilder aus, die sie gemeinsam malen wollten. „Die Bilder können die beiden anschließend in ihrem Flüchtlingsheim aufhängen, um ihre Wohnräume etwas zu verschönern“, sagte Wacker.

„Alles, was heute hier gebaut wird, kommt direkt dem Heim zugute“, sagte Sozialpädagogin Mascha Jecht. Eine Wanduhr, ein Fahrradständer und einige Tischtennisschläger seien bereits in Arbeit. „Vier ausrangierte Räder werden außerdem wieder flottgemacht und an die Flüchtlinge verschenkt.“

Normalerweise kümmern sich die Pädagogen in der Werkstatt um Schulverweigerer, denen sie berufliche Perspektiven aufzeigen wollen. Die Flüchtlinge dürfen nur einmal in der Woche die Fahrradwerkstatt besuchen und am Nachmittag das hauseigene Internetcafé nutzen. „Das hat rechtliche Gründe“, erklärte Jecht. Beim „Handschlag“-Tag arbeiteten aber alle gemeinsam: die Jugendlichen aus der Werkstatt, die Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea und die neun Auszubildenden der Georgsmarienhütte GmbH.

Viele der Unternehmen haben bereits bei einer Projektbörse im März abgesprochen, mit welchen sozialen Einrichtungen sie zusammenarbeiten und wie sie sich konkret engagieren wollten. Neu dabei waren in diesem Jahr neben der Georgsmarienhütte GmbH auch das Volkswagen-Zentrum Osnabrück, die Wertarbeit GmbH, das Theater Osnabrück, die Wilhelm Koch GmbH und die Werbeagentur Hagenhoff.

„Ganz viele Unternehmen schicken ihre Auszubildenden zu ,Handschlag‘“, erklärte Dieter Höfner von der Bürgerstiftung. Sie sollen dabei einmal über den eigenen Tellerrand schauen und verstärkt soziale Kompetenzen ausbilden. „Auf der anderen Seite ist das soziale Engagement der Unternehmen aber auch imagefördernd“, gab Ulrich Ruf von der Bürgerstiftung zu bedenken. „Gerade auf dem umkämpften Bewerbermarkt lassen sich damit zusätzliche Pluspunkte sammeln.“

Ums Bewerben ging es auch beim Kooperationsprojekt der Wilhelm Koch GmbH. Logistikleiter Sven Grauert nahm sich die Bewerbungsunterlagen von einigen Jugendlichen vor, die vom Jugendmigrationsdienst des Caritasverbandes in Zusammenarbeit mit dem Berufsschulzentrum am Westerberg betreut werden. Geduldig erklärte er, wie eine gute Bewerbung für einen Ausbildungsplatz aussieht und wie man vermeintliche Schwächen argumentativ ausbügeln kann. „Die Jugendlichen sind erst seit Kurzem in Deutschland und absolvieren bei uns ein Berufsvorbereitungsjahr“, erklärte Andrea Hagemann von der Caritas. „Unsere duale Ausbildung kennen viele aus ihren Herkunftsländern gar nicht.“

Aicha (18) aus Marokko berichtete, dass man sich in ihrem Heimatland gar nicht per Bewerbungsschreiben vorstellt, sondern direkt zu den Unternehmen geht. Für ihre Wunschausbildung als Stewardess werde sie jetzt aber eine richtige Mappe zusammenstellen. Schaban (17) hingegen hat schon fast zehn Jahre „Berufserfahrung“. Als Siebenjähriger begann er in seinem Heimatland Iran auf einem Recyclinghof zu arbeiten, der Plastikmüll aus Deutschland zur Wiederverwertung aufbereitete. Seit knapp einem Jahr lebt er jetzt in Deutschland. „Ich möchte gern eine Ausbildung als Elektriker machen“, gab er als Berufsziel an.

Konkrete Berufsziele hatten die Kinder aus dem Hort „Rosenkinder“ noch nicht. Doch ihre eintägige „Mitarbeit“ bei der Piepenbrock-Unternehmensgruppe begeisterte einige so sehr, dass sie sich eine Arbeit im Bereich Gebäudereinigung durchaus vorstellen können. Mit Kehrwagen machten sie die Straßen und Wege rund um den Verwaltungssitz des Unternehmens sauber, lernten Fensterputzen und Putzlappen-Weitwerfen. „Den Kindern macht das hier richtig Spaß“, sagte Hortleiterin Petra Nieweg. „Sie genießen die Aufmerksamkeit und sind neugierig, alles auszuprobieren.“

Mit den „Rosenkindern“ sei sie schon zum wiederholten Mal bei „Handschlag“ dabei. Mit nachhaltiger Wirkung: „Die Rosen, die die Firma Meyer-Entsorgung bei uns vor ein paar Jahren gepflanzt hat, blühen und gedeihen immer noch.“