zuletzt aktualisiert vor

160 Mitarbeiter betroffen Telekom-Tochter Vivento verlässt Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Vivento Costumers Services im Postgebäude an der Möserstraße. Der Standort soll bis 2016 aufgegeben werden. Foto: Gert WestdörpVivento Costumers Services im Postgebäude an der Möserstraße. Der Standort soll bis 2016 aufgegeben werden. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Vivento Customer Services GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Telekom, zieht sich aus Osnabrück zurück. Den 160 Mitarbeitern wird angeboten, in Dortmund zu arbeiten.

Der Vivento-Standort in einem Teil des Telekom-Gebäudes an der Möserstraße wird spätestens 2016 aufgegeben. Das wurde den Mitarbeitern in der vergangenen Woche während einer Betriebsversammlung eröffnet. Entlassungen soll es nicht geben.

Die Schließung ist Teil einer seit 2013 laufenden Umstrukturierung bei der Telekom-Tochter, die die Zahl ihrer Standorte bundesweit von 15 auf fünf reduzieren will . Die Beschäftigtenzahl soll bis Ende 2016 auf 1500 halbiert werden, wie Telekomsprecher Peter Kespohl am Montag erläuterte. In dieser Reduzierung stecke auch „etwas Gutes“, so Kespohl, denn viele Vivento-Mitarbeiter erhielten die Chance, ins Stammhaus Telekom zurückzukehren. Vivento Customer Services ist ursprünglich eine Auffanggesellschaft für ehemalige Post- und Telekommitarbeiter. Ihr Kerngeschäft sind Call-Center-Dienstleistungen, das Scannen von Dokumenten für die digitale Weiterbearbeitung und Kartierung von Telekommunikationsleitungen.

Etwa 70 Prozent der Beschäftigten in Osnabrück sind Beamte. In Dortmund werden die Standorte Osnabrück und Gelsenkirchen konzentriert. Mitarbeitern, die nicht nach Dortmund wechseln wollen oder können, will der Vivento Vorruhestandsregelungen oder Alternativen im öffentlichen Dienst anbieten. „Der Zoll wäre eine Möglichkeit, dort werden Leute für die Bearbeitung der Kfz-Steuer gebraucht“, sagte Telekom-Sprecher Kespohl.

Die Betroffenen sehen das nicht so entspannt. Im Gegenteil: „Sie reißen den Beschäftigten den Boden unter den Füßen weg und setzen ihnen das Messer an die Kehle“, klagte Betriebsratsvorsitzender Andreas Nardmann während der Informationsveranstaltung vorige Woche im Hotel Remarque unter lautem Applaus der Betroffenen. Ein Wechsel nach Dortmund wäre „nicht sozialverträglich“, für viele Teilzeitbeschäftigte oder Behinderte sogar ganz unmöglich. Er werde „alle politischen und gewerkschaftlichen Kräfte mobilisieren, um den Umzug zu verhindern, versprach Nardmann am Montag. Nach seinen Angaben sind 200 Mitarbeiter betroffen.

Auch die Gewerkschaft betrachtet die Verlagerung mit Sorge: Die Vivento werde als „personelle Drehscheibe missbraucht, um sich vom Personal zu trennen“, sagte Hanno Harms, bei Verdi für den Bereich Telekommunikation zuständig. „Nun ist zu befürchten, dass genau diese Taktik auch am Standort Osnabrück angewandt wird, um Personal zu einem Wechsel von Osnabrück nach Dortmund zu zwingen, obwohl der Arbeitgeber genau weiß, dass viele Beschäftigte diese Belastung nicht auf sich nehmen können.“

Harms hält die Konzentrationsstrategie der Telekom für verfehlt und wirft dem Unternehmen Unglaubwürdigkeit vor. In der Werbung brüste sich der Konzern mit modernster Technik, die es ermögliche, „an allen Orten der Welt dezentral hervorragenden Kundenservice zu erbringen“. Aber intern würden Menschen gezwungen, viele Stunden Anfahrt zur Arbeit in Kauf zu nehmen, obwohl ein „hervorragender Kundenservice“ auch in kleineren Einheiten erbracht werden könnte. Telekomsprecher Kespohl weist den Vorwurf zurück. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Arbeit in größeren, zentralen Einheiten effektiver und von höher Qualität sei.

Für viele Beschäftigte wiederholt sich jetzt ein bekanntes Dilemma. 2008 schloss die Telekom ihr Call-Center an der Hannoverschen Straße. Die 160 betroffenen Beschäftigten sollten damals nach Hannover, Münster oder Bielefeld wechseln. Die Telekom rückte nach lauten Protesten auch aus der Politik von diesem Plan ab und bot den Beschäftigten die Möglichkeit, zur Vivento-Tochtergesellschaft mit Sitz an der Möserstraße zu gehen.

Weitere Wirtschaftsnachrichten aus der Region Osnabrück-Emsland unter www.noz.de/regionale-wirtschaft


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN