Aktuell keine weiteren Abschreibungen Landkreis Osnabrück: RWE-Aktien noch 65 Millionen wert

Von Jean-Charles Fays

Der Erste Kreisrat Stefan Muhle sieht die Perspektive für die RWE-Aktien des Landkreises optimistisch. Archiv-Foto: Uwe LewandowskiDer Erste Kreisrat Stefan Muhle sieht die Perspektive für die RWE-Aktien des Landkreises optimistisch. Archiv-Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Die Bevos muss als Tochtergesellschaft des Landkreises Osnabrück keine weiteren Abschreibungen nach dem Kursverfall der RWE-Aktien vornehmen. 2011 wurden schon außerplanmäßige Abschreibungen für 2011 in Höhe von 45,7 Millionen Euro und 2012 in Höhe von 12,3 Millionen Euro vorgenommen. Daher sagt der Erste Kreisrat Stefan Muhle unserer Zeitung: „Aufgrund der rechtzeitigen Wertkorrekturen sind, anders als bei Kommunen, die diese Anpassung noch nicht vorgenommen haben, aktuell keine weiteren bilanziellen Abschreibungen erforderlich“. Die 2,1 Millionen Aktien hätten aktuell noch einen Wert von 65,7 Millionen Euro.

Die Gewinne in der Stromerzeugung sind gerade in diesem Jahr eingebrochen. Wie wirkt sich der Kursverfall der RWE-Aktien aus und wie viel musste der Kreis abschreiben?

Der Landkreis Osnabrück ist zu 100 Prozent an der Bevos Beteiligungs- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH Landkreis Osnabrück, kurz Bevos GmbH, beteiligt. Sämtliche RWE-Aktien werden bei der Bevos GmbH gehalten und sind nicht im unmittelbaren Besitz des Landkreises. Damit ergeben sich auch keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Haushalt des Landkreises. Die Bevos GmbH bilanziert in ihrem Anlagevermögen rund 2,1 Millionen Stammaktien der RWE AG. Der Buchwert der Aktien in der Handelsbilanz zum 31.12.2013 beträgt 65,3 Millionen Euro. Dies entspricht einem Wert pro Aktie in Höhe von 31,24 Euro. Aufgrund der nachhaltig gesunkenen Aktienkurse der RWE-Aktien war in den vergangenen Jahresabschlüssen der Bevos GmbH zu überprüfen, ob verpflichtende Abschreibungen vorzunehmen waren. Bei dieser Prüfung ergaben sich außerplanmäßige Abschreibungen für 2011 in Höhe von 45,7 Millionen Euro und für 2012 in Höhe von 12,3 Millionen Euro. Aufgrund der rechtzeitigen Wertkorrekturen sind, anders als bei Kommunen, die diese Anpassung noch nicht vorgenommen haben, aktuell keine weiteren bilanziellen Abschreibungen erforderlich.

Wieviel sind die 2,1 Millionen RWE-Aktien des Landkreises noch wert?

Am 16. Juli hatten sie einen Wert von rund 65,7 Millionen Euro.

In den vergangenen Jahren ging der Landkreis von einer Dividende von vier Millionen Euro aus. Durch die Dividendenkürzung hat der Landkreis in diesem Jahr im Vergleich dazu zwei Millionen Euro weniger Einnahmen. Mit welcher Dividende rechnen Sie im kommenden Jahr?

Die Bevos GmbH rechnet mit gleichbleibenden Erträgen von 1 Euro je Aktie, also mit knapp 2,1 Millionen Euro.

2008 waren die Aktien noch 200 Millionen Euro wert. Im April dieses Jahres war dieser Wert bereits auf 54 Millionen Euro geschrumpft. Wie entwickelte sich das Anlagekapital des Kreises bis Juli?

Der Aktienkurs ist gestiegen und damit auch das Finanzanlagevermögen.

Warum sollte der Landkreis die RWE-Aktien behalten, obwohl Kritiker wie die Grünen schon länger den Verkauf des Paketes fordern?

Allein aus historischen Gründen ist eine Spekulation mit den RWE-Aktien kein Thema. Zudem ist es eine strategische Beteiligung, da die RWE in vielfältiger Weise ein starker Partner der kommunalen Ebene ist. Darüber hinaus ist die RWE-Aktie mit einer Dividendenrendite von 4,3 % finanzwirtschaftlich gesehen weiterhin ein lohnendes Investment. Der Finanzausschuss verfolgt darüber hin-aus sehr intensiv die Entwicklung des Unternehmens.

Die RWE-Aktie legte allein in den vergangenen zwei Monaten um mehr als sieben Euro zu. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf das aktuelle Anlagekapital des Kreises und auf die künftigen Planungen des Kreises?

Aktuell keine, da Kurswert und Buchwert nahezu identisch sind. Sinkt der Kurswert erheblich, ist über Sonderabschreibungen nachzudenken; steigt der Kurswert erheblich, ist über Zuschreibungen und damit einer Erhöhung des Vermö-gens in der Bilanz nachzudenken.

Wird der Landkreis wegen der unsicheren Entwicklung des RWE-Aktienkurses auch im kommenden Haushaltsjahr defensiv planen?

Die Bevos GmbH hat bisher auf Basis der Konsensschätzungen von Analysten geplant und wird diese auch weiterhin berücksichtigen. Zudem gehen wir davon aus, dass sich das Kursniveau mittelfristig auf bis zu 35 Euro je Aktie entwickelt.