Morgenland Festival Beeindruckende Performance „The Forgotten“ beim Morgenland Festival

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Eine multimediale Performance konfrontierte die Besucher des Morgenland Festivals in der Lagerhalle mit einer alten iranischen Tradition des Storytellings, die von der Künstlerin Golnar Tabibzadeh in die Jetztzeit transferiert wurde. „The Forgotten“, die Vergessenen, betitelte sie das Zusammenspiel von gemalten Bildern, vorgetragenen Texten, Projektionen, Gesang und Flötenspiel, das mit allen Sinnen in eine Welt der Schönheit und des Horrors entführte.

Osnabrück. Eine multimediale Performance konfrontierte die Besucher des Morgenland Festivals in der Lagerhalle mit einer alten iranischen Tradition des Storytellings, die von der Künstlerin Golnar Tabibzadeh in die Jetztzeit transferiert wurde. „The Forgotten“, die Vergessenen, betitelte sie das Zusammenspiel von gemalten Bildern, vorgetragenen Texten, Projektionen, Gesang und Flötenspiel, das mit allen Sinnen in eine Welt der Schönheit und des Horrors entführte.

Das Märchen von der Prinzessin und dem Drachen eröffnet die Performance: Angetan von der Nachricht, dass es im Reich eine Prinzessin gibt, die Drachen mag, wacht der letzte Drache auf, sucht und findet das Schloss der Prinzessin – und zerstört es, nur weil er ihr zeigen will, wie stark der Feuerstoß aus seinem Maul ist. Wie eine Parabel auf die Definition von Gut und Böse wirkt die Geschichte.

Ist es gut oder böse, wenn ein Vater in einer belagerten Stadt seine Tochter verkauft, um die anderen Mitglieder der Familie vor dem Hungertod zu retten? Das ist der Inhalt eines der insgesamt sieben Handlungsstränge, die Golnar Tabibzadeh zusammen mit Fariba Moezzi ineinander verwoben hat, um Mythologie und Realität zusammenzuführen. Auf unglaublich intensive Art erzeugt sie so Bilder im Kopf, die bedrückend über das hinausgehen, was man tagtäglich in den Medien serviert bekommt: oberflächliche Informationen, die nicht wirklich vermitteln, was es bedeutet, im Krieg leben zu müssen oder auf der Flucht zu sein.

Beeindruckend die fünf Bilder, die Tabibzadeh für die Performance gemalt hat und mit der sie die alte iranische Tradition des „Naghaali“ aufnimmt, des Storytellings von fahrenden Leuten, die auf den Marktplätzen Bilder zeigen und dazu Mythen, Märchen sowie Geschichten von Helden und Verlierern erzählen. Wie in den Erzählungen, die jetzt von Babette Winter und Manfred Stücklschwaiger vorgetragen werden, vermischen sich in der Malerei die Ebenen. Grausame Realität trifft auf mythische Fiktion. Besonders stark wirkt das Dargebotene, als syrische Musiker (Sängerin Dima Orsho und Flötist Moslem Rahal) Bild und Text mit ihren schönen, aber auch klagenden Tönen illustrieren.

Einige Chiffren und Geheimnisse, die die ganze Performance charakterisieren, werden von der Künstlerin auf einem Flyer aufgelöst. Das Märchen vom mutigen kleinen Koi, der gegen den Willen der Götter in den heiligen See schwimmt, wird nicht erwähnt. Aber er lässt sich als Metapher für die Hoffnung auf den Sieg des Guten auch ohne Hilfe entschlüsseln. Die Performance, deren Thematik auf grauenvolle Art von der aktuellen Entwicklung im Nahen Osten eingeholt wird, sollte wiederholt werden.