Mehrwöchiger Ausstand Gewerkschaft rechnet mit langem Ameos-Streik in Osnabrück

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück. Zehn Wochen habe der erste Streik für einen Tarifvertrag gedauert, sagte am Dienstagmittag der Betriebsrat von Gut Neuhof Petershagen. Erst dann sei es zu einer Einigung mit der Ameos AG gekommen. „Es wird aber ein gutes Ende finden“, rief Volker Hartmann den Streikenden vor dem Rathaus zu.

Mit Beginn der Frühschicht um 6.30 Uhr hatten die Beschäftigten die Arbeit niedergelegt. Unterstützt wurden sie am Dienstag von Ameos-Kollegen aus Hildesheim, die voraussichtlich auch bald unbefristet streiken werden. In beiden Häusern hatte der Ameos-Konzern vor einem Jahr den Tarifvertrag gekündigt. Seither seien alle Gesprächstermine abgesagt worden, sagte die bisher noch nicht zum Zuge gekommene Verdi-Verhandlungsführerin Elke Nobel.

Knapp 300 Streikende traten am Mittag einen Demonstrationszug vom Ameos Klinikum an der Knollstraße zum Marktplatz an,wo sie sich vor dem Rathaus zu einer Kundgebung versammelten. Dort stießen auch Mitglieder der IG Metall und die Ratsmitglieder Fritz Brickwedde (CDU), Roswitha Pieszek (SPD) und Giesela Brandes-Steggewentz (Linke) hinzu. Der Stadtrat hatte in seiner Juli-Sitzung seine Solidarität mit den Beschäftigten bekundet und beim Schweizer Ameos Konzern einen Tarifvertrag angemahnt. Brickwedde berichtete, dass er eine Einladung zum Wechsel des Ärztlichen Direktor abgesagt habe mit dem Hinweis, er werde keiner Einladung Folge leisten, solange es keinen Tarifvertrag gebe. Von Ameos aus der Schweiz habe er noch keine Antwort erhalten.

„Wir wollen einen an den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst gekoppelte Einigung“, zählte Elke Nobel die wichtigsten Forderungen auf. Dazu gehöre eine Fortsetzung des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen. Das sei wichtig, denn in einer anderen Ameos-Einrichtung habe es eine Welle von Entlassungen von zum Teil langjährigen Mitarbeitern gegeben, als diese Klausel nicht mehr im Vertrag stand. Auch der Schutz vor Versetzungen über einen Umkreis von 60 Kilometern hinaus müsse fortgeschrieben werden, betonte Nobel.

Selbstverständlich werde „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ gefordert, eine angemessene Bezahlung der fest angestellten Beschäftigten und der Leiharbeiter. Leidtragende des langen tariflosen Zustandes seien auch die neuen Auszubildenden, die 18 Prozent weniger bekämen als ihre Kollegen.

Geld genug sei da, sagte die Gewerkschafterin. Die Ameos-Häuser in Osnabrück und Hildesheim hätten mehr als 7 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Sie dankte der Osnabrücker Krankenhausleitung für die Zusammenarbeit bei der Notdienstvereinbarung während des Streiks. Das Verhalten der Ameos-Geschäftsführung aber sei schlicht unseriös.

Die Ameos AG schädige mit ihrem Verhalten ihrem eigenen Ruf, unterstrich Volker Hartmann aus Petershagen. Wer mit dem Konzern verhandelt müsse hart, beständig und solidarisch sein.

Solidarisch zeigen sich auch viele Patienten des Ameos Klinikums, die bereits am Montag mit selbst gestalteten Plakaten wie „Ameos – habt ihr kein Gewissen?“ ihre Unterstützung für den Streik ausgedrückt haben. Nachdem ihre Plakate entfernt worden waren, „haben wir 30 Minuten später doppelt so viele wieder aufgehängt“, erzählte ein Patient. Viele seien „sauer auf Ameos“, weil ihre Therapie unterbrochen werde.


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