Morgenland-Festival 2014 Djivan Gasparyan Quartett in Osnabrück: Wehmütig

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Duduk-Spieler mit Spaß an der Improvisation: das Djivan Gasparyan Quartett in der Bergkirche. Foto: Elvira PartonDuduk-Spieler mit Spaß an der Improvisation: das Djivan Gasparyan Quartett in der Bergkirche. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Djivan Gasparyan und sein Duduk Quartett füllen die Bergkirche mit elegischen, aber expressiven Klängen – und halten außerdem einige Überraschungen bereit.

Eine lebende Legende kündigt Michael Dreyer an, und gleich darauf betritt Djivan Gasparyan die Bühne, der wohl älteste Musiker des Morgenland Festivals, geboren 1928. Er gilt außerdem als der berühmteste Duduk-Spieler der Welt. Das Armenische Nationalinstrument vergleicht Michael Dreyer mit der Oboe. Nicht zu Unrecht, denn es ist wie sie ein Instrument mit Doppelrohrblatt, klanglich aber ähnelt es dem tiefen Register der Klarinette, ist im Vergleich nur etwas matter und hat einen geringeren Tonumfang. Die Duduk ist ein schlichtes Instrument ohne Klappen und klingt oft archaisch.

Kein Wunder: Djivan Gasparyan improvisiert viel, während sein Duduk-Quartett dazu einen Bordun liefert, lange Liegetöne, die dank Zirkularatmung ununterbrochen geblasen werden können. Das Konzert des Quartetts findet in der Bergkirche statt, und deren hölzerner Raum ist wie gemacht für den weichen Klang der nicht besonders lauten Instrumente und setzt ihn einfach perfekt in Szene.

Djivan Gasparyan führt unangefochten, während die übrigen Musiker sehr minimalistische Begleitungen spielen. Mit einer Ausnahme: Der Enkel des Meisters, ebenfalls Djivan Gasparyan, darf auch immer wieder mal ein Solo spielen. Die Duduk kann dabei, trotz der eher geringen dynamischen Möglichkeiten, ausgesprochen expressiv klingen, und mit einem Solo rührt der Enkel offenbar auch den Großvater sehr – und das Publikum wohl sowieso.

Das ganze Konzert scheint eine sehr elegische Angelegenheit zu werden – harmonisch zum Beispiel tut sich kaum etwas in dieser Musik – doch da beginnt das Quartett plötzlich und unerwartet einen lustigen und etwas täppischen kleinen Walzer – jedenfalls klingt es so, es mag ja eine armenische Entsprechung dazu geben. Eine solche gleichsam verhaltene Fröhlichkeit taucht zwischendurch immer mal wieder auf, doch auf der Duduk klingt auch sie etwas wehmütig, wie eine angenehme Erinnerung an Vergangenes. Der elegische, klagende Ton herrscht denn auch weiterhin vor, denn für diese Stimmung scheint die Duduk gebaut.

Einige Überraschungen gibt es aber doch noch, so spielt Djivan Gasparyan (Enkel) kurz vor Schluss des Programms das erste virtuose Solo, wobei er die ruhige Stimmung dennoch wahrt. Und in der Zugabe greift der Senior zum Mikro und singt eine melancholische Weise. Schließlich, das hätte man nun wirklich am wenigsten erwartet, beendet der Enkel das Konzert mit einem Medley bekannter Themen wie zum Beispiel „Meckie Messer“ und „All of me“.

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