Zeichen gegen Wegwerfmentalität Schüler wollen Osnabrück von Plastiktüten befreien

Wer Plastiktüten wegwirft, muss sie fürchten wie einen Bumerang. Denn der Kunststoffmüll gefährdet nicht nur die Ozeane. Über die Nahrungskette gelangt er, in kleinste Partikel zersetzt, zu uns zurück. Foto: Colourbox.deWer Plastiktüten wegwirft, muss sie fürchten wie einen Bumerang. Denn der Kunststoffmüll gefährdet nicht nur die Ozeane. Über die Nahrungskette gelangt er, in kleinste Partikel zersetzt, zu uns zurück. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. In Osnabrück kann die Plastiktüte bald einpacken: Binnen drei Jahren will ein wachsendes Bündnis von Umweltschützern die Stadt von Kunststoffbeuteln befreien. Angeführt wird es von Ursulaschülern. Der Startschuss fällt am Freitag im Rahmen der Jugendkulturtage.

Da haben sich die Klimabotschafter des bischöflichen Gymnasiums viel vorgenommen. Denn Plastiktüten gibt es in der Stadt an jeder Ecke. Sei es im Supermarkt, im Klamottenladen, beim Elektronikhändler, in der Drogerie oder auf dem Wochenmark

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Die Stadt Osnabrück ist Mitglied im Klimabündnis Europäischer Städte und Gemeinden und setzt sich seit vielen Jahren für den Klimaschutz ein. Unter anderem erarbeitet sie mit dem Masterplan „100 Prozent Klimaschutz“ eine kommunale Strategie, um den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2050 um 95 Prozent und den Energieverbrauch um die Hälfte zu senken.

Es ist vor allem dieser Handgriff an der Gemüsetheke: Eine dünne Plastiktüte wird abgerissen, drei Äpfel rein, nach Hause getragen, das Plastik wandert in den Abfall. Genau 25 Minuten benutzen die EU-Bürger jene 968 Milliarden Tütchen im Schnitt, ehe sie diese wegwerfen. Werden sie nicht verbrannt oder recycelt, brauchen sie zwischen 300 und 500 Jahre, um sich zu zersetzen. Als Mikropartikel gelangen sie ins Wasser: 250 Milliarden Kunststoffteilchen – Überreste auch von Tüten – mit einem Gesamtgewicht von mehr als 500 Tonnen treiben zwischen der Adria und der türkischen Riviera in der See. Umweltschützer warnen schon seit Jahren vor den Gefahren für das ökologische Gleichgewicht. Zwischen Kalifornien und Hawaii treibt nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen ein drei Millionen Tonnen schwerer Müllstrudel, dessen Fläche so groß ist wie Mitteleuropa. Hier kommen auf ein Kilo Plankton sechs Kilo Müll. Jährlich verenden eine Million Vögel, weil sie kleine Teile dieser Plastikreste gefressen haben. Einer der Gründe: Von den 380 Milliarden Plastiktüten, die die USA jedes Jahr verbrauchen, werden nur zwei Prozent wiederverwertet. Ein radikaler Entschluss des EU-Parlaments von April 2014 sieht vor, dass die EU-Länder mit eigenen strengen Regeln die Plastikflut weiter eindämmen dürfen, beispielsweise mit Abgaben, Steuern oder Verboten. Ziel des Parlaments ist es, innerhalb von fünf Jahren den Verbrauch von Einweg-Plastiktüten von 176 pro Kopf und Jahr auf 35 Tüten zu senken. In Deutschland werden pro Kopf etwa 71 Tüten pro Jahr genutzt, davon 64 Einwegtüten.

„Youthinkgreen – Jugend denkt um.welt“ ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die weltweite Förderung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung. Der Verein versteht sich als internationale Austauschplattform für engagierte Jugendliche, außerdem als Triebfeder für altersgerechte Lösungen von globalen umwelt- und sozialpolitischen Herausforderungen. Im September 2011 wurde der Grundstein für Youthinkgreen an der Ursulaschule in Osnabrück gelegt: 23 Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren meldeten sich für die „Klimabotschafter AG“ an. Mittlerweile ist die Teilnehmerzahl auf 33 Schüler zwischen 13 bis 15 Jahren gestiegen. Auf das Konto der Klimabotschafter gehen beispielsweise die Herausgabe eines lokalen Öko-Einkaufsführers, die Veranstaltung von Umwelttagen an örtlichen Grundschulen und Kleidertausch-Partys. Im Sommer 2014 stellten sie außerdem das Musikfestival „Green Planet“ auf die Beine.

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