Beschwingt gegen schlechte Laune Cherry Poppin´ Daddies im Osnabrücker Bastard Club

Von Matthias Liedtke


Osnabrück. Der Retro-Schwung der wilden Zwanziger- und Dreißigerjahre wehte am Sonntagnachmittag durch den Bastard Club, wo einige der rund 200 Besuchern stilecht mit Petticoat oder Hosenträgern, Blumen oder Gel im Haar vor der Bühne Lindy-Hop tanzten. Denn anlässlich ihres aktuellen Neo-Swing-Revival Albums „White Teeth, Black Thoughts“ baten dort die seit 1989 bestehenden Cherry Poppin´ Daddies aus Oregon zum buchstäblich beschwingten nostalgischen Tanztee.

Das lokale Trio Triple Seven (777) lieferte zunächst solide Rockabilly- Appetithäppchen inklusive Covern von Beatles „Come Together“ bis Billy Idols „Rebell Yell“, bevor der äußerst drahtige, agile und stimmkräftige „Daddies“-Leadsänger und Songwriter Steve Perry flankiert von Gitarre, Bass, Schlagzeug und einem mitunter furios aufspielenden Bigband-Bläser-Quintett mit Posaune, Trompete, Klarinette und Saxofonen die ganz große, mit viel Swing, Jazz, Ska und Punk-Attitüde garnierte musikalische Sahnetorte auftischte.

Sanft angeschnitten durch ein grooviges „Soft Opening“ in Form von Frank Sinatras „Come Fly With Me“, das zwischendurch noch einmal mit einem entspannten „Fly Me To The Moon“ variiert wurde, erhöhte sich dann aber schlagartig die musikalische Kalorienzahl. Dabei lehnten sich neben dem Neunzigerjahre-Hit „Zoot Suit Riot“ auch frisch gebackene Stücke wie der leichtfüßige Album-Opener „The Babooch“ oder der treibende Ohrwurm „I Love American Music“ derart an die goldene Swing-Ära an, dass man sich musikalisch mindestens achtzig Jahre zurückversetzt fühlte. Inhaltlich setzen sie sich allerdings in augenzwinkernd ironischer Weise mit Problemen und sozialen Missständen im Amerika der Gegenwart auseinander.

Mit der hochprozentig schwungvollen Zugabe „Whiskey Jack“ endete ein rund neunzigminütiges Sonntags-Matinee-Swing-Feuerwerk zu einem Zeitpunkt, an dem der Tatort Bastard Club normalerwiese gerade seine Türen öffnet. Und auch wenn die Cherry Poppin´ Daddies ihren Sound aus der Zeit der Großen Depression adaptiert haben: Schlechte Laune und Bewegungslosigkeit haben sie mit ihrem energiegeladenen Auftritt buchstäblich weggeblasen. Extrem tanzbar und mit maximalem Mitwipp-, Mitschnipp- und Spaß-Faktor.