Baustein für den Klimaschutz Radschnellweg soll Osnabrück und Belm verbinden

Von Rainer Lahmann-Lammert

Schnell zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni: In den Niederlanden sind Radschnellwege schon verbreitet. Hier ein Beispiel aus Zwolle. Foto: Ulrich KalleSchnell zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni: In den Niederlanden sind Radschnellwege schon verbreitet. Hier ein Beispiel aus Zwolle. Foto: Ulrich Kalle 

Osnabrück. Die Stadt will einen Radschnellweg entlang der Eisenbahnstrecke nach Belm bauen. Auf so einer Trasse können ambitionierte Fahrer Reisegeschwindigkeiten um die 30 Stundenkilometer erreichen. Rote Ampeln soll es im Idealfall nur für Autofahrer geben, die den Radschnellweg kreuzen.

Die Idee wurde im Beirat für den Masterplan 100 Prozent Klimaschutz ausgebrütet. Dahinter steht der Gedanke, dass deutlich mehr Pendler aufs Rad umsteigen, wenn sie schnelle und komfortable Wege vorfinden. Beispiele aus den Niederlanden und Kopenhagen werden als Belege dafür angeführt. „Für die Mobilität in der Stadt-Umland-Beziehung kann dem Radverkehr so eine bedeutende Rolle zukommen“, heißt es in einer Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Zielgruppe sind nicht nur Radler mit guter Kondition, sondern auch E-Bike- und Pedelec-Fahrer.

Weil der Masterplan für den Klimaschutz ein regionales Projekt ist, sitzen neben der Stadt Osnabrück auch der Landkreis und die Gemeinde Belm im Boot. Die Kosten, die auf 2 bis 2,5 Millionen Euro geschätzt werden, sollen dabei geteilt werden. Außerdem besteht die Hoffnung, dass sich das Land Niedersachsen beteiligt.

Zunächst geht es aber nur um die Planung. Gernot Steinberg, Verkehrsplaner der Dortmunder Planersocietät, stellte im Ausschuss die Ergebnisse seiner Machbarkeitsstudie vor. Neun mögliche Trassen durch Osnabrück wurden dabei untersucht, unter anderem nach Bissendorf, Wersen und Wallenhorst. Nach den Worten des Planers soll ein Radschnellweg kreuzungsarm sein, möglichst nah an Wohngebieten, Schulen, Hochschulen und Unternehmen liegen und einen Belag aus Beton oder Asphalt haben. Im Zweirichtungsverkehr sollte der „Fietssnelweg“, wie er in den Niederlanden genannt wird, mindestens vier Meter breit sein, im Einrichtungsverkehr drei Meter.

Die Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass ein 6,8 km langer Radschnellweg nach Belm im Vergleich die günstigsten Voraussetzungen bietet. Für 1700 tägliche Nutzer, so rechnete Planer Steinberg vor, ergäben sich jeweils 4000 eingesparte Autokilometer, unter dem Strich 190 Tonnen CO2 pro Jahr.

Nach den Überlegungen der Planersocietät sollte der Radschnellweg in der Liebigstraße beginnen, die zur Fahrradstraße umgewidmet werden könnte, über die Schlachthofstraße in die Gartlage und parallel zur Eisenbahnstrecke bis zur Stadtgrenze führen. In Belm stehen zwei Trassenvarianten zur Auswahl, eine davon ist die in Zukunft vom Durchgangsverkehr befreite Bremer Straße.

Weil Radler auf dem Schnellweg Vorfahrt haben sollen, favorisiert das Planungsbüro überall dort Fahrradstraßen, wo sich Velos und Autos die Verkehrsfläche teilen müssen.

Für die Eisenbahnunterführung am Haster Weg präsentierte der Dortmunder Verkehrsplaner eine Lösung, die Ausschussmitglieder in Erstaunen versetzte. Dort müssen die Radler auf die andere Seite der Bahn wechseln und deshalb auch die Fahrbahn kreuzen. Am besten mit Anforderungsdetektoren, wie Steinberg ausführte. Mit anderen Worten: Wenn sich ein Radler nähert, bekommt er augenblicklich „Grün“ und die Autos müssen warten.

Grünes Licht bekam der Radschnellweg vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt , und zwar einstimmig. Allerdings bezog sich die Zustimmung nicht auf den Bau, sondern auf den städtischen Anteil der Planungskosten in Höhe von rund 11000 Euro. Eine detaillierte Planung sei Voraussetzung, um mit dem Land über Fördermittel zu sprechen, erklärte Stadtbaurat Frank Otte in diesem Zusammenhang.


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