Das Hasehaus ist fertig Der schiefe Turm vom Osnabrücker Neumarkt in der Kritik

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Osnabrück. Passt das in unsere Stadt? Sieht so das Aufbruchsignal für den Neumarkt der Zukunft aus? Das Hasehaus zeigt sich jetzt ohne Gerüste in voller Größe. Am Mittwoch wird es eröffnet, und wir eröffnen die Diskussion. Die einen finden es zu groß, die anderen wünschen sich das alte Café Coppenrath zurück. Aber das sind die Ausnahmen. Wir haben Architekten und Passanten gefragt, was sie über das Hasehaus denken. Und überwiegend wohlwollende Statements bekommen.

„Zu hoch, zu klotzig“, lautet der spontane Kommentar von Gunilt Gehl. Die Passantin aus Osnabrück hat die Entstehung des Hasehauses mit Interesse verfolgt. Dem schiefen Turm kann sie nicht viel abgewinnen. Im Gegenteil: Mit seinen Dimensionen erschlage er das Landgericht.

Das ist eine Kritik, die der Architekt Wilhelm Pörtner aus Hilter gar nicht teilt. Er gehörte dem Preisgericht an, das über die Entwürfe für den Investorenwettbewerb zu entscheiden hatte. Im Gegensatz zu den anderen Beiträgen habe der des Siegers deutlich weniger Nutzfläche. Und gerade weil er nicht das Maximum ausschöpfe, habe er den 1. Preis bekommen. Pörtner findet, dass der Neumarkt mit dem Hasehaus einen guten Abschluss im Osten bekommt. „Das tut dem Neumarkt gut“, sagt der Architekt, der auch die optische Trennung zwischen dem „Haseturm“ und dem flacheren „Hasewall“ für eine gelungene städtebauliche Lösung hält.

Ähnlich sieht es der Architektenkollege Klemens Hölscher. Er spricht von einer „ausgewogenen Baumassenverteilung“, die Materialien seien abgestimmt, und die Farbgebung nehme Bezug auf das Landgericht, ohne aufdringlich zu wirken. Wünschenswert sei allerdings, dass die Lüftungsanlagen auf dem Dach noch verkleidet werden.

Weniger freundlich fällt das Urteil von Dirk Manzke aus. Der Architekt und Hochschulprofessor findet, dass der Baukörper zur Hasebrücke hin abgeschnitten erscheine. Für ihn sieht das Ganze mehr nach „Lückenschließung“ als nach Ecklösung aus. Und den „vertikalen Garten“ am Kollegienwall, für den es allerlei Vorschusslorbeeren gab, findet er interessant, aber nicht unproblematisch.

Edmund Flatau, ebenfalls Architekt, ist an diesem Punkt auch skeptisch. Solche Naturfassaden seien schon oft missglückt, meint er. Den Baukörper und seine Proportionen hält er jedoch für reizvoll und dem Standort angemessen. Die schiefe Optik verleihe ihm eine gewisse Dynamik, und die sieben Geschosse seien keinesfalls übertrieben: „Wenn Osnabrück ein bisschen zulegen will, muss man schon ein Geschoss drauflegen“, meint Flatau.

Von einer „sehr gelungenen Eckbebauung“ spricht der Architekt Wilfried Ohnesorge. Der Knick zwischen den beiden Gebäudeteilen sei ein „echter Gimmick“. Und an der Bauhöhe gebe es nichts zu beanstanden: Der früher einmal geplante Rundling wäre noch deutlich höher geworden.

So sieht es auch Christian Rammert, der mit Wohlwollen vom Neumarkt zum Hasehaus blickt. „Mal was anderes“, sagt er zur Architektur, und die Größe sei völlig in Ordnung. Heinz Kummer aus Wallenhorst findet, dass die Architektur den Neumarkt aufwertet, weil sie „fortschrittlicher und moderner“ sei.

„Es macht die Stadt schöner“, vermerkt Christy James. Der Turm soll zu hoch sein? Da muss die junge Dame lachen. Sie empfiehlt einen Blick nach New York oder Frankfurt. „Die Farbe harmoniert mit dem Gericht“, meint Markus Oldag, der aus Hamburg stammt, und der Baustil sei für Osnabrück ein Schritt nach vorn. „Die Leute werden sich dran gewöhnen“, prophezeit er, „und es wird ihnen gefallen“.

„Ganz hübsch, nicht einfach viereckig“, bekennt Tono Büscher nach kurzem Nachdenken. Der Emsländer, der mit seiner Frau in Osnabrück zu Besuch ist, hält auch die Dimensionen des Neubaus für angemessen. Astrid Büscher sagt der warme Ton der beigefarbenen Klinkerziegel zu. Der harmoniere mit dem Landgericht.

Es gibt aber auch Traditionalisten. Jürgen Gösling aus Bersenbrück ist so einer. Die modernen Formen sagen ihm nicht zu. „Das alte Café fand ich schöner“, bekennt der kritische Beobachter. Kritik äußert Doris Frommeyer aus Hagen an der Efeufassade, dem sogenannten „vertical garden“, der sogar schon als Beitrag zur Nachhaltigkeit gefeiert wurde: „Das Grün find ich nicht gut“, stellt sie klar, „das muss beschnitten werden, und das zieht die Viecher an!“

Haseturm und Hasewall

Keine Angst vor schrägen Wänden hat der niederländische Architekt Rob Beerkens, der das Büro- und Geschäftshaus am Neumarkt maßgeblich gestaltet hat. Den fünfgeschossigen „Hasewall“ lässt er mit einem Knick und einer Fuge hinter den siebenstöckigen „Haseturm“ zurücktreten. Dieser Kunstgriff hat seinem Architektenbüro MAS aus Hengelo und dem Gronauer Bauunternehmen Hoff und Partner den ersten Preis beim Investorenwettbewerb eingebracht, den die Stadt und die Stadtsparkasse 2011 ausgeschrieben hatten. Im Sommer 2013 war Baubeginn für das rund 20 Millionen Euro teure Hasehaus. Die 5400 qm Nutzfläche werden unter anderem vom Softwareunternehmen LM IS und vom Gastronomiebetreiber L’Hosteria angemietet.


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