Morgenland Festival Kayhan Kalhor und Erdal Erzincan in der Lagerhalle

Von Jan Kampmeier


Osnabrück. Kayhan Kalhor und Erdal Erzincan sind in ihrer Heimat berühmte Musiker auf Kamancheh und Baglama, der iranischen Kniegeige und der türkischen Langhalslaute. Erstmals spielen die beiden gemeinsam beim Morgenland Festival in Osnabrück.

Mit starken Worten kündigt das Morgenland Festival diese beiden Musiker an: Eine nahezu mystische Verbindung sei die künstlerische Begegnung von Kayhan Kalhor und Erdal Erzincan. Und in der Tat ist ihr Konzert in der Lagerhalle erstaunlich.Das Morgenland Festivall führt gerne Künstler verschiedener Nationen zusammen, verschiedener Kulturen gar. Diese beiden allerdings kennen sich schon sehr gut. Bereits 2004 erschien eine gemeinsame CD, und auch beim Morgenland Festival konnte man sie schon zusammen erleben. Allerdings nicht in Osnabrück, sondern letztes Jahr im Norden des Irak. Es wurde also wirklich Zeit, sie auch einmal hier auf die Bühne zu holen. Die lange Zusammenarbeit der beiden Künstler spürt man permanent bei diesem Konzert, und mehr noch: eine Verbindung zwischen ihnen und große Vertrautheit.

Beide Künstler hocken auf dem Boden, der deshalb etwas erhöht ist. Erdal Erzincan beginnt zunächst allein mit zarten, nur vereinzelten Klängen seiner Baglama , der türkischen Langhalslaute. Kayhan Kalhor steigt schließlich mit seiner Kamancheh ein, der iranischen Kniegeige, die wie ein Cello auf einem Stachel steht. Sie klingt, mindestens unter seinen Händen, wie eine Singstimme, etwas heiser, etwa in Tenorlage und sehr expressiv. Während Kayhal Kalhor sein Streichinstrument singen lässt, begleitet Erdal Erzincan zunächst sehr zurückhaltend. Eine überaus meditative Stimmung entsteht.

Doch irgendwann kippt diese Stimmung, der Klangfluss belebt sich, und Kayhan Kalhor dringt mit seiner Kamancheh auch mal in die Sopranlage vor. Doch vorläufig kehren die beiden Musiker schnell wieder zur ruhigen, meditativen Haltung zurück.

Das soll später nicht so bleiben, denn bis zu rasant-tänzerischen Klängen reicht die Palette der beiden, und auch Abschnitte großer, spielerischer Virtuosität gibt es zu erleben. Zwischendurch schweigt Kayhan Kalhor und gibt seinem Kollegen die Gelegenheit für ein lebhaftes Solo, dann zupfen beide ihre Instrumente, rhythmisch prägnant. Das Ganze ist ein pausenloser Strom, in dem beide treiben, denn ohne Unterbrechung spielen sie etwa 90 Minuten am Stück. Ganz offenbar hört man hier zwei Meister ihres Fachs, doch einfach wunderbar ist ihr Zusammenspiel. Das klingt immer wie improvisiert, doch eben auch wie lange geprobt und genau vorbereitet, denn die beiden befinden sich sehr im Einklang. Immer wieder geht es für das Publikum völlig unerwartet in eine neue Richtung, doch die Übereinstimmung der beiden Musiker ist erstaunlich. Vielleicht gibt es ja zwischen ihnen doch eine mystische Verbindung.