Kein Graffiti Rätselhafte Pfeile am Finanzamt Osnabrück


Osnabrück. Warum befinden sich auf der Fassade des Osnabrücker Finanzamts in der Süsterstraße drei Pfeile, die mit der Spitze auf vergitterte Kellerfenster weisen? Wir sind der Frage einmal nachgegangen.

Eines ist sicher: Mit Graffiti haben die drei teilweise schon verblassten Pfeile auf der Fassade des Osnabrücker Finanzamts in der Süsterstraße nichts zu tun. Sie sind sehr wahrscheinlich während des Zweiten Weltkriegs auf das Gemäuer gemalt worden. Sie sollten vermutlich auf die Luftschutzräume hinweisen, die sich im damaligen „Reichsdienstgebäude“ befanden, in dem neben dem Finanzamt auch das Versorgungsamt untergebracht war. Dabei handelte es sich dem Heimatforscher Wido Spratte zufolge um öffentliche Luftschutzräume , insgesamt 50 Menschen hatten demnach insgesamt dort Platz.

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1930, knapp zehn Jahre vor Ausbruch des Krieges, wurde das Gebäude fertiggestellt, dessen Architektur von außen an die „wilhelminisch-preußische Einschüchterungsarchitektur“ erinnert, wie es der Autor Joachim Dierks in einem Beitrag über das Gebäude in unserer Zeitung schrieb.

Vier Luftschutzräume

Im Inneren des Reichsdienstgebäudes wurden vor oder während des Krieges vier Luftschutzräume eingerichtet. Verlässlichen Angaben, wann die Räume entsprechend umgebaut worden sind, lassen sich nur schwer finden. Schwere Eisenklappen verstärken die Fenster, massive Träger stützen die Decken. Im Inneren der Räume sind unterhalb der Fenster Eisenstiegen angebracht.

Klaus Schulte, stellvertretender Vorsteher des Finanzamts Osnabrück-Stadt, vermutet, dass sie das Einsteigen von der Straße aus erleichtern sollten. „Vielleicht standen hier bei Angriffen auch Einweiser, die den Menschen geholfen haben“, sagt Schulte.

Zufluchtsmöglichkeiten für über 100.000 Menschen

Wido Spratte zählt in seinem Buch „Im Anflug auf Osnabrück – Die Bombenangriffe 1940 - 1945“ 26 öffentliche Luftschutzräume in Osnabrück, hinzu kommen noch diverse Bunker, Deckungsgräben und andere Luftschutzeinrichtungen. Der kleinste Luftschutzraum, der Bucksturm am Wiener Wall, fasste demnach 30 Menschen. In den größten Luftschutzraum, dem Domkreuzgang an der Domsfreiheit, passten bis zu 500 Menschen.

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Insgesamt gab es für über 100.000 Menschen Zufluchtsmöglichkeiten – jedenfalls theoretisch. In den Deckungsgräben hätten die Menschen bei einem direkten Bombenangriff kaum eine Chance gehabt.

Osnabrück zählte während des Zweiten Weltkriegs aufgrund der ansässigen Industrie und der Lage als Verkehrsknotenpunkt zu den Luftschutzorten „1. Ordnung“, dementsprechend viele Luftschutzmaßnahmen wurden getroffen.


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