Vizepräsident im Interview Was kann die Uni Osnabrück gegen schlechte Professoren tun?

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Was kann die Uni Osnabrück gegen schlechte Dozenten tun? Fragen an Uni-Vizepräsident Prof. Joachim Härtling. Foto: Archiv/Manfred PollertWas kann die Uni Osnabrück gegen schlechte Dozenten tun? Fragen an Uni-Vizepräsident Prof. Joachim Härtling. Foto: Archiv/Manfred Pollert

Osnabrück. Kann die Uni einen schlechten Professor entlassen? Wie versucht sie, die Qualität der Lehre sicherzustellen? Fragen an Joachim Härtling, als Vizepräsident der Universität Osnabrück zuständig für Studium und Lehre.

Mal angenommen, Studenten beschweren sich über einen Professor, der schlecht in der Lehre ist und hohe Durchfallquoten in seinen Klausuren hat. Können Sie den Professor entlassen?

Das ist abhängig von der Art der Stelle. Im Bereich der Junior-Professoren können wir selber berufen. Wenn deren Begutachtung negativ ausfällt, geht die Vertragslaufzeit nach 3 Jahren zu Ende. Bei den regulären Professuren ist es komplizierter. Wir haben da ein Deeskalationssystem: Wenn negative Rückmeldungen von Studierenden kommen, wird zunächst ein Gespräch mit dem Studiendekan innerhalb des Faches geführt. Letztendlich wäre ich als Vizepräsident dafür zuständig, mit dieser Person noch mal ein Gespräch zu führen, wenn vorher keine Lösung gefunden wurde. Wegen schlechter Lehrleistungen können wir nicht entlassen.

Ein Gespräch mit Ihnen wäre also das letzte Mittel?

Im Grunde ist es das. Wir haben da relativ wenig Möglichkeiten. Das ist aus meiner Sicht ein echtes Problem. Ich komme selber aus dem angelsächsischen System, bin sieben Jahre in Kanada gewesen. Da gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten, an bestimmte Personen heranzukommen. Wir können das Gespräch suchen, wir können unterstützen, wir haben aber letztendlich keine Entscheidungsbefugnis.

Kann das Ministerium entscheiden?

Wenn es um Klagen von Studierenden geht, hat auch das Ministerium keine Möglichkeiten. Das würde das Ministerium auch ungern machen, weil es dann ja in die Belange der Universität selbst eingreift.

Aber die Universität selbst kann auch nichts machen?

Nein, die Universität kann im Grunde auch nichts machen.

Wie versuchen Sie zu vermeiden, schlechte Professoren einzustellen?

Es ist mittlerweile so, dass die Kandidaten in den Berufungsverfahren nicht nur einen wissenschaftlichen Vortrag halten, sondern auch einen Lehrvortrag, der dann mit den Studierenden und der Kommission diskutiert wird. Dazu müssen die KandidatInnen einen Nachweis zur pädagogischen Eignung vorlegen und es muss es im Abschlussbericht eine Stellungnahme der Kommission und von Studierenden geben.

Lässt sich gute Lehre an nur einem Vortrag festmachen?

Gerade Studierende haben immer ein sehr gutes Gefühl dafür. Bei einer abschließenden Kommissionsbesprechung wird der gesamte Kandidat unter die Lupe genommen. Man könnte sich natürlich vorstellen, dass man sich da noch mehr Zeit nimmt.

Hier hat man normalerweise vier Kandidaten pro Tag. Das heißt: Man hat ungefähr zwei bis zweieinhalb Stunden Zeit, die Person kennen zu lernen. Diese müssen außerdem Lehrevaluationen ihrer bisherigen Arbeitsstätte einreichen.

Wie würden Sie die Qualität der Lehre in Osnabrück bewerten?

Das Problem ist: Wie definiert man gute Lehre? Jede Hochschule muss für sich selber entscheiden, was für sie die Ziele sind. Ist es die Kommunikationsform, sind es bestimmte Kompetenzen, die erreicht werden müssen? Ich würde natürlich immer sagen, dass wir gut sind im Bereich Studium und Lehre.

Professoren kommen in der Regel von anderen Universitäten und wurden dort ausgebildet. Wie können Sie bei denen die Qualität der Lehre sicherstellen?

Das ist zum einen eine formal-juristische Frage. Wir können Lehrende nicht dazu zwingen, eine gute Lehre zu machen. Denn die müssten wir dann sehr genau definieren. Man kann den Lehrenden Gratifikationen geben, man kann es ihnen ein bisschen schwerer machen. Aber ich kann keinen Lehrenden dafür bestrafen, dass er schlechte Lehre macht.

Was bedeutet „ein bisschen schwerer machen“?

Ich würde es eher umgekehrt sagen. Wir können versuchen, den Lehrenden Gratifikationen dafür zu geben, dass sie sich in der Lehre engagieren. Wir haben ja den Preis für gute Lehre, wir haben die Möglichkeit der Fort- und Weiterbildung. Wenn Professoren im Rahmen von Berufungen an die Universitäten kommen, können wir sie natürlich nicht in Weiterbildungen hineinzwingen. Wir können es ihnen anbieten. Die Erfahrung zeigt, dass das sehr unterschiedlich angenommen wird. Wir sind aber gerade dabei, ein Einführungsprogramm für neue Professoren zu entwickeln.

Wie kann ich als Student der Uni eine Rückmeldung zu meinem Professor geben?

Bei den Lehrveranstaltungen ist es unproblematisch. Da haben wir formale Lehrveranstaltungsevaluationen, die flächendeckend alle drei Semester durchgeführt werden. Dann haben wir vor allen Dingen in den Masterkursen und in den Bereichen, in denen die Gruppen überschaubar sind, sogenannte kollegiale Abschlussgespräche. Da setzen sich die Lehrenden mit den Studierenden zusammen.

Professoren können Evaluationen auch einfach ignorieren. Was bewirken diese Rückmeldungen?

Erfahrungsgemäß ist es so, dass die Lehrenden, die sich sehr intensiv mit Studium und Lehre beschäftigen, damit sehr viel anfangen können. Sehr wichtig sind die Evaluationen auch für die neuen Professoren, für die Junior-Professoren und für die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die in der Qualifikationsphase sind. Dann gibt es natürlich in jedem System auch Leute, denen Studium und Lehre sowieso egal sind und die es sich gar nicht ansehen. Die kann man nur immer wieder anstoßen.

Wie würden Sie gute Lehre definieren?

Ich glaube, gute Lehre ist zum Einen schlicht und einfach das Handwerkszeug, das man lernen muss. Ein französischer Philosoph hat es mal sehr schön gesagt: Wissensvermittlung heißt nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern eine Flamme zu entfachen. Ich glaube, wenn die Begeisterungsfähigkeit der Lehrenden für ihr Fach und für die Studierenden rüberkommt, dann ist der wichtigste Punkt erreicht.


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