Initiative rettet Lebensmittel Der erste öffentliche Kühlschrank in Osnabrück


Osnabrück. Eine Initiative hat in Osnabrück einen öffentlichen Kühlschrank aufgestellt, in dem sich jeder bedienen darf. Gesucht werden weitere Standorte.

Lebensmittel wegwerfen? Das geht vielen Menschen gegen den Strich. In Osnabrück haben die Lebensmittelretter einen öffentlichen Kühlschrank aufgestellt, in dem sich jeder bedienen darf. Er steht an der Kulturfabrik Petersburg auf dem Güterbahnhof. Die Initiative sucht dringend weitere Standorte für öffentliche Kühlschränke in Osnabrück. Gefüllt werden sie mit Obst und Gemüse, das Händler und Privatleute nicht mehr los werden.

Sie nennen sich Foodsaver: Monika (42), Patrick (26) und Angelika (24) finden es unerträglich, dass in Deutschland jedes Jahr 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Anfang des Jahres haben sie sich zusammengeschlossen, um in Osnabrück ein Verteilsystem aufzubauen. Ihr Anliegen definieren sie so: „Foodsharing bedeutet Lebensmittel, die man besitzt, aber nicht verbraucht, abzugeben, bevor sie reif sind für die Mülltonne.“

Über ihre Facebook-Seite „Lebensmittelretter Osnabrück“ machten die Aktivisten ihr Anliegen bekannt und stießen auf Gleichgesinnte, die zum Teil bei Containeraktionen mitgemacht haben. Dabei wurden noch verzehrbare Lebensmittel aus den Abfallbehältern von Supermärkten geangelt.

Der öffentliche Kühlschrank soll aber nicht mit Gaben zweifelhafter Herkunft bestückt werden. Mehrere Händler aus Osnabrück beliefern die Foodsaver mit Waren, die bei ihnen nicht mehr über die Theke gehen. Es stört auch nicht, wenn Bananen schon die ersten braunen Flecken haben oder wenn Äpfel ohne makellose Schale dabei sind – im Gegenteil, es soll ja nichts verkommen. Fast 950 Kilo Lebensmittel sind nach Auskunft der Initiative bisher vor der Mülltonne gerettet worden.

Zu den „Lieferanten“ gehören die Superbiomärkte aus Osnabrück, der Obst- und Gemüsegroßmarkt Fruchtland und der Obsthandel Uwe Schulz aus Hasbergen und die Imkerei Honigsüß aus Badbergen, die zwar nicht ihren Honig, aber ihre Brote zur Verfügung stellt, die auf dem Wochenmarkt keine Käufer gefunden haben. „Lebensmittel, die wir mitnehmen, die kauft keiner mehr“, sagt Angelina. Und Monika, eine gelernte Köchin, drückt es so aus: „Verzehrfähig, aber nicht verkaufsfähig“.

Im Gegensatz zur Osnabrücker Tafel verwerten die Foodsaver auch kleine Mengen, die nicht selten auf dem Fahrrad transportiert werden. Zudem ist der öffentliche Kühlschrank samstags und sonntags immer zugänglich. Willkommen sind auch Lebensmittel aus Privathaushalten. Es soll ja häufiger vorkommen, dass sich mal jemand mit dem Haltbarkeitsdatum verkalkuliert. Drei Grundsätze gelten für die ehrenamtlichen Aktivisten, wenn sie den Wettlauf mit dem Verfall auf sich nehmen: „Es darf kein Geld fließen“, sagt Patrick, „wir dürfen nichts verkaufen und wir übernehmen keine Verantwortung“.

Die Initiative besteht nicht nur aus Leuten mit wenig Geld, wie Patrick betont: Alle Altersklassen seien vertreten, Studenten, Auszubildende und Berufstätige. Im Vordergrund stehe der Gedanke, „dass nichts weggeworfen wird“.

Der erste öffentliche Kühlschrank – auch Fairteiler genannt – steht am Güterbahnhof, genauer gesagt am Fahrradstand gegenüber der Kulturfabrik Petersburg. Weitere möglichst zentrale Standorte im Stadtgebiet werden dringend gesucht, allerdings nicht bei Privatpersonen, sondern bei Vereinen, Initiativen, Kirchen oder sozialen Einrichtungen. Ein öffentlicher Zugang und ein Stromanschluss sind Voraussetzung.

Die Lebensmittelretter treffen sich alle zwei Wochen im „Grünen Jäger“. Interessierte sind willkommen. Nächster Treff ist am 15. Oktober um 19 Uhr. Weitere Informationen über die Facebook-Seite „Lebensmittelretter Osnabrück“ .


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