1500 Konzertbesucher Kollegah gibt im Osnabrücker Hyde Park den Gangster

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Da war er, der neue „Boss“ am Rapper-Firmament, den alle sehen wollen, weil er den alten Gangster-Style feiert, der eigentlich schon verschollen schien: Kollegah. 1500 HipHop-Fans hatten sich im Hyde Park versammelt, um ihn zu erleben.

Was sie sahen und hörten: Wie der Sohn eines kanadischen Vaters und einer deutschen Mutter lautstark von Bizeps, Maschinengewehren, heißen Frauen und italienischen Sportwagen träumte.

Nachdem ein DJ dem überwiegend jungen Publikum Feuer unter dem Hintern gemacht hat, betritt ein Zeremonienmeister die Bühne und fragt: „Wollt ihr ihn sehen, dann gebt mir ein Kolle!“ Es folgt ein Krimi auf der Videowall, in dem der Rapper mit seiner unvermeidlichen „Ray Ban“-Sonnenbrille sich mit einem Maschinengewehr gegen diverse Feinde verteidigen muss, um am Schluss von seinem Buddy Majoe gerettet zu werden. Dann erscheinen die beiden Rapper leibhaftig im Scheinwerferlicht, Pyros explodieren, ein Vermummter mit einer Pumpgun, der aus dem Hinterhalt angreift, wird symbolisch weggetreten und das „Alpha“-Tier gibt dem Publikum „Dynamit“.

Boss und King

Überhaupt stilisiert sich „Kolle“ als „Big Boss“ und „King“, sitzt auf seinem Thron, raucht den blauen Dunst einer „Cohiba“-Zigarre, behandelt seinen „Butler“ Frederik als Leibeigenen, der die Bühne fegen muss, und fragt, wer denn wie er Hanteln pumpt. Man fragt sich, ob der Wahl-Düsseldorfer das Gangster- und Macho-Gehabe ernst meint oder ob das alles nur zu einer großen, professionell gemachten Show gehört.

Jedenfalls thematisiert er auch Nachdenkliches: In einem Song für „alle armen Menschen“ philosophiert er über Macht, Gewalt, Terrorismus und Religion und im Track „Morgengrauen“ fragt er: „Warum seh ich Menschen ohne Chance im Leben?“ Oder: „Warum fällt es schwer, nach Gigs das Rapperimage abzustellen?“ Die Antwort hat er auch parat: „Weil du plötzlich einsam bist im Backstage, wenn die Maske fällt…“