Zivilprozess in Osnabrück Täter soll nach Totschlag Schmerzensgeld zahlen

Auf dem Bürgersteig der Iburger Straße war im September 2011 ein 22-Jähriger durch durch Messerstiche getötet worden. Foto: Archiv/NordwestmediaAuf dem Bürgersteig der Iburger Straße war im September 2011 ein 22-Jähriger durch durch Messerstiche getötet worden. Foto: Archiv/Nordwestmedia

Osnabrück. Ein wegen Totschlags an der Iburger Straße zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilter junger Mann ist von den Eltern des Opfers auch auf Schmerzensgeld verklagt worden. Ab kommenden Dienstag muss er sich deshalb vor einer Zivikammer des Landgerichts Osnabrück verantworten.

Nach der Bluttat im September 2011 an der Iburger Straße war der 18-jährige Haupttäter in einem Strafverfahren vor dem Landgericht Osnabrück wegen Totschlags und weiterer Delikte zu einer Jugendstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Drei weitere Beklagte im Alter zwischen damals 18 und 19 Jahren erhielten Jugendstrafen von zweieinhalb Jahren bzw. 15 Monaten wegen schwerer räuberischer Erpressung, Beihilfe dazu und gefährlicher Körperverletzung. Die Jugendkammer war davon überzeugt, dass die damaligen Angeklagten zunächst auf den Geschädigten massiv eingeschlagen und eingetreten hatten und anschließend einer der Angeklagten ein Messer gezogen und zwei Mal tödlich zugestochen hatte. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestätigte dieses Strafurteil in vollem Umfang.

In dem Zivilprozess verklagen die Eltern des damals 22 Jahre alten Opfers als dessen Erben drei der damaligen Angeklagten auf Zahlung eines Schmerzensgeldes sowie auf Beerdigungskosten. Einen Teil dieser Forderungen haben die Beklagten nach Angaben des Landgerichts bereits anerkannt. Sie wenden sich jedoch insbesondere gegen die Höhe der Schmerzensgeldforderung von 50000 Euro. Weil der 22-Jährige nach den Messerstichen schnell ohnmächtig geworden und rund 1,5 Stunden später verstorben sei, habe er die Tragweite seiner Verletzungen nicht mehr bewusst wahrgenommen und keine Todesängste leiden müssen, heißt es in einer Pressemitteilung der Justizbehörde. Die Höhe der Schmerzensgeldforderung sei daher überzogen, zumal die tödlichen Messerstiche nur einem der Beklagten vorzuwerfen sei.

Weil die verurteilten jungen Männer jeweils Prozesskostenhilfe für ihre Verteidigung beantragt hatten und diese nur teilweise bewilligt worden war, lag die Akte im Rahmen einer Beschwerde auch schon dem Oberlandesgericht Oldenburg zur Prüfung vor. Nach dem dortigen Beschluss ist angesichts der Bewusstlosigkeit des Geschädigten ein Schmerzensgeld von 10000 Euro angemessen.

Der Einzelrichter wird am Dienstag eine Güteverhandlung durchführen und mit den Parteien die Möglichkeiten einer Einigung erörtern. Eine abschließende Entscheidung direkt im Termin wird nicht erwartet. Dafür werden nach Angaben des Landgerichts in Zivilsachen in der Regel eigenständige Verkündungstermine anberaumt.


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