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Demo in der Mittagspause Vivento-Mitarbeiter wollen in Osnabrück bleiben

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Osnabrück. 150 Mitarbeiter der Telekom-Tochter Vivento haben am Donnerstag für den Erhalt des Standortes Osnabrück demonstriert. Der Plan der Telekom, die 209 Mitarbeiter künftig nach Dortmund zu schicken, sei „skandalös“, sagte Betriebsratsvorsitzender Andreas Nardmann.

Die Vivento Customer Service GmbH (VCS) will die heute 15 Standorte bundesweit auf fünf konzentrieren. Auch die VCS-Niederlassung an der Möserstraße in Osnabrück soll aufgeben werden . Die Beschäftigten sollen künftig nach Dortmund pendeln, wo die Telekom-Tochter die Standorte Osnabrück und Gelsenkirchen konzentrieren will. Für die meisten Mitarbeiter in Osnabrück sei dieser Schritt unzumutbar. „65 Prozent der Beschäftigten kommen aus Regionen nördlich von Osnabrück, aus Bramsche, Alfhausen, Diepholz, Werlte oder Ahlhorn“, sagte Andreas Nardmann. Besonders betroffen von einem Wechsel wären auch die 27 behinderten Mitarbeiter und die etwa 50 Teilzeitkräfte. „Unter den Teilzeitkräften sind viele Frauen“, so der Betriebsratsvorsitzende weiter. Eine Standortschließung wäre deshalb in höchstem Maß „unsozial und frauenfeindlich“. Viele Beschäftigte, die seit mehr als 30 Jahren für die Telekom oder deren Tochtergesellschaft arbeiten, empfänden die Pläne des Managements als „Tritt in den Arsch“, sagte Nardmann. Am Standort Osnabrück werde hervorragende Arbeit geleistet. Der Zielerreichungsgrad liege bei 150 Prozent. Aber: „Diejenigen, die dafür die Kohle kassieren, sind auch diejenigen, die Euch jetzt das Standortkonzept präsentieren“, sagte Nardmann.

Hanno Harms, bei Verdi für den Bereich Telekommunikation zuständig, warf den Telekom-Managern Doppelzüngigkeit vor. Das Unternehmen werbe damit, dass dank moderner Telekommunikationstechniken Dienstleistungen dezentral an allen Orten der Welt erbracht werden könnten. Im eigenen Hause vollziehe das Unternehmen jetzt das Gegenteil, in dem es auf Konzentration setzte. Eigentliches Ziel der Aktion sei daher nicht die Optimierung der Dienstleitung, sondern der Personalabbau. Harms wörtlich: „Das ist eine skandalöse Personalabbaupolitik.“ Der Verdi-Funktionär appellierte an die Politiker, sich diesen Plänen im Interesse der Menschen entgegen zu stellen. Der Bund sei immer noch mit 33 Prozent an der Telekom beteiligt, die Politik deshalb bin der Verantwortung. Zeitgleich demonstrierten nach seinen Angaben VCS-Beschäftigte in Bremerhaven, Braunschweig und Uelzen, um ihre Solidarität mit Osnabrück zu zeigen. „Unser Kampf geht weiter“, rief Harms den Beschäftigten zu.

Der Osnabrücker Verdi-Ortsvorsitzende Ansgar Hengelbrock richtete „solidarische Grüße von den Telekom-Beschäftigten“ aus und appellierte an die Konzern-Zentrale, die Pläne zu stoppen. Es werde ein hartes Stück Arbeit werden, die Interessen der betroffenen geltend zu machen. „Deshalb ist es wichtig, dass alle an den Aktionen teilnehmen und zeigen: So geht man nicht mit uns um.“

Die Schließung des Standortes Osnabrück ist Teil einer seit 2013 laufenden Umstrukturierung bei der hundertprozentigen Telekom-Tochter. Die Beschäftigtenzahl soll bis Ende 2016 auf 1500 halbiert werden. Vivento Customer Services ist ursprünglich eine Auffanggesellschaft für ehemalige Post- und Telekommitarbeiter. Ihr Kerngeschäft sind Call-Center-Dienstleistungen, das Scannen von Dokumenten für die digitale Weiterbearbeitung und Kartierung von Telekommunikationsleitungen. 2008 schloss die Telekom ihr Call-Center an der Hannoverschen Straße. Die 160 betroffenen Beschäftigten sollten damals nach Hannover, Münster oder Bielefeld wechseln. Die Telekom rückte nach lauten Protesten auch aus der Politik von diesem Plan ab und bot den Beschäftigten die Möglichkeit, zur Vivento-Tochtergesellschaft mit Sitz an der Möserstraße zu gehen.


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