Für 1,5 Millionen DM gebaut Rätselhaftes Gebäude am Kollegienwall in Osnabrück

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Osnabrück. Von außen sieht es aus wie ein Hochbunker, gebaut für den Kalten Krieg. Allerdings handelt es sich bei dem rätselhaften Gebäude am Kollegienwall nicht um eine militärische Trutzburg.

In dem Gebäude befindet sich eine durchaus zivile Einrichtung, nämlich ein Pumpwerk der Stadtwerke. Die Anlage kommt nur dann zum Einsatz, wenn die Kanalisation nicht mehr mit den Niederschlägen klar kommt. Zuletzt war das beim Hochwasser 2006 der Fall.

Zwei Diesel- und eine Elektrogetriebe sind der Kern des Gebäudes. Im Notfall befördern sie die Wassermassen, mit denen die Kanalisation nicht mehr fertig wird, in die Hase. Das Wasser wird über außen liegende archimedische Schnecken aus einem Ablaufbecken unter dem Gebäude hoch in den Fluss gepumpt.

Der rätselhafte Turm in der Osnabrücker Wüste

„Bis zu 27.000 Kubikmeter pro Stunde können hier transportiert werden“, erklärt Peter Sikora. Der Diplom-Ingenieur ist Leiter der Klär- und Pumpwerke bei den Stadtwerken Osnabrück. Das entspreche der gesamten Menge Wasser, das pro Tag in die Kläranlage läuft.

Einzugsbereich für südwestliches Osnabrück

Das Pumpwerk wurde 1969/1970 für 1,5 Millionen DM gebaut. „Es ist das Entlastungspumpwerk für das südwestliche Osnabrücker Stadtgebiet“, erklärt Sikora. Rund 880 Hektar zählten zum Einzugsbereich. „Dem Pumpwerk fließt erst Wasser zu, wenn das vorhandene Kanalnetz die Niederschläge nicht mehr abführen kann.“

Die elektrisch betriebene Schneckenpumpe schaltet sich im Falle des Falles als Erstes ein. Das hat einen praktischen Hintergrund: „Der Betrieb der Dieselpumpen ist teurer“, sagt Sikora.

Wenn die elektrisch betriebene Schnecke mit den steigenden Wassermassen nicht mehr fertig wird oder der Strom ausfällt, schalten sich die Dieselgetriebe zu. Sind die Wassermengen so gering, dass sich ein Betrieb der drei großen Pumpen nicht lohnt, gibt es zwei kleinere Tauchpumpen, mit denen der Zulaufkanal entleert werden kann.

Getriebe wiegen 2,5 Tonnen

Alle vier Wochen werden die Pumpen überprüft und jeweils 20 Minuten laufen gelassen. Die Elektronik kann zudem ferngewartet werden. Vor etwa zehn Jahren seien die Dieselpumpen komplett überholt worden, sagt Sikora. Kostenpunkt: 70.000 Euro. „Damit sind sie jetzt wieder wie neu.“

Alleine die Getriebe der Dieselschnecken wiegen rund 2,5 Tonnen, wie Sikora erklärt. Bei einem Kaltstart können die Motoren leicht kaputt gehen. „Deshalb werden sie mit einer elektrischen Heizung automatisch vor der Inbetriebnahme angewärmt. In 15 bis 30 Minuten sind sie startklar.“

Weniger als 100 Laufstunden

Das spart den Stadtwerken eine Menge Geld. Ansonsten müssten die Pumpen permanent beheizt werden. Über Jahrzehnte. Ein ziemlicher Aufwand für Pumpen, die nur alle Jubeljahre zum Einsatz kommen. Sikora: „In den vergangenen 50 Jahren hatten die Pumpen weniger als 100 Laufstunden.“ Allerdings: Gäbe es sie nicht, hätten Teile der Stadt 2006 vermutlich unter Wasser gestanden.


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