Ausstellung im Remarque-Zentrum Scharfe Kontraste: „Ypern mon amour“

Von Christoph Beyer

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Osnabrück. Der Erste Weltkrieg als fröhlich-beschwingte Reise, voller Heldenmut, blitzblanker Uniformen und martialischer Pose – es sind derartig inszenierte Ästhetisierungen des Kriegsgeschehens auf alten Feldpostkarten und Fotos, die das Kunstprojekt „Ypern mon amour“ im Rahmen seiner jetzt eröffneten Ausstellung im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum infrage stellt – und sich dabei, anspielungsreich, nicht vor Gegenwartsbezügen scheut.

Bereits der Ausstellungstitel bietet maximalen Kontrast, stehen die Schlachten um die belgische Stadt Ypern mit Hunderttausenden von Toten doch exemplarisch für die Schrecken des Ersten Weltkrieges. In dreijähriger Arbeit schufen die Essener Künstler Harald Reusmann und Frank Wolf ein Werk, in dessen, auf authentischen Vorlagen basierenden, großformatigen Fotomontagen sich durch grell überzeichnete Figuren und Szenerien das groteske der damaligen Propaganda freilegt. Bewusst greifen die Künstler dabei auf das stilistische Mittel subtiler Satire und Ironie zurück – wenn etwa, vor bewusst schwülstig gehaltener, fast märchenhafter Farbkulisse, Soldaten lachend in die Schlacht ziehen, Fahnen schwenkende und feixende Studenten im Hörsaal ihren eigenen, kommenden Untergang bejubeln oder ein Propagandabild französischer Kriegsgefangener in die Aufnahme eines heutigen Karnevalsumzugs hineinmontiert wird.

Im skulpturalen Ausstellungsteil zieht ein Soldat, halb in Uniform und halb als Skelett dargestellt, die Blicke auf sich. „Wir sind am Anfang auf viel Unverständnis bei unserem Projekt gestoßen“, berichtete Frank Wolf. Dabei ziele der spezifische künstlerische Zugang des Projekts doch gerade darauf, dem eigentlich Unaussprechlichen des Kriegsgeschehens, diesem exzessiven Ausbruch organisierter kollektiver Gewalt, eine angemessene und zugleich assoziationsreiche Form zu verleihen.

Vordergründig beziehen sich die Fotomontagen zwar auf Propagandamittel des Ersten Weltkrieges, lassen sich aber durchaus auch als grundlegende Auseinandersetzung mit dem Wesen des Krieges als solchem deuten. Auf die Fülle der sich bietenden Assoziationen der Ausstellung verwies auch Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler und dankte im Namen der Stadt dem Remarque-Friedenszentrum und den Künstlern für das besondere Projekt. Thomas F. Schneider , Leiter des Friedenszentrums, betonte die vielfältigen künstlerischen Bezüge des Werks und wies auf Schnittstellen zu Remarques Weltkriegserfahrungen hin. Remarques berühmtester Roman „Im Westen nichts Neues“ sei tatsächlich eine maßgebliche Inspiration ihrer künstlerischen Beschäftigung mit der Weltkriegsthematik, betonten abschließend beide Künstler. Der, im besten Sinne des Wortes, unbequeme künstlerische Beitrag „Ypern mon amour“ ist bis zum 18. Januar 2015 im Remarque-Friedenszentrum zu sehen.

Remarque-Friedenszentrum, Am Markt 6: „Ypern mon amour“, bis 18. Januar. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags: 10 bis 13 Uhr, 15 bis 17 Uhr, samstags und sonntags: 11 bis 17 Uhr. Telefon: 0541/323-2109.


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