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Steckenpferdreiten 2014 Osnabrücker Schüler galoppieren für den Frieden

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Osnabrück. Keine andere Veranstaltung in Osnabrück hat eine so schöne und lange Tradition wie das Steckenpferdreiten. Am Donnerstag, 23. Oktober, werden die Viertklässler wieder durch die Innenstadt galoppieren, um an den Westfälischen Frieden von 1648 zu erinnern. Das Steckenpferdreiten findet bereits zum 63. Mal statt.

Wegen der Herbstferien geht die Traditionsveranstaltung in diesem Jahr zwei Tage vor dem eigentlichen Friedenstag über die Bühne, der am 25. Oktober begangen wird. Bis 17 Uhr werden sich rund 1400 Viertklässler aus Osnabrück an der Johanniskirche versammeln und vor dort aus ihren Ritt zum Marktplatz starten. Die Kinder werden wieder ein prächtiges Bild abgeben – mit bunten Hüten und selbst gebastelten Steckenpferden.

Als Gäste werden in diesem Jahr nach Angaben der Stadt auch 23 Schüler der sechsten Klasse der Ismail-Kaymak-Schule aus der türkischen Partnerstadt Çanakkale teilnehmen, die anlässlich eines Schüleraustausches mit der Hauptschule Innenstadt zu Gast in Osnabrück sind und sich auf das Steckenpferdreiten vorbereitet haben.

Die Grundschüler singen zunächst das „Lied der Steckenpferdreiter“, bevor der Umzug mit der traditionellen Fanfare beginnt. Gegen 17.15 Uhr setzt sich der lebhafte Umzug durch die Johannisstraße über den Neumarkt, die Große Straße, den Nikolaiort, die Krahnstraße, die Marienstraße und die Heger Straße in Bewegung. Dem Zug voran gehen neben der Stadtwache auch die neuen Städtebotschafter Marie-Océane Vignaud (Angers), Yiğit Gelir (Çanakkale), Lucy Giuliano (Derby), Martijn Hoogeland (Haarlem) und Anastasia Barabanova (Twer).

Unterwegs gibt es musikalische Darbietungen. Unter anderem wirkt das Blasorchester der Angelaschule mit.

Der Umzug wird gegen 18 Uhr auf dem Markt eintreffen. Alle Kinder reiten über die Rathaustreppe, um aus der Hand des Oberbürgermeisters die traditionellen, süßen Brezeln zu erhalten. Danach empfängt Stephan Rodefeld mit seiner Band Queen Swing & The Rock’n’Royals die Kinder auf dem Marktplatz. In einer multimedialen Farbperformance wird „Der Streit der Farben“ in den Fenstern des Rathauses aufgeführt. Mit einer Feuerjonglage und anschließendem Feuerwerk wird die Veranstaltung gegen 19 Uhr beendet.


Das Steckenpferdreiten ist ein Friedensfest für Kinder, das ihnen den Gedanken der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens auf spielerische Weise vermitteln soll.

Wegen des Steckenpferdreitens wird der Neumarkt am Donnerstag, 23. Oktober, von circa 17.20 bis 18 Uhr für den Busverkehr nicht befahrbar sein. Daher sind Fahrstreckenänderungen und Verspätungen in diesem Zeitraum möglich, wie die Stadt mitteilt.

Die Tradition des Steckenpferdreitens geht auf das Jahr 1650 zurück. In dem Jahr des Friedensexekutionshauptrezesses sollten in Nürnberg die praktischen Folgen aus dem zwei Jahre zuvor geschlossenen Westfälischen Friedensvertrag geregelt werden. Damals ritten Nürnberger Jungen mit Steckenpferden zu Fürst Piccolomini, dem Beauftragten des deutschen Kaisers Ferdinand III., um ein „Friedensgedächtnis“, ein Andenken an den Frieden, zu erbitten. Piccolomini ließ nach Abschluss des Exekutionsrezesses eine große Anzahl von silbernen, viereckigen Gedächtnispfennigen prägen, die auf der einen Seite einen Jungen als Steckenpferdreiter zeigen. Auch die Jugend erhielt die Münze, „um die Friedensfreude in die nächste Generation weiterzuvermitteln“. Die emsländischen Dichterinnen Clara und Emmy von Dincklage bearbeiteten 1875 in ihrem Buch „Geschichten für die Jugend“ das Nürnberger Ereignis. In ihrer Sage ist der Schauplatz der Handlung die Friedensstadt Osnabrück. Die von Oberbürgermeister Griesert ausgeteilten Brezeln sollen die Erinnerung an den Frieden von 1648 symbolisieren. Die Geschichte der Schwestern von Dincklage war letztlich die Quelle für das Osnabrücker Steckenpferdreiten, das 1948 der damalige Stadtarchivar Ludwig Bäte (1892 bis 1977) anlässlich des 300. Jubiläums des Westfälischen Friedens im Rahmen der Friedensgedächtniswoche der Stadt Osnabrück ins Leben rief. Damals ritten rund 100 Jungen zu Ehren des Friedens durch die vom Krieg zerstörte Altstadt und umrundeten den Marktplatz zweimal. Seit 1953 wird das Osnabrücker Steckenpferdreiten jährlich und in erweiterter Form veranstaltet. Seitdem hat es sich zu einem überregional bekannten Kinderfest etabliert. Veranstalter des Steckenpferdreitens ist das Projektbüro im städtischen Fachbereich Kultur.

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