Eiweiß zur Paarungszeit Spinnen im Herbst vermehrt in Wohnungen unterwegs

Von Sven Kienscherf


Osnabrück. Im Herbst sind deutlich mehr Spinnen in Haus und Wohnung unterwegs als im übrigen Jahr. Um die Jahreszeit findet bei den Tieren der Generationenwechsel statt, wie Jürgen Christiansen von der Biologischen Station Haseniederung erklärt.

Spinnen paaren sich vor allem, wenn sie ausreichend Nahrung haben. „Eiweiß ist wichtig“, sagt Christiansen. Davon gibt es in der Regel in der zweiten Sommerhälfte jede Menge oder in einem warmen Herbst , in Form von Fliegen und Käfern. Auf dem Speiseplan stehen aber auch andere Spinnen, wie Christiansen berichtet. „Von einigen Spinnenarten ist ja bekannt, dass die Weibchen die Männchen nach der Paarung fressen.“

Die Eier legen die Spinnen entweder in ihren Netzen ab oder sie suchen sich andere Nischen. „Einige Arten tragen den Kokon mit den Eiern auch am Körper mit sich durch die Gegend“, berichtet Christiansen. Die im Herbst geschlüpften Spinnen suchen sich schnell ihre eigenen Reviere. „Nach dem Schlüpfen kümmern sich die Eltern zumeist nicht mehr um die Jungen.“

Zitterspinnen in bewohnten Räumen

Im Haus oder in der Wohnung findet man vor allem Trichter- und Zitterspinnen. „Grob gesagt, handelt es sich bei Trichterspinnen meist um Tiere, die einen relativ großen Körper haben und halblange behaarte Beine“, sagt der Biologe. „Das sind die Tiere, vor denen Menschen, die sich vor Spinnen fürchten, die meiste Angst haben.“

Zu Gesicht bekommt man sie eher selten. Laut Christiansen suchen sie sich zumeist Räume, in denen der Mensch nicht allzu oft auftaucht, wie Kellerräume, Schuppen und Garagen. „Sie halten sich gerne in Gebäuden auf, weil ihre Netze da nicht von Regen kaputtgemacht werden.“

In den von Menschen bewohnten Räumen wie Küche, Schlaf- und Wohnzimmer machen es sich dagegen die Zitterspinnen gemütlich. „Dabei handelt es sich um die klassische Indoor-Spinne“, sagt Christiansen. Sie bauen ihre oft sehr aufwendigen Netze gerne zwischen Wand und Schrank oder in Zimmerecken.

Springspinnen in Hauseingängen

Wer mit Raufaser tapeziert hat, findet die Netze aber auch direkt an der Wand oder unter der Decke. „An den Tapeten können sie mit ihren Netzen gut andocken.“ Ihren Namen tragen Zitterspinnen, weil sie anfangen an ihrem Netz zu reißen, wenn man ihnen zu Nahe kommt, wie Christiansen sagt. Oft fallen sie aufgrund ihres manchmal fast durchsichtigen Körpers nicht groß auf.

In Hauseingängen machen es sich Springspinnen bequem, die ihre Beute nicht mit einem Netz fangen, sondern sie durch einen beherzten Sprung überwältigen. „Sie haben es vor allem auf Insekten abgesehen“, berichtet der Biologe.

Allen Arten ist gemein, dass sie für den Menschen absolut ungefährlich sind. Christiansen rät daher, die Spinnen in Ruhe zu lassen. „Sie fressen Fliegen und andere Insekten und sind außerdem sehr sauber.“ Auch die Kreuzspinne sei im Übrigen nicht gefährlich. „Ihre Giftklauen reichen oft nicht aus, um überhaupt die menschliche Haut zu durchdringen.“

Biologe rät zu Lebendfallen

In Deutschland gebe es in freier Wildbahn nur eine Spinne, deren Biss richtig unangenehm werden könne, sagt der Biologe. Dabei handelt es sich um den Dornfinger. „Wenn sie mit ihren Klauen zugreifen, gleicht das einem Wespenstich.“ Allerdings sind die Tiere eher selten, zuletzt sei ein Exemplar in Haselünne berichtet worden.

Menschen, die unter einer Spinnenphobie leiden, rät der Biologe zu Lebendfallen. Es gebe zum Beispiel den Spinnenfänger , bei dem man mit einer Art Plastikpistole die Spinne aus einiger Entfernung mit einem Bürstenkranz einfängt. „Die andere Möglichkeit ist der Snapy-Insektenfänger , mit dem man dem Tier allerdings um einiges näher kommt.“

Klassisch kann man die Spinne auch mit einem Glas und einer Unterlage einfangen. Wichtig ist, dass man sie weit genug wegbringt. „Wenn man sie nur vor die Haustüre setzt, krabbeln sie wieder rein.“