zuletzt aktualisiert vor

Stadt: Wege werden überprüft ADFC kritisiert Radwege mit Benutzungspflicht in Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wenn sich Radler und Fußgänger einen Weg teilen müssen, wird es oft eng, kritisieren Radaktivisten. Foto: colourbox.deWenn sich Radler und Fußgänger einen Weg teilen müssen, wird es oft eng, kritisieren Radaktivisten. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Auf zahlreichen Radwegen in Osnabrück gibt es eine Nutzungspflicht für Radfahrer. Uwe Schmidt vom ADFC hält die Benutzungspflicht bis auf wenige Ausnahmen für überflüssig und teilweise gefährlich. Das Fahren auf der Straße sei in der Regel sicherer.

Gekennzeichnet sind die Wege, die Radfahrer laut Gesetz zwingend benutzen müssen, mit einem blauen Schild. Fahren sie trotzdem auf der Straße, droht ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro.

Für Uwe Schmidt, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Osnabrück, ist die Nutzungspflicht auf den meisten Wegen ein Ärgernis. Oft erhöhe sie nicht die Sicherheit für Radfahrer , sondern bewirke das Gegenteil. „Auf Hochbordwegen, die neben der Straße verlaufen, werden die Radfahrer von den Autofahrern oft nicht registriert.“

Ist Osnabrück wenig fahrradfreundlich?

Im Bereich von Kreuzungen, in denen der Radweg wieder abgesenkt wird, könne das leicht zu Unfällen führen. „Der Radfahrer taucht für Autofahrer wie aus dem Nichts auf.“ Sicherer sei das Fahren auf der Straße. „Dort werden Radfahrer besser wahrgenommen.“

Mehr zum Thema Radfahren finden Sie auf unserem Portal

Ärgerlich sei die Nutzungspflicht überdies, wenn die Radwege in einem schlechten Zustand sind oder sich Fußgänger und Radfahrer einen gemeinsamen Weg teilen müssen. „Die meisten dieser Wege in Osnabrück sind zu schmal.“ Radler seien gezwungen, ihr Tempo an die Fußgänger anzupassen, so Schmidt weiter, da der Fußgänger auf gemeinsamen Wegen laut Gesetz Vorrang habe.

Und dass, obwohl der Pedalist eigentlich genauso schnell fahren dürfe, wie der übrige motorisierte Verkehr. „Mit einem Rennrad kann man es bis auf 40 km/h schaffen“, so Schmidt.

„Überreglementierung soll vermieden werden“

Sinn macht die Nutzungspflicht für Radexperten nur, wenn sie zwingend für die Sicherheit der Radfahrer erforderlich ist. „Das ist bei Straßen der Fall, die man sich mit Lkw die Straße teilt , die an einem vorbeibrettern und man Gefahr läuft, verletzt zu werden.“

Der Gesetzgeber hat das Problem offenbar erkannt. Die Verkehrsbehörden haben nach dem Grundsatz „so wenig Verkehrszeichen wie möglich“ zu verfahren, heißt es auf Anfrage bei der Stadt.

Dieser Grundsatz sei mit einer Änderungsverordnung zur Straßenverkehrsordnung 2009 und einer Neufassung 2013 konkretisiert worden. „Überreglementierung soll vermieden werden“, erläutert Sven Jürgensen, Pressesprecher der Stadt Osnabrück. Nicht zuletzt habe die Moral der Verkehrsteilnehmer unter der Schilderflut gelitten – viele Ge- und Verbote wurden schlicht ignoriert. Das soll sich nun ändern: „Die Eigenverantwortlichkeit der Verkehrsteilnehmer soll mit der neuen Gesetzgebung gestärkt werden.“

Städte dürfen demnach einen Radweg nur noch dann nutzungspflichtig machen, wenn dies für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zwingend geboten ist, so Jürgensen. Zudem werden alle vorhandenen Radwege mit Benutzungspflicht überprüft. „Ist es dabei aus sicherheitstechnischer Sicht nicht mehr erforderlich, die Nutzungspflicht zu erhalten, wird sie aufgegeben.“ Das gelte auch für Wege, die in einem baulich schlechten Zustand sind.

„Handlungsbedarf“

Die Entrümpelung überflüssiger Verkehrsschilder kann allerdings noch eine Weile dauern. Jürgensen: „Die Gesamtmaßnahme wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, weil das gesamte Straßennetz unmittelbar vor Ort betrachtet werden muss.“

Der Blogger und Radaktivist Daniel Doerk glaubt, dass die Stadt mit dem Abschildern einfach nicht hinterherkommt. „Vermutlich hat das auch nicht unbedingt Priorität für die Verantwortlichen.“ Handlungsbedarf gibt es seiner Ansicht nach jedenfalls ausreichend. .

Er wundert sich, dass es beispielsweise in der Magdalenenstraße noch eine Benutzungspflicht gibt: „Da ist eine Tempo-30-Zone, in der laut Gesetz ausdrücklich keine Benutzungspflicht angeordnet werden darf. Von der Sutthauser Straße kommend gebe es aber eine. Doerk: „Auch an der Hansastraße ist der gemeinsame Rad- und Fußweg sehr eng.“ Ein grundsätzliches Problem seien auch Radwege mit Benutzungspflicht, die durch die Wartezonen von Bushaltestellen führen. „Das ist beispielsweise am Pottgraben gegenüber dem Alando der Fall.“

Doerk betont, dass er Radwege nicht abschaffen will. „Ich will aber auf der Fahrbahn fahren können, ohne dabei eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Auf der Fahrbahn ist der Radfahrer sichtbarer und dadurch auch sicherer unterwegs.“

Die Stadt verweist darauf, dass auf einigen Wegen die Benutzungspflicht schon aufgehoben wurde. Als Beispiele nennt sie Ameldungstraße, Süntelstraße, lbrechtstraße, Hardinghausstraße, Rehmstraße, Weidenstraße und in Teilabschnitten die Natruper Straße. Weitere werden wohl folgen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN