Millionenausgaben für Betreuung Weltkindertag 2014: Wie kinderfreundlich ist Osnabrück?

Osnabrücks junge Einwohner haben gut lachen: Die Stadt Osnabrück investiert Millionen in die Kinderbetreuung und unterhält eine Kinderinteressenvertretung. Foto: ImagoOsnabrücks junge Einwohner haben gut lachen: Die Stadt Osnabrück investiert Millionen in die Kinderbetreuung und unterhält eine Kinderinteressenvertretung. Foto: Imago

S. Osnabrück. Am Sonntag wird von 14 bis 18 Uhr vor dem Osnabrücker Rathaus der Weltkindertag gefeiert. Grund, einmal danach zu fragen: Wie kinderfreundlich ist Osnabrück? Wenn es allein um Zahlen geht, erreicht die Stadt einen Spitzenplatz: 52 Prozent des Gesamtbudgets steckt der Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familien in die Kinderbetreuung. Das sind immerhin mehr als 40 Millionen Euro im Jahr.

Über die Finanzierung von Kindertagesangeboten gibt es in Osnabrück seit Jahrzehnten keine Auseinandersetzung. Einig waren sich alle Parteien, dass es bei der Betreuung der unter Dreijährigen Nachholbedarf gab und die Stadt eine 60-prozentige Versorgungsquote umsetzen will. Ebenso einig sind sie sich heute darüber, dass es mehr Hortplätze für Grundschulkinder geben muss.

Weniger Einigkeit gab es aber lange Jahre über Kinderbüro und Kinderkommission. Beide von Rot-Grün geschaffenen Einrichtungen waren 2004 von der schwarz-gelben Ratsmehrheit aus Kostengründen abgeschafft worden. Schon damals hatte es vom Kinderbüro aus zahlreiche Beteiligungsaktionen für die jüngsten Bürger der Stadt gegeben.

Drei Jahre später öffnete das Kinderbüro unter Rot-Grün erneut. Diesmal nicht mehr mit einer eigenen Adresse, sondern im Haus der Jugend. Seither firmiert es als Kinder- und Jugendbüro und hat mit den beiden Mitarbeiterinnen Karin Wank und Rosa Jünemann viel auf die Beine gestellt.

Im Mittepunkt stehen dabei Beteiligungsprojekte: Kinder und Jugendliche sollen das, was sie direkt angeht, auch mitbestimmen. Dazu zählen die Spielplatz- und die Verkehrsplanung. Das Kinderbüro übernimmt auch die Regie für ein ganz besonderes demokratisches Lernspiel beim Ferienpass: In der Kinderstadt können Jungen und Mädchen ein paar Tage ihre eigene Stadt planen und regieren.

Das Kinder- und Jugendbüro hatte maßgeblichen Anteil daran, dass es bei der bundesweiten U-18-Wahl vor der Bundestagswahl 2009 in Osnabrück eine besonders hohe Beteiligung gab. Seit 2013 unterstützt das Büro die Arbeit des ersten Osnabrücker Jugendparlamentes.

Und es gibt in der Stadt wieder eine Lobby für die Jüngsten. Im April 2012 nahm die neue Kinderinteressenvertretung ihre Arbeit auf. Kommunalpolitiker, Mitarbeiter von Kindereinrichtungen und Verbänden sowie Elternvertreter tagen seither regelmäßig und lassen sich von Kindern beraten. So wurde auf Anregung von Grundschülern die gefährliche Verkehrssituation vor der Grundschule Eversburg entschärft.

Die Kindervertretung kritisierte scharf die Nettebad-Regelung für Ferienpasskinder und setzt sich von Anfang an für Flüchtlingskinder ein. Nach dem Wunsch der Mitglieder soll die soziale Arbeit in Dodesheide-Ost fortgesetzt und Patenschaftsmodelle wie „Balu und Du“ stärker unterstützt werden .

Auch wenn das Gremium nur Empfehlungen aussprechen kann – die Arbeit für Kinder und mit ihnen zeigt, dass Osnabrück unabhängig von den Millionen für die Betreuung Kinderbeteiligung ernst nimmt. Die Stadt darf sich deshalb zu Recht kinderfreundlich nennen, auch wenn es immer noch besser werden kann.


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