Schirmherr enthält sich im Rat Plastiktütenfreies Osnabrück: Warum kneift Griesert?

Von Sebastian Stricker

Plastiktüten sind Müll für die Ewigkeit: Ein Umweltprojekt von Schülern will sie deshalb aus Osnabrück verbannen. Foto: dpaPlastiktüten sind Müll für die Ewigkeit: Ein Umweltprojekt von Schülern will sie deshalb aus Osnabrück verbannen. Foto: dpa

Osnabrück. Was ist das für ein Schirmherr, der sich hinter kommunalen Sparzwängen verschanzt, anstatt für die von ihm vertretene Umweltaktion vorbehaltlos Rückendeckung aus dem Rathaus zu fordern? Die Enthaltung von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bei einer Ratsabstimmung zur Unterstützung des am Freitag startenden Schülerprojekts „Plastiktütenfreies Osnabrück“ kommt bei den Betroffenen samt Gefolge gar nicht gut an.

Für die einen ist es eine „Rolle rückwärts“, für die anderen ein „Eigentor“. Ausgerechnet als oberster Repräsentant und Fürsprecher der von Klimabotschaftern der Ursulaschule ergriffenen Initiative, bis 2017 alle Plastiktüten aus Osnabrück zu verbannen , hatte das Stadtoberhaupt in der jüngsten Ratssitzung einem zugehörigen Antrag der rot-grünen Zählgemeinschaft die Zustimmung verweigert.

Seine Enthaltung begründete Griesert mit der Sorge, die Beteiligung der Verwaltung an dem Freiwilligenprojekt würde Personal binden und Kosten verursachen. „Der Antrag ist inhaltlich richtig, kommt aber zur Unzeit“, sagte der Oberbürgermeister Ende September unter dem Eindruck des dringenden Sparzwangs . Zugleich fürchtete er, eine politische Einmischung könne den ehrenamtlichen Einsatz der Schüler in den Schatten stellen. „Nehmen wir den jungen Leuten den Erfolg nicht weg!“

Irritierende Skepsis

Bis auf zwei weitere Ratsmitglieder, die sich der Abstimmung ebenfalls enthielten, vermochte keiner der gewählten Kommunalpolitiker diese Skepsis zu teilen. Im Gegenteil: „Als Schirmherr hätten wir von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert mehr Engagement und Unterstützung in dieser Sache erwartet“, erklären Heiko Panzer (SPD) und Thomas Klein (Grüne) in einer gemeinsamen Mitteilung ihrer Fraktionen. Ihr einstimmig angenommener Ratsantrag zur „Eindämmung des Verbrauchs von Plastiktüten in Osnabrück“ untergrabe keineswegs das Engagement der Jugendlichen. Die Zählgemeinschaft habe lediglich erreichen wollen, „dass sich die Schüler der Ursulaschule nicht die Zähne an der Verwaltung ausbeißen“. Beispielsweise könne das Stadtmarketing in das Anti-Plastiktüten-Projekt der Schüler einbezogen werden.

Für Panzer und Klein stellt sich nun die Frage: „Will unser Oberbürgermeister das Projekt vorantreiben oder bremsen? Dann müssten sich die jungen Umweltschützer aber einen neuen Schirmherrn suchen.“ Die Umweltpolitiker fordern Griesert auf, mit einem „eindeutigen Statement“ für Klarheit zu sorgen.

Termin beim OB

Auch die Ursulaschule hat Grieserts Enthaltung scheinbar irritiert. Lehrer Tobias Romberg, der die Klimabotschafter des bischöflichen Gymnasiums betreut, ließ unsere Redaktion jetzt wissen: „Wir haben am kommenden Mittwoch einen Termin beim Oberbürgermeister. Ich habe darauf bestanden, dass Herr Griesert den Jugendlichen persönlich sein Abstimmungsverhalten im Rat erklärt.“

Der Startschuss zum Projekt „Plastiktütenfreies Osnabrück“ fällt am heutigen Freitag um 18 Uhr im Rahmen der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Jugend-Kultur-Tage . Gegen 18.30 Uhr werden zwei Klimabotschafter der Ursulaschule eine etwa halbstündige Show am Neumarkt moderieren.