Gründung eines Netzwerkes geplant VHS Osnabrücker Land will Alphabetisierung vorantreiben

Von Horst Troiza

Auftakt der Kampagne der VHS Osnabrücker Land zur Alphabetisierung (von links): Anne Lohe, Sabine Karwath, Christa Rapp und Bürgermeister Ansgar Pohlmann eröffnen die Ausstellung. Foto: Horst TroizaAuftakt der Kampagne der VHS Osnabrücker Land zur Alphabetisierung (von links): Anne Lohe, Sabine Karwath, Christa Rapp und Bürgermeister Ansgar Pohlmann eröffnen die Ausstellung. Foto: Horst Troiza

Georgsmarienhütte. Den Elternbrief lesen, Formulare ausfüllen, eine SMS oder E-Mail schreiben – für die meisten ist das selbstverständlich. Für geschätzte 20000 Menschen im Landkreis Osnabrück ist ein solcher Schriftverkehr oft aber eine hohe Hürde: Sie können nicht oder nur wenig lesen und schreiben. Die VHS Osnabrücker Land will die Alphabetisierung und Grundbildung mit Gründung eines Netzwerkes vorantreiben.

Nicht oder nur wenig lesen und schreiben können, den Inhalt von Sätzen oder ganzen Texten nicht erschließen können, das ist das Los von rund 7,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Und damit sind nicht etwa Personen gemeint, die mit internationalen Wurzeln in diesem Land leben. Nein, die Zahl umfasst Muttersprachler, also Bürger mit deutschen Wurzeln. Ihnen droht die Gefahr, von der Entwicklung abgekoppelt zu werden, speziell im Beruf. Es gibt kaum noch eine Tätigkeit, bei der nicht Displays Eingabeaufforderungen melden, Arbeitsaufgaben per Inter- oder Intranet verteilt oder Übergabeprotokolle angefertigt werden müssen. Mit 14 Prozent wird die Zahl der Berufstätigen mit einem „funktionalen Analphabetismus“ angegeben.

„Die Ursachen für Analphabetismus sind vielfältig. Oft liegen sie in einer schriftspracharmen Umgebung, in der Kinder aufwachsen und die sich dann in der Schulzeit fortpflanzt“, weiß Sabine Karwarth von der VHS. Wer als Kind keine Märchen vorgelesen bekommt, wer beim Hausaufgabenmachen nicht von den Eltern begleitet wird – der kann sich schnell außerhalb der Welt des geschriebenen Wortes wiederfinden. Nach Schätzungen der VHS sind etwa 20000 Personen im Landkreis betroffen. Analphabetismus ist ein Tabu-Thema, trotz einer seit 30 Jahren währenden bundesweiten Aufklärungskampagne. Betroffene vermeiden und umgehen mit ausgeklügelten Strategien Situation, in denen ihr Manko auffallen könnte.

Nun will die VHS ein Netzwerk namens „Alpha“ mit Stellen und Einrichtungen ins Leben rufen, das sich mit niedrigschwelligen Angeboten an diese gesellschaftliche Gruppe richten will. „Alphabetisierung und gleichzeitig Grundbildung soll vermittelt werden, dazu wenden wir uns an die unterschiedlichsten Kooperationspartner“, erklärt Karwath. Nach ihrer Vorstellung können es Einrichtungen wie Bibliotheken oder Bildungsträger sein, aber auch Mitarbeiter von Behörden, Beratungsstellen, Familienzentren, Vertrauenspersonen in Arztpraxen oder Mitarbeiter von Freizeiteinrichtungen und andere.

Erste Informationen dazu gibt eine in der Katholischen öffentlichen Bibliothek GMHütte eröffnete Ausstellung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit dem Titel „Lesen und Schreiben. Mein Schlüssel zur Welt“, die bis Ende Oktober zu sehen ist. Bei der Eröffnung wies Bürgermeister Ansgar Pohlmann darauf hin, dass „zum Wohlfühlen in unserer Gesellschaft Lesen und Schreiben einfach dazugehören, da nur auf diese Weise Kompetenz für die Abläufe zu erhalten ist“. Bibliotheksleiterin Anne Lohe machte auf die Aufgaben einer öffentlichen Bibliothek aufmerksam, die sich auch an Leseschwache richten müssen. Zu diesen gehörten die Anschaffung von Büchern in „leichter Sprache“, Großdruckbücher, oder auch die Mitwirkung bei der Konzeption von Sprachkursen.