Ein passgenaues Gebäude Carolinum-Sporthalle in Osnabrück wird eröffnet

Von Dietmar Kröger


Osnabrück. Eine Sporthalle braucht Platz. Wenn aber eben jener begrenzt ist, ist Ideenreichtum gefragt, nicht nur bei der Planung, sondern auch beim Bau. Am Gymnasium Carolinum haben alle Beteiligten die ihnen gestellte Aufgabe erfüllt und auf begrenzter Fläche einen Baukörper errichtet, der nicht nur seinen Zweck erfüllt, sondern gleichzeitig auch optisch eine gelungene Lösung ist.

,,Diese Baustelle war besonders, weil es unglaublich schwierig war zwischen der historischen Umgebung, wie zum Beispiel dem Domgarten und dem Hellingsturm zu bauen. Außerdem musste strengstens auf Feuerwehrzufahrten in dem eng verwinkelten Schulhof geachtet werden und sobald Veranstaltungen wie die Maiwoche stattfanden, hieß das für uns Baustopp“, erklärt Projektleiterin Sandra Desmarowitz vom Eigenbetrieb Immobilien- und Gebäudemanagement der Stadt Osnabrück.

Schon der Abriss der alten Halle im Juli 2012 stellte die Beteiligten vor logistische Herausforderungen, zumal die Arbeiten in den Sommerferien erledigt sein mussten. Vor allem musste der Baustellenverkehr aus dem Schulalltag herausgehalten werden – ein in dem engen Geviert mit Hase, Ursulaschule, Domgarten und dem Carolinum nicht immer leicht zu lösendes Problem.

Nach dem Abriss hatten dann zunächst einmal die Stadtarchäologen das Sagen. Etwa acht Monate suchten sie auf der Baustelle nach Relikten aus vergangenen Tagen, bis im Mai 2013 die Bauarbeiter mit der Umsetzung des Entwurfs des Architekturbüros Reinders Architekten beginnen konnten. Von herausgehobener Bedeutung war bei den Planungen vor allem der Bezug des neuen Baukörpers zu den in der Mehrzahl historischen Gebäuden in der unmittelbaren Nachbarschaft aber auch zum Ufer der Hase.

Um nur ein architektonisches Beispiel für die Wechselbeziehung von Alt und Neu zu geben, sei an dieser Stelle der Henningsturm genannt. Deckenhohe Fenster geben aus der Halle heraus den Blick auf das historische Bauwerk frei, das einst Bestandteil der Stadtmauer war. Die Stadtmauer selber ist an dieser Stelle nicht mehr zu sehen, aber eine neue Pflasterung zeigt ihre historische Linie an. Ebenfalls integrativer Bestandteil der Sporthalle ist die alte Bruchsteinmauer, die das Gelände des Carolinums vom Garten der Domgemeinde trennte. Sie wurde optisch dergestalt in den Baukörper integriert, dass sie nun einen Sockel bildet, der die Fassade auflockert und so als natürlicher Baustoff in Ergänzung zu den umliegenden Gemäuern tritt. Ungewöhnlich, aber durch ihre naturnahe Optik zum Umfeld passend, sind die Betonlamellen an den großen Fenstern.

Zum Schulhof präsentiert sich die Halle durch ihren vorspringenden ersten Stock aufgelockert. Vor allem die Höhe der Halle wird so optisch aufgefangen. Der Betrachter kann die Höhe der Halle im besten Fall erahnen. Ein gläserner Zwischentrakt verbindet die Sporthalle mit dem Altbau, in dem ebenso Umkleiden vorgehalten werden, wie in der Halle selber.

Die in Passivhausweise gebaute Halle bietet eine Sportfläche von 22 mal 44 Metern und lässt sich in der Mitte teilen. Angrenzende und durch Tore abgegrenzte Räume bieten ausreichend Platz für Sportgeräte. Wände und Decken sind schallschluckend. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 4,3 Millionen Euro – inklusive Abrisskosten, Verbreiterung der Feuerwehrzufahrt, archäologische Untersuchungen, Außenanlagen und Haseuferbepflanzung.