Fundstelle abgesichert Vorbereitungen für Bombenräumung fast abgeschlossen

Von Nils Stockmann


Osnabrück. Wieder einmal müssen am kommenden Sonntag Tausende Bewohner des Stadtteils Schinkel wegen einer Bombenräumung ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Inzwischen ist alles für die Entschärfung vorbereitet.

Am Mittwoch hatten THW und Feuerwehr die Fundstelle in Schinkel-Ost mit Containern und Sandsäcken gesichert und zusätzlich abgesperrt. Ein Teil des Materials war schon am vorherigen Wochenende bereitgestellt worden. Am späten Nachmittag begannen die Einsatzkräfte mithilfe des Kranwagens der Berufsfeuerwehr, Container um die Fundstelle zu platzieren, um umliegende Gebäude vor den Auswirkungen einer möglichen Sprengung zu schützen. Diese wird nötig, wenn sich die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg nicht wie geplant entschärfen lässt.

Später am Abend befüllte die Freiwillige Feuerwehr Schinkel spezielle Wasserblasen in den Containern. „Jede der vier Blasen fasst 24000 Liter. Dieses Gewicht ist nötig um die Container zusätzlich zu beschweren, damit sie der Druckwelle einer Detonation standhalten“, erklärt Daniel Schmock vom THW, der den Einsatz am Mittwoch koordinierte. Während der Sicherungsmaßnahme war es rund um den Bombenfundort zu einigen Verkehrsbehinderungen gekommen. Auch die Arbeiten der Einsatzkräfte verzögerten sich, da ein extra dafür ausgesprochenes Parkverbot von vielen Verkehrsteilnehmern zunächst nicht ernst genommen wurde.

Am Ende habe man den Zeitplan jedoch einhalten können, resümiert Einsatzleiter Schmock. Bis auf die Führer des Feuerwehr-Krans seien alle beteiligten Einsatzkräfte ehrenamtlich gewesen, deswegen habe man die Arbeiten in den Abendstunden auch noch nach Einbruch der Dunkelheit durchführen müssen. „Daran sind wir aber gewöhnt“, so Schmock. Insgesamt waren am Mittwoch 25 Einsatzkräfte von THW und Feuerwehr beteiligt.

Die meisten von ihnen werden auch am Sonntag wieder dabei sein. Dann werden rund 300 Helfer von Feuerwehr, THW, Polizei und verschiedenen Sanitätsdiensten dafür sorgen, dass die Räumung des Evakuierungsgebietes zügig und problemlos verläuft. Außerdem betreuen ehrenamtliche Helfer das Evakuierungszentrum im Schulzentrum Sonnenhügel und unterstützen letzte Sicherungsarbeiten an der Fundstelle. „Der Aufwand für diese Evakuierung ist insgesamt nicht viel größer als der bei der vergangenen Räumung, obwohl das Gebiet doppelt so groß ist“, so Schmock. Das liege vor allem daran, dass es innerhalb des Gebietes viele unbebaute Flächen gebe, sodass nur 6000 Anwohner direkt betroffen seien. Zudem sei das Evakuierungsgebiet deutlich übersichtlicher als das vergangene. Schmock ist sich sicher: „Wir rechnen mit weniger Problemen. Allein die bauliche Struktur ist eine andere, es werden sich wohl weniger fragliche Situationen ergeben.“ Viele parkende Autos und unübersichtliche Häuserblocks hatten bei der vergangenen Evakuierung am 31. August für Unsicherheit unter den Einsatzkräften gesorgt, ob wirklich alle Anwohner ihre Wohnung verlassen hatten.

Am kommenden Sonntag beginnen Feuerwehr und THW ab 10 Uhr mit der Nachkontrolle des Evakuierungsgebietes. Erst wenn sie überzeugt sind, dass alle Anwohner ihre Wohnungen verlassen haben, wird das Gebiet freigegeben und der Sprengmeister kann an die Arbeit gehen. Ob es sich bei dem Objekt, das er dann freilegt, wirklich um eine Fliegerbombe handelt , kann noch nicht sicher gesagt werden. „Anhand der Untersuchung des Gebietes und dem Vergleich mit Luftbildern, die wir im Zuge von geplanten Bauarbeiten auf dem Gelände durchgeführt haben, sind wir uns aber ziemlich sicher“, erklärt Jürgen Wiethäuper, Kampfmittelexperte der Stadt. Auch zur Dauer und Gefahr der Entschärfung kann er noch keine Aussage machen: „Die Art und er Zustand des Zünders, über die wir noch keine Information haben, sind dafür entscheidend, nicht die Größe des Sprengkörpers.“

Im Vorfeld der Evakuierung weist die Stadt darauf hin, auch Nachbarn über die bevorstehende Maßnahme zu informieren . Eine schnelle Räumung sei schließlich im Interesse aller Beteiligten. Als mögliches Ziel für Betroffene bietet sich neben dem Evakuierungszentrum im Schulzentrum am Sonnenhügel zum Beispiel der verkaufsoffene Sonntag in der Innenstadt an. Nicht geöffnet hat hingegen das Schinkelbad, das ebenso im ein Kilometer großen Evakuierungsradius liegt wie Teile der Autobahn A33. Nach Angaben der Polizei wird auch diese zeitweise gesperrt.


Für die Dauer der Räumung am Sonntag hat die Stadt ein Evakuierungszentrum im Schulzentrum Sonnenhügel eingerichtet. Für bettlägerige und kranke Personen bestehen Transportmöglichkeiten, die vorher angemeldet werden müssen. Während der Maßnahme informiert die Stadt über ihre Internetseite und in sozialen Netzwerken über den Fortschritt der Entschärfung. Außerdem ist ein Bürgertelefon unter der Nummer 0541/3233331 eingerichtet. Auf noz.de berichten wir in einem Liveticker direkt aus dem Evakuierungsgebiet und über alle Hintergründe der Räumung.