Versuchte Nötigung VfL-Schal entrissen: BVB-Fan muss 1800 Euro zahlen

Von Rainer Lahmann-Lammert

Nicht für den Mülleimer: lila-weiße Fanschals.Foto: KemmeNicht für den Mülleimer: lila-weiße Fanschals.Foto: Kemme

Osnabrück. War es versuchter Raub oder Nötigung? Als ein betrunkener Ultra von Borussia Dortmund am Hauptbahnhof einem VfL-Anhänger unter Androhung von Gewalt den Fanschal entreißen wollte, mag er den Unterschied noch nicht gekannt haben. Jetzt kann er sich freuen, dass das Schöffengericht Osnabrück ihn „nur“ wegen versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt hat. Versuchter Raub wäre noch teurer geworden.

60 Tagessätze à 30 Euro muss der arbeitslose Tischler aus Dortmund in monatlichen Raten abstottern, dazu kommen noch die Kosten des Verfahrens. Am Abend des 26. Juli 2013 hatte der kräftig gebaute Borusse nach der 1:0-Niederlage seiner Mannschaft zwei jugendliche VfL-Fans aufgefordert, den lila-weißen Schal herauszurücken. Sonst werde es „was auf die Fresse“ geben.

Eine Drohung, die saß, zumal der Wortführer von zwei nicht minder harmlos wirkenden Kumpels flankiert wurde. Dass es nicht dazu kam, verdanken die Jugendlichen dem schnellen Einschreiten der Bundespolizei.

Die beiden Komplizen sind inzwischen vom Jugendschöffengericht Hagen wegen Beihilfe zu versuchtem Raub schuldig gesprochen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Ausgerechnet dem 23-jährigen Rädelsführer blieb dieser schwerwiegende Vorwurf erspart, weil sich das Schöffengericht Osnabrück am Montag von einem szenekundigen Beamten über die Dortmunder Polizei die Ultra-Szene informieren ließ.

Demnach ist es beim Fanclub „The Unity“ nicht üblich, den Anhängern gegnerischer Mannschaften Schals, Mützen oder Jacken abzunehmen, um sie als Trophäen zu präsentieren. Damit erschien die Version des Angeklagten einigermaßen plausibel. Er hatte ausgesagt, dass er den Schal gar nicht behalten, sondern in den nächsten Mülleimer werfen wollte.

Es war nicht sein einziger Ausraster in Osnabrück. Weil er die Polizeibeamten als „Wichser“ und „Affen“ bezeichnete, hat er bereits einen Strafbefehl erhalten. Kostenpunkt: 30 Tagessätze, zusammen 1200 Euro.