Eigener Standort, aber kein eigener Kosmos 10 Jahre Kamp-Promenade in Osnabrück

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Heute klopfen sie sich alle auf die Schulter. Die Kamp-Promenade wird von Planern und Politikern als Glücksfall für die Stadtentwicklung angesehen. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass der Investorenwettbewerb 1997 eigentlich gescheitert ist.

An drei Punkten macht der Handelsverband Osnabrück-Emsland die Erfolgsgeschichte des Einkaufszentums fest: Die Anbindung an die Große Straße funktioniere, der Branchenmix passe und die Architektur werde von den Kunden geschätzt, sagt Katja Calic, die Geschäftsführerin der Einzelhandelsorganisation. Damit sei die Kamp-Promenade ein gutes Beispiel für innerstädtische Integration. Auch nach zehn Jahren kämen Händler und Verbandskollegen aus anderen Städten, um sich darüber zu informieren.

Ähnlich positiv sieht es Stadtplaner Franz Schürings. Ihn überzeugt, dass die Multi Development Corporation keinen geschlossenen Block im Hinterhof der Großen Straße errichtet hat, sondern ein abwechslungsreiches Gefüge, mit Plätzen und Gassen, die keinem uniformen Muster folgen.

Für Center-Manager Alexander Natusch drückt sich dieser Ansatz schon darin aus, dass niemand so recht weiß, wo die Kamp-Promenade anfängt und wo sie aufhört. Er ist nicht traurig darüber, das gehört zum Konzept, das 1997 vom Münsteraner Architekturbüro Bolles + Wilson entwickelt wurde. Die ersten Entwürfe sahen noch etwas schrill aus, ziemlich bunt, mit einer um drei Meter abgesenkten Passage auf der Hauptachse zwischen der Großen Straße und Saturn.

Am Ende wurde der Wettbewerb zwar aus formalen Gründen abgeblasen, weil sich die Bewerber nicht an die Vorgaben gehalten hatten, die Beiträge von Multi Development aus Düsseldorf und Fondara Immobilien aus München blieben aber im Rennen. Während die Münchner einen mehr oder weniger abgeschlossenen Kosmos auf dem Parkplatz errichten wollten, schliffen die Architekten aus Münster so lange am Multi-Development-Entwurf herum, bis der Rat fast einhellig der Ansicht war, dass dieses Einkaufszentrum Osnabrück gut stehen würde. Und dabei ist es dann auch geblieben.

Inzwischen hat es einige Wechsel gegeben, und manchmal stellte sich die bange Frage nach einer adäquaten Nachfolge. Für Karstadt-Sport kam TK-Max. Zeitweise wurden dem Publikumsmagneten Saturn Abwanderungsabsichten nachgesagt. Jetzt ist klar, dass der Zehnjahresvertrag verlängert wurde, allerdings wohl für einen kürzeren Zeitraum.

Aus Multi Development wurde die Multisec Mall Management GmbH, Eigentümergesellschaft ist die Deka, ein Unternehmen der Sparkassen. Und mit der Erweiterung auf dem ehemaligen Woolworth-Grundstück bekam die Kamp-Promenade auch ein repräsentatives Entrée an der Nordseite. Ganz nebenbei hat das Geschäftszentrum auch auf das Umfeld ausgestrahlt. Die Rückfronten der Großen Straße wurden allesamt umgestaltet, so dass auch optisch eine durchgehende 1A-Lage entstanden ist.

Jetzt richten sich die Blicke auf den Neumarkt, und dabei stellt sich die Frage, ob es auch dort gelingen wird, das neue Einkaufszentrum zu integrieren. Auf die Anbindung zum Neumarkt und zur Johannisstraße komme es an, sagt Mechthild Möllenkamp, die Präsidentin des Handelsverbandes. Aber da fangen die Probleme schon an, weil die Konkurrenz über die Sperrgrundstücke verfügt.