Festival Musica Viva Ensemble Hirundo Maris in Kloster Oesede



Osnabrück.: Das Ensemble Hirundo Maris steuert eine sehr individuelle Farbe zum Festival Musica Viva bei. Ob Folklore, Renaissance oder eigene Werke: Alles wird durch die sanfte Haltung zu einer Einheit verschmolzen.

Das ist doch nicht Hirundo Maris? Klingt ja gar nicht wie auf der CD! Arianna Savall und Petter Udland Johansen, die Gründer des Ensembles, sind tatsächlich beim Musica-Viva-Festival in Kloster Oesede. Doch mit ihnen spielen nicht Kontrabass, Gitarre und Percussion, sondern Thomas Kügler mit verschiedensten Block- und Traversflöten sowie André Henrich mit der Theorbe.Und das macht einen gewaltigen Unterschied, denn der Klang ist dadurch weniger geerdet, wirkt leichter und schwebender. Musikalisch erscheint das als klarer Gewinn.

Gut wiederzuerkennen ist aber doch der Gesang von Petter Udland Johansen und Arianna Savall . Deren Stimmen klingen so zärtlich, als würden sie einem Kind vorsingen, bezaubernd hell und klar, besonders schön jedoch im Duett. Und natürlich begleiten sie sich auch selbst auf der Harfe, auf der Mandoline und der Hardangerfiedel.

Letztere benutzt Petter Udland Johansen nicht nur für die Folklore, sondern auch bei einigen Renaissance-Stücken. Denn auf dem Programm stehen zwar einige katalanische und norwegische Volkslieder der CD, daneben aber auch eigene Kompositionen und Musik der Renaissance.

Bekannte Stücke sind nur sehr wenige darunter, etwa John Dowlands „In darkness let me dwell“. Petter Udland Johansen singt es sehr ergreifend und etwas eigenwillig. Doch in aller Regel bleibt der Vortrag sehr schlicht, egal ob Folklore oder Renaissance. Verträumt und melancholisch ist die Stimmung meist, das schließt eine sehr eigene Form von Expressivität allerdings nicht aus.

Die Akustik der alten Klosterkirche erlaubt eine optimale Entfaltung der Klänge, und Perlen gibt es da zu entdecken, etwa von einem gewissen Antonio Ribera.

Nur sehr selten sind Stücke, bei denen Virtuosität einen größeren Stellenwert einnimmt, wie bei einer Pavana von Antonio de Cabezon, einem rein instrumentalen Stück, bei dem Thomas Kügler mit der Blockflöte führt.

Ansonsten lässt die zurückhaltende Art der Musiker das Konzert zu einem Abend voller musikalischer Zärtlichkeiten werden, man wird sozusagen permanent akustisch gestreichelt. Kaum mag man diese Stimmung durch lauten Applaus zerstören.

Manchmal ist das auch gar nicht nötig, denn die Musiker verbinden immer wieder einzelne Lieder zu einem längeren Lied. Und das wirkt sehr überzeugend, auch wenn die Lieder ganz verschiedenen Ursprungs sind: norwegische und katalanische Folklore, sephardische Weisen oder selbst komponierte Werke.

Und überhaupt: Wie gut sich all dies auch mit den Renaissance-Klängen verträgt, ist erstaunlich und wohl nur in diesem ganz speziellen Zugriff auf die Musik möglich.


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