Musica Viva Ensemble „London Baroque“ auf Gut Sutthausen

Von Thomas Hitzemann

Das London Baroque Orchestra in der Schlosskapelle Sutthausen.  Foto: Elvira PartonDas London Baroque Orchestra in der Schlosskapelle Sutthausen. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Das Ensemble „London Baroque“ besetzt gleich mehrere Felder: Es sind Solisten, die sich ebenso in der Gruppe vertragen. Sie präsentieren Raritäten und Gewohntes. Auch außerhalb des Barock kennen sie sich bestens aus, und sie verstehen es, Gastmusiker zu integrieren. All diese Facetten zeigen sie im „Musica Viva“-Konzert auf Gut Sutthausen.

Mit Violine, Cello und Cembalo bringen sie die geschichtlich vermutlich erste, als Partitur überlieferte Sonata á tre zur Aufführung, ein Werk von Giovanni Paulo Cima. Von Dario Castello spielt Ingrid Seifert, Barockvioline, eine Sonata á due gemeinsam mit dem Cembalisten Julian Perkins. Stringente und stark verzögerte Passagen wechseln sich ab. Die Phrasierung dieser Solistin zeigt eine stärkere Tontrennung als auf der modernen Geige. Selbst im höchsten Tempo legt sie daher eine gewisse Steifheit nicht ab. Sicher fällt auch dem aufmerksamsten Beobachter nicht gleich ins Auge, dass beim Violoncello von Charles Madlam etwas anders ist. Alsbald erklärt er selbst, dass er ein fünfsaitiges Instrument streicht, ein sogenanntes Pentachord. Bei diesem Cello ist der Diskant um eine Saite erweitert. Anschließend spielt er eine Solosonate mit Cembalobegleitung von Johann Christoph Friedrich Bach, welche tatsächlich für das Pentachord komponiert wurde. Sie offenbart sich als frühklassisches Werk mit ausgesprochen empfindsamen Themen. Auffällig ist, dass der Cellist viel weniger Lagenwechsel machen muss, dank der höheren Zusatzsaite. Auch Cembalist Julian Perkins glänzt solistisch mit einer Toccata von Girolamo Frescobaldi. Sein Instrument klingt sonor und edel, überhaupt nicht metallisch zirpend. Eine eher konventionelle Sonate in F-Dur von Georg Friedrich Händel wird in den schnellen und langsamen Sätzen weit mehr ausgereizt als gewöhnlich.

Zum Mittelpunkt des Abends aber entwickelt sich die junge Sängerin Hanna Madlam. Sie ist umfassend stimmlich ausgebildet, wirft aber einigen Ballast ab, um in der Alten Musik schlanker zu wirken. Nur in der Tiefe behält sie ihr großes Volumen. Eng an der Textaussage entlang und ergreifend in ihrer melodischen Ausdeutung singt sie von Claudio Monteverdi das „Lamento d’Arianna“.

Sehr aufmerksam begleitet wiederum Perkins am Cembalo.Schließlich bündeln alle Musiker die Kräfte bei einer Liedfolge von Thomas Arne. In diesen abwechslungsreichen Barockliedern braucht sich die Sängerin stimmlich nicht mehr zurückzuhalten. Die vier Instrumentalisten begleiten sie quicklebendig und homogen. Das Publikum genießt das freie Spiel der Affekte und schließlich sogar Imitationen von Vogelstimmen.