Jugendchor in London Als einziger deutscher Chor in der Royal Albert Hall



Osnabrück. Siebenhundert Stimmen junger Menschen aus vier Nationen setzen in der Londoner Royal Albert Hall ein musikalisches Zeichen gegen den Krieg– so lässt sich eine Veranstaltung zusammenfassen, an der der Osnabrücker Jugendchor teilgenommen hat.

Begleitet von dem Philharmonia Orchestra, sangen Chöre aus Anlass des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges „The Armed Man – a Mass for Peace“, eine Friedensmesse von Karl Jenkins .

„Musik ist eine universelle Sprache. Möge sie immer in der Lage sein, die Menschen zu verbinden“, sagte Anne Renshaw zu der Veranstaltung, die sie in der Royal Albert Hall organisiert hat. Anne Renshaw ist die Leiterin der Organisation „ Sing UK “, die die Idee hatte, Chöre aus vier Nationen einzuladen, die am Ersten Weltkrieg beteiligt waren: England, Frankreich, Belgien und Deutschland.

„Es ist für die jungen Leute, die nicht zu den Nachkriegsgenerationen gehören, ganz wichtig, sich dem Thema Krieg zu stellen und gemeinsam für den Frieden aktiv zu werden“, erklärt Clemens Breitschaft, Leiter des Osnabrücker Jugendchors .

Daher habe er keine Sekunde gezögert, die Einladung aus London anzunehmen. „Es war allein schon eine Ehre, als einziger deutscher Chor an dieser internationalen Veranstaltung teilnehmen zu können“, meint Chorsängerin Marieke Gläser. Sie ist noch jetzt von der Fahrt in die englische Metropole stark beeindruckt.

„Eine aufregende Zeit“, pflichtet ihre Kollegin Franziska Schäfer bei. „Erst haben wir hier im Dom beim Morgenland Festival mit den Klarinettisten Giora Feidman und Kinan Azmeh zusammen gesungen, also Christen, Juden und Araber vereint in einem deutschen Gotteshaus. Und nur ein paar Tage später dieses unvergessliche Friedenskonzert in der ehrwürdigen Royal Albert Hall“, fügt die 16-Jährige hinzu.

Vier Tage war der Chor unterwegs. Am Freitag ging es per Bus nach England, wo die Osnabrücker in einem Youth Hostel untergebracht wurden. „Bis auf die Tatsache, dass wir am Samstag wegen eines Defekts kein Wasser in dem Hotel hatten, war die Unterbringung in Ordnung“, meint Franziska.

Glücklicherweise wurde am Samstag nur geprobt – mit anderen Chören in der Holy Trinity Church. „Das hat gut funktioniert, weil wir gut vorbereitet waren. Der Dirigent, Malcolm Goldring, war ja im Juli schon einmal in Osnabrück gewesen, um mit uns zu proben“, erinnert sich die 20-jährige Marieke Gläser.

Auch für Sightseeing und einen abendlichen Pub-Besuch blieb Zeit. „Wir waren bei Harrods und in der Oxford Street. Viele Chormitglieder des Jugendchores waren ja zum ersten Mal in London“, so Marieke.

Das große Konzert fand schließlich am Sonntagnachmittag statt. „Ein überwältigendes Gefühl, mit 700 anderen Sängern in dieser ausverkauften Halle zu singen“, berichtet Franziska.

Während eines Gesangssolos seien Fotografien von Gräberfeldern in Flandern auf eine Leinwand projiziert worden. Da sei man sich der schrecklichen Dimension des Krieges bewusst geworden. Als Symbol für das Blut, das vergossen wurde, seien an alle Besucher und Teilnehmer Mohnblumensamen verteilt worden, die jeder in seinem Garten aussäen sollte.

Am Montag vor einer Woche ging es schließlich aus England zurück nach Osnabrück.


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