Morgenland-Festival 2014 Capella De La Torre und Trio Hewar: Magische Momente

Von Tom Bullmann

Die Ensembles Capella De La Torre und Hewar sorgten in der Gymnasialkirche für Begeisterung. Foto: Elvira PartonDie Ensembles Capella De La Torre und Hewar sorgten in der Gymnasialkirche für Begeisterung. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Welten und Zeitalter trafen aufeinander, als in der Kleinen Kirche das Renaissance-Ensemble Capella De La Torre und das Trio Hewar auftraten. Nicht nur der Wechselgesang des Altisten Kai Wessel mit der Hewar-Sängerin Dima Orsho sorgte für faszinierende Klangerlebnisse. Beide Gruppen öffneten sich einem überwältigenden Dialog zwischen Ost und West, zwischen gestern und heute.

Ein „Passamezzo“, ein italienischer Schreittanz, erklingt im Kirchenraum. Historische Instrumente wie Schalmei, Altpommer, Posaune und Bassdulzian erzeugen eine Atmosphäre wie im 16. Jahrhundert am Hof eines Fürsten. Den ausklingenden Ton der traditionellen Melodie nimmt der syrische Klarinettist Kinan Azmeh auf, er variiert das Thema, derweil Jasser Haj Joussef aus Tunesien mit seiner Violine Pizzicato-Töne erzeugt und Dima Orsho, ebenfalls aus Syrien, die Beatbox macht, ein Rhythmusbett per Mundperkussion. Was sich in der Beschreibung anhört, als sei das Ganze aufgesetzt und künstlich, überzeugt im Konzert wie eine selbstverständliche Symbiose. Das Einfühlungsvermögen der Musiker, die Bereitschaft, aufeinander einzugehen und gemeinsam Grenzen einzureißen, lässt die Darbietung zu einem einmaligen Erlebnis werden.

Das „Canticum Canticorum“, das „Hohelied“, hatten die Musiker zum Thema des Abends gemacht. Diese im Altertum entstandene Textsammlung, die dem biblischen König Salomon zugeschrieben wird, wurde von Renaissance-Komponisten vertont und bildet jetzt den Ausgangspunkt für traumhafte Variationen und Improvisationen. Wunderschön der Alt-Gesang von Kai Wessel, der sich keine bessere Begleitung als die Capella De La Torre unter der Leitung von Katharina Bäuml wünschen kann.

Für magische Momente sorgt das „Vergine Bella“ von Bartolomeo Tromboncino, das von Joussef mit der Viola d’amore eingeleitet wird. Über einem Bordunklang der Orgel singt Wessel, Orsho übernimmt, fügt arabische Arabesken hinzu, gemeinsam steigern sich die Capella und das Trio Hewar zu einem Höhepunkt, der Gänsehaut erzeugt. Unter anderen Vorzeichen gelingt Azmehs Komposition „Ink“: Hier dominieren zunächst die arabischen Merkmale, dennoch finden beide Ensembles mit Altus Wessel über einem Dreiklang der Theorbe, einer langhalsigen Basslaute, zusammen. Einmal mehr zeigt sich, dass das Morgenland Festival Impulse für ungewöhnliche Kooperationen liefert – mit fantastischen Ergebnissen.

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