Premiere am Stadttheater Osnabrück „Das kalte Herz“ – Geld oder Liebe?

Von Uta Biestmann-Kotte

Der Schwarzwald als Leinwandprojektion: So inszenierten Laura Jakschas und Peter Helling „Das kalte Herz“ mit (von links) Marius Lamprecht als Holländer-Michel, Anja S. Gläser als Lisbeth und Thomas Hofer als Kohlenmunkpeter. Foto: Uwe LewandowskiDer Schwarzwald als Leinwandprojektion: So inszenierten Laura Jakschas und Peter Helling „Das kalte Herz“ mit (von links) Marius Lamprecht als Holländer-Michel, Anja S. Gläser als Lisbeth und Thomas Hofer als Kohlenmunkpeter. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. 187 Jahre ist es her, dass „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff erschienen ist – und noch immer begeistert das Märchen vom Kohlenmunkpeter und dem Holländer-Michel. Für die erste Oskar-Premiere der Spielzeit gingen Regisseurin Laura Jakschas und Dramaturg Peter Helling im Oberen Foyer des Theaters am Domhof der Frage nach: wahre Liebe oder das große Geld?

Polternd und ächzend schiebt sich der „Kohlenmunkpeter“ (Thomas Hofer) unterm Bühnenpodest ins Freie. Welch elendes Leben in beengter Schwarzwälder Köhlerhütte! Da hat es der dicke Ezechiel mit seinem Geld doch viel besser. Oder „Tanzbodenkönig“ Hannes, der im Wirtshaus mit der hübschen Lisbeth (Anja S. Gläser) anbändelt. Peter Munk ist neidisch. „Warum muss ich ein Köhler sein?“, ruft er und zeigt den Kindern in der vorderen Reihe seine rußig verschmierten Hände.

Mit dem Märchen „Das kalte Herz“ ging am Samstag im Oberen Foyer des Theaters am Domhof die erste Oskar-Premiere dieser Spielzeit für ein Publikum ab 8 Jahren über die Bühne. Aus der 1827 erschienenen Vorlage von Wilhelm Hauff zauberten Regisseurin Laura Jakschas und Dramaturg Peter Helling ein 70-minütiges Spiel um Geldgier, Verstand- und Herzensbildung, in dem das Rauschen des deutschen Märchenwaldes ebenso zu hören war wie das Klingeln der New Yorker Börse. Das Spiel mit den Genres spiegelte sich auch in Bühnenbild und Kostümgestaltung von Frank Schönwald wider. Während Anja S. Gläser als Peters gutherzige Frau Lisbeth im weißen Brautkleid wie eine Märchenprinzessin über die Bühne schwebte, ähnelte sie im Part des goldglitzernden Glasmännleins einer futuristischen Alien-Diva.

Schauplätze wie Wald, Glashütte oder Börse wurden auf eine Leinwand projiziert, während beim Wirtshaus Requisiten wie Bierkrüge, Gläser oder Würfelbecher zum Einsatz kamen. Wie einem Horrorfilm entsprungen wirkte wiederum die Szene, in der sich Peter nach anfänglichem Segen durchs wundertätige Glasmännlein auf den Handel mit dem dämonischen Holländer-Michel einlässt, der ihm das kalte Steinherz einpflanzt.

Im Part dieses unheimlichen Gesellen konnte Darsteller Marius Lamprecht ebenso sämtliche bösen Facetten ausspielen wie als arroganter Ezechiel mit vorgerecktem Bauch, als gekonnt Schuhplattler tanzender Rivale Hannes sowie als blasierter Amtmann, der dem hoffnungslos verschuldeten Peter mit dem Galgenstrick droht.

Nächsten Aufführungen: 30. September, 1. und 2. Oktober um 9.30 Uhr und 11.30 Uhr, Theater am Domhof, Oberes Foyer.