Förderprogramm trägt Früchte „Sprachbauern“ vermittelt Kindern Sprache und Natur-Wissen

Von David Hausfeld

Die von den Kindern im Frühjahr gepflanzten Kürbisse werden ausgemessen, und alle Ergebnisse werden dokumentiert und beschrieben. Foto: Thomas OsterfeldDie von den Kindern im Frühjahr gepflanzten Kürbisse werden ausgemessen, und alle Ergebnisse werden dokumentiert und beschrieben. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Mit dem Projekt „Sprachbauern“ gehen der Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK) und der Verein „Weidelandschaften“ neue pädagogische Wege. Im Frühjahr haben Kinder der Heiligenwegschule und der Stüveschule Kürbisse gepflanzt und damit zugleich an einem Sprachförderunterricht teilgenommen. Die Friedel-&-Gisela-Bohnenkamp-Stiftung hat das Projekt gefördert.

„Die Kinder lernen, ohne dass sie es merken“, bemerkte Michael Prior von der Bohnenkamp-Stiftung, „der Ansatz funktioniert und zeigt, dass die Kinder zu motivieren sind“. Die Stiftung sei froh, der Impulsgeber für das Projekt sein zu dürfen. Unter der Führung von Kasia Lukasiewicz und Anna Karfich vom VPAK und Carla Tank vom Verein „Weidelandschaften“ treffen sich Grundschulkinder an insgesamt sechs Terminen auf dem Kinderbauernhof am Burenkamp. Hier haben sie im Frühjahr Kürbisse gepflanzt, die im Oktober geerntet werden können.

Doch der Unterricht beschränkt sich nicht nur auf landwirtschaftliches Arbeiten. Im Zentrum der Arbeit steht ebenso eine intensive Sprachförderung. Mit der Heranführung an die Natur und einer Erweiterung der Kenntnisse der deutschen Sprache werden dabei zwei Anliegen der Bohnenkamp-Stiftung vereint. „Vor allem landferne Kinder lernen hier viel“, verspricht Anna Karfich.

Das Konzept geht offenbar auf. Durch Pflanzen von Samen, Unkraut jäten und gemeinsames Erforschen von Natur und Umwelt lernen die Kinder spielerisch den Umgang mit der deutschen Sprache. Es werden Kürbisse gemessen, Pflanzen identifiziert und alles ganz genau benannt und beschrieben.

„Ich wundere mich manchmal, wie wenig bodennah die Kinder sind“, beschreibt Carla Tank ihre Erfahrungen, „aber die Begeisterung wächst von Mal zu Mal“. Vor allem Stadtkindern fehle sehr oft der Bezug zur Natur, bemerkt Kasia Lukasiewicz, es sei deshalb wichtig, einen Bezug zu schaffen. „Die Kindern sehen ein Samenkorn, pflanzen es ein, und es wächst eine Pflanze daraus“, erklärt sie weiter, „das ist eine wichtige Erfahrung“.

Und die Kinder? Die finden es klasse. Sie stürmen regelrecht durch das Tor des Kinderbauernhofs. „Ich hätte eigentlich ein Punktspiel gehabt, aber ich wollte lieber hier hin“, strahlt der neunjährige Nachwuchsfußballer Ediz. Jeweils zehn Kinder der Stüveschule und der Heiligenwegschule erkunden hier einmal im Monat für vier Stunden die Natur.

Die Nachfrage sei groß, mittlerweile gebe es an beiden Schulen Wartelisten. Der VPAK hat in der Vergangenheit schon andere Erfahrungen gemacht. Der Verein bietet Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien außerschulische Förderung. „Wir müssen kämpfen, um Kindern eine Sprachförderung in Kleingruppen zu ermöglichen“, erläutert Lukasiewicz, „es ist selten, dass Kinder so begeistert aus der Sprachförderung hinausgehen“.

„Wir freuen uns immer, wenn wir Projekte mit Kindern machen können“, sagt Jan-Philip Kunath vom Verein „Weidelandschaften“. In mehreren Kooperationen, darunter mit dem Jobcenter und der Montessori-Schule, versucht der Verein, Menschen die Zusammenhänge in der Natur zu vermitteln. Auf dem vereinseigenen Bauernhof werden dafür auch Tiere gehalten. Die kleinen Sprachbauern freuen sich aber erst mal auf die bevorstehende Kürbisernte im Oktober. Auch die Eltern sollen sich dann mit selbst gemachter Kürbissuppe an der landwirtschaftlichen Arbeit ihrer Sprösslinge erfreuen können.