Unabhängiges FilmFest Osnabrücker Studenten untertitelten Doku

Unter Franco ermordet: der Surrealist Domingo López Torres . Foto: VerleihUnter Franco ermordet: der Surrealist Domingo López Torres . Foto: Verleih

Osnabrück. Erinnerungskultur, europäische Avantgarde und die Poesie des kanarischen Dichters Domingo López Torres stehen im Zentrum der Doku „Die versteinerten Meere. Domingo López Torres“, die ihre Deutschlandpremiere in der Sektion „Focus on Europe“ beim 29. Unabhängigen Filmfest Osnabrück hat. Studierende der Universität Osnabrück erstellten die deutschen Untertitel.

Sanfte Wellenbewegungen leiten den Film mit dem Poem „Immer das Meer, immer“ ein. Eine Pralinenschachtel wird geöffnet, die Briefe, Kinokarten, Fotos enthält: Hinterlassenschaften von „Häftling DLT“ alias Domingo López Torres (1910–1937). 2012 entstand die 48-minütige Doku „Die versteinerten Meere. Domingo López Torres“, in der Regisseur Miguel G. Morales und Autor Leoncio González die letzten Jahre des surrealistischen Dichters beleuchten. Mit 26 Jahren wurde er Opfer von Francos Militärdiktatur; seine Gedichtbände „Diario de un sol de verano“ („Tagebuch einer Sommersonne“, 1929) sowie das 1936 im Gefängnis entstandene „Lo imprevisto“ („Buch der Poesie“) erschienen erst in den 80ern. Inspirieren ließ sich der in Santa Cruz de Tenerife aufgewachsene Autodidakt vor allem von Meer, Sonne und Strand. Der radikale Surrealist und Sozialist galt zudem als brillanter Essayist, Kunstkritiker und Zeitungsmacher mit vielen Kontakten. So war er als Vertrauter des in Paris lebenden Malers Óscar Domínguez 1935 an der zweiten Surrealistenausstellung auf Teneriffa beteiligt, zu der auch „Surrealisten-Papst“ André Breton anreiste. Das Franco-Regime beendete 1936 die künstlerische Vielfalt auf der Kanareninsel und brachte Torres ins Gefangenenlager Fyffes – wo man ihn vermutlich Anfang 1937 ermordete.

Der Film besticht nicht nur durch Interviews und zeitgenössische Bilder, sondern vermittelt mit den Vertonungen von Pedro Gerra auch die Schönheit von Torres’ Poesie. Die deutschen Untertitel erstellten 60 Romanistik-Studierende der Universität Osnabrück aus dem Bachelor- und Masterbereich. Theoretisches Rüstzeug erhielten sie durch eine Studienreise nach Teneriffa sowie zwei linguistische und kulturwissenschaftliche Seminare von Prof. Trudel Meisenburg und Dozentin Susanne Dölle; technische Tipps gab die Berliner Filmübersetzerin Silke Nagel. Im Wintersemester 2012/13 entstanden in einer Übersetzungswerkstatt mit Unterstützung der Spanisch-Lektoren Elisa Orta Galindo und David Santiago Escribano del Moral die Filmuntertitel über den Dichter, der das Meer liebte.

„Die versteinerten Meere“. Freitag, 17.30 Uhr, Lagerhalle. Regisseur und Autor sind anwesend.

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