„Hommage an eine Gründergeneration“ Osnabrücker Ausstellungsorte zeigen konkrete Kunst

Von Tom Bullmann


Osnabrück. 90 Konkrete zum 90. Geburtstag des Bauhauses: 2009 hatten die Stadt Erfurt und das dortige „Forum Konkrete Kunst“ Künstler aufgerufen, Werke für eine Ausstellung einzureichen, die die avantgardistische Gedankenwelt der Bauhauskünstler aufgreifen und in die Gegenwart katapultieren. An mehreren Orten werden die Unikatgrafiken dieser „Hommage“ sowie Originalwerke ausgesuchter Künstler jetzt auch in Osnabrück zu sehen sein.

„Hommage an eine Gründergeneration“ nennt sich das Gesamtkonvolut, das die unterschiedlichen Facetten zeitgenössischer Konstruktivisten beispielhaft vor Augen führt. Dabei sollte man nicht den Fehler machen, aufgrund der identischen Sockelleiste auf allen Exponaten anzunehmen, dass es sich um Plakate oder Reproduktionen handelt. Nein. Heide Bierwisch vom Erfurter „Forum Konkrete Kunst“, Initiatorin des Projekts, sorgte dafür, dass alle interessierten Künstler mit Papier versorgt wurden, das den Aufdruck mit dem Projekttitel und dem Veranstalterhinweis trug. So sorgte sie für Wiedererkennungswert und für einheitliche Formate. Das hielt aber keinen Künstler davon ab, das Papier individuell zu bearbeiten. Da findet man die „Collage mit Klebebändern“ von Jochen Scheithauer genauso wie die „Farblinearen Kompositionen“ aus Acrylfarbe von Jochen Röder.

An drei Orten sind die 90 Arbeiten zu sehen: Im Geburtshaus des Konstruktivisten Friedrich Vordemberge-Gildewart (kurz VG) hängen die Werke streng geometrischer Vertreter wie Gottfried Jäger oder Horst Bartnik, die ihre Farben und Formen nach mathematischenFormeln berechnen. Oder die Beiträge von Konstruktivisten wie Josef Linschinger und Thomas Kausel, die sich wie VG mit der Typografie und der Konkreten Poesie beschäftigen.

Weitere Exponate, auch weiterführende, organische, verspielte und witzige Entwürfe, werden in der Liebigstraße ausgestellt: in den Räumen der Praxisgemeinschaft Thamm&Müller sowie des Büros für Kommunikationsdesign 22 quadrat.

Galerist Wolfgang Knaup nahm die Idee der Hommage auf und wählte vier Künstler aus, um sie umfassender zu präsentieren. In seiner Galerie Kunstgenuss findet man Hella Nohls Experimente mit den sich verändernden Farben ihrer „Wein-Bilder“, die sie tatsächlich sie mit Rotwein anfertigt. Oder die minimalistischen Linienstrukturen der Astrid Schröder, die eine faszinierende Plastizität vortäuschen. Oder die sich verselbstständigenden Architekturentwürfe der Züricherin Rita Ernst. Schließlich die „Licht-Bilder“ des Karl Martin Holzhäuser, der die Konkrete Kunst mit Gottfried Jäger in das Genre der Fotografie überführte.


VG-Haus, Große Gildewart 27, und Liebigstraße 29: „Hommage an eine Gründergeneration“. Galerie Kunstgenuss, Liebigstraße 29: „4 x Konkret“. Sonntag, 28. September (Eröffnung VG-Haus um 15.30 Uhr, in der Liebig-Straße um 16.30 Uhr), bis 2. November. VG-Haus Mo.–Do. 10–13 und 14 –16 Uhr, Galerie Kunstgenuss Fr.–So. 14–18 Uhr und nach tel. Vereinbarung (0170-8350320), 22quadrat sowie thamm & müller So. 14–18 Uhr.