Stau auf dem Osnabrücker ZOB Falschparker behindern Busverkehr am Hauptbahnhof

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Die Verkehrsschilder lassen keine zwei Meinungen zu. Zufahrt zum Busparkplatz verboten, Halten an der Eisenbahnstraße nur eingeschränkt erlaubt! Viele Autofahrer scheint das aber nicht zu kümmern. Mit Folgen: Falschparker am Hauptbahnhof in Osnabrück sind dafür verantwortlich, wenn Fernbusse nicht losfahren können und Nahverkehrslinien unpünktlich sind.

Ein Morgen am Fuß der Humboldtbrücke: An die 40 Autos quetschen sich auf einen wilden, von Zaun und Gleisen begrenzten Parkplatz neben der Buskehre, bis nichts mehr geht. Wer zu spät kommt, sucht Alternativen – und kennt dabei oft kein Pardon.

Anstatt eines der nahen Parkhäuser anzusteuern oder in den Seitenstraßen nach Lücken zu suchen, lotsen viele ihre Wagen schnurstracks und ungeniert auf den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) gegenüber – um sie dort kurzerhand entlang der Lärmschutzwand abzustellen. Oder am Bürgersteig vor Kiosk, Puff und Billighotel . Beides ist nicht erlaubt, doch wer schert sich schon um Vorschriften, wenn andere es erkennbar auch nicht tun? Wer übrigens meint, nur Auswärtige handelten so, der irrt: Die meisten falsch geparkten Pkw tragen das OS-Kennzeichen.

Wachsendes Problem

„Es ist eine Katastrophe“, schimpft eine Busfahrerin, „die stehen hier, und wir kommen weder vor noch zurück!“ In der Tat: Fahrlässig im Schwenkbereich der Riesen postiert, blockieren die Autos Ein- und Ausfahrt zu jener knapp 20 mal 60 Meter großen Fläche, die ausschließlich Bussen der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) zum Pausieren sowie Fernbussen zum Boarding vorbehalten ist. Heute hat sich zu allem Überfluss ein Lastwagen in die Reihen gemogelt und nimmt, ungeschickt platziert, gleich mehreren Bussen den Platz weg.

Das Falschparker-Problem am Hauptbahnhof sei nicht neu, doch jetzt nehme es überhand, sagt Stephen Budd vom Osnabrücker Servicecenter der Verkehrsgesellschaft Weser-Ems-Bus – nach eigenen Angaben Niedersachsens größtes Busunternehmen . Was sich früher auf vereinzelte Behinderungen rund ums Wochenende beschränkte, als Discobesucher mit ihren unachtsam geparkten Droschken so manchen Nachtbusfahrer zur Verzweiflung brachten, sei inzwischen ein Alltagsphänomen.

„Es wird immer schlimmer. Besonders mit dem Aufkommen der Fernbusse hat sich die Situation extrem verschlechtert.“ Denn der Sachbearbeiter, selbst Busfahrer, sieht vor allem jene Autofahrer als Verursacher, die eine zusehends wachsende Zahl von Langstrecken-Reisenden bringen und abholen. Seine Rechnung ist einfach: Je mehr Fernbus-Anbieter in den Wettbewerb treten , desto mehr Privatchauffeure verstopfen mit ihren Pkw den Busparkplatz. Leidtragende sind besonders die Kutscher der langen Dreiachser mit Kofferaufbau am Heck, aber auch die der 18-Meter-Gelenkzüge mit dem VOS-Emblem.

Denkzettel verpassen

Was Stephen Budd und Kollegen jedoch am meisten wurmt, ist die Ignoranz vieler Autofahrer, mit der selbst freundliche Hinweise auf das inzwischen auf 30 Minuten ausgedehnte Kiss-&-Ride-Gratisparken in der Bahnhofsgarage – nur einen Katzensprung entfernt – achselzuckend quittiert werden. Und Wiederholungstäter, die offenbar aus Faulheit jeden Fußweg scheuen. „Vielen Leuten sind selbst die paar Meter zu weit.“

Manchmal müsse erst die Polizei kommen, um die Verkehrssünder zum Umparken zu bewegen. Abgeschleppt worden sei laut Budd noch kein Fahrzeug. Als lindernd erweisen sich offenbar auch Denkzettel, die Mitarbeiter von Weser-Ems-Bus seit einigen Tagen an die Leitplanken der Buskehre heften und den Übeltätern hinter die Scheibenwischer klemmen. „Dies ist kein Parkplatz“, steht darauf – verbunden mit der Bitte um Verständnis.