Axel Hacke im Haus der Jugend Buchautor und Kolumnist erstmals in Osnabrück



Osnabrück. Im gut gefüllten Saal im Haus der Jugend las Kolumnist und Buchautor Axel Hacke entgegen seiner einleitenden Ankündigung nicht seine gesamten, sondern lediglich ausgewählte Werke.

Stilsicher gekleidet und entspannt auf einem Stuhl sitzend, verzichtete er dabei nicht nur auf einen Tisch. Sondern auch auf Kostproben seiner aktuellen SZ-Magazin-Reihe „Das Beste aus aller Welt“ , die seit einiger Zeit „Das Beste aus meinem Leben“ beerbt hat. Zugunsten einer „thematisch größeren Breite“, wie der in Braunschweig aufgewachsene 58-jährige Wahl-Münchner den Wechsel begründete.

Nichtsdestotrotz entschied Hacke sich bei seiner Osnabrück-Premiere dafür, ausschließlich ältere, „natürlich nur wahre“, aber mit viel Fantasie angereicherte und mit fantastischen Assoziationsketten weitergesponnene Geschichten aus dem engeren Themenspektrum des Familienlebens vorzulesen.

Vom dank „Partnerschafts-Passiv“ ganzjährig in der Wohnung verbleibenden Weihnachtsschmuck über Schlaf-, Taschengeld- und Hausaufgabenprobleme von Sohn Luis bis hin zu nächtlichen Gesprächen der Hauptfigur mit dem alten, von starken Entsorgungsängsten geplagten Kühlschrank Bosch.

So feinsinnig, liebevoll und rund diese Geschichten geraten sind und damit der Erkenntnis „Das Leben ist ein Kreis“ sowohl inhaltlich als auch formal gerecht wurden, so willkürlich geriet dann die klangvolle, wortgewandte und „poetische“ Aneinanderreihung von Spielernamen und Zitaten von „großen Fußball-Philosophen“, die für das aktuelle Buch „Fußballgefühle“ sorgfältig recherchiert wurden.

Dabei erfuhren zumindest die Zuhörer, die es noch nicht wussten, etwa via Ex-Nationalspieler Andreas Brehme, dass nur der Fußball Unmögliches möglich macht, oder über die Frankfurter Trainer-Legende Dragoslav Stepanovic, dass auch nach Niederlagen „Lebbe immer weider“ geht.

Der Autor selbst freute sich über den niederländischen Verteidiger Blind, der „leider kein Schiedsrichter sei“, oder darüber, dass in der laufenden Bundesliga-Saison Immobile gegen Lahm spielen muss.

Hacke, der mit Dante allein aus Gründen der Zuordnung zum jeweiligen Betätigungsfeld gern seinen Namen tauschen würde, schätzt bei der längst in Mode gekommenen Literarisierung des Fußballs besonders die „Kombination von billigen Kalauern mit bildungsbürgerlichem Wissen“.

Die servierte der ehemalige Sportreporter nach der Pause, in der er seine Bücher signierte, auf einem anderen Wortspielfeld dann nahezu in Perfektion, indem er die für das Vorgänger-Buch „Oberst von Huhn“ von Lesern zugeschickte und fleißig gesammelte Übersetzungsfehler von Speisekarten aus aller Welt oder missverstandene Textstellen aus Liedern mit recht sprach- und kulturchauvinistisch anmutenden Interpretationen konfrontierte.

Auch wenn sich da so mancher Zuhörer nach seinen feinen eigenen Texten zurücksehnte: Die naheliegenden Lacher hatte Axel Hacke damit auf seiner Seite.


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