Interview Osnabrücker Student will mit Drohne Kitze vor Tod retten

Von Sven Kienscherf


Osnabrück. Jedes Jahr geraten Rehkitze beim Mähen von Gras und Grünroggen in Mähwerke, weil sie in den Feldern unentdeckt bleiben. Zusammen mit zwei Freunden hat Henning Rohoff (30), der aus dem Emsland stammt und in Osnabrück Geoinformatik studiert, ein System entwickelt, dass mit einer Drohne – dem Oktokopter – die Tiere aufspüren soll.

Herr Rohoff, sie wollen mit einem Oktokopter, den sie entwickelt haben, Rehkitze vor dem Tod durch Mähwerke retten. Wie funktioniert das?

Mit dem Oktokopter spüren wir mit einer Echtbild- und einer Wärmebildkamera im Frühjahr Rehkitze auf, die nach der Geburt zunächst auf den Feldern liegen. Idealerweise suchen wir unmittelbar, bevor gemäht wird. Da die Kitze keinen Fluchtinstinkt haben, fährt der Trecker mit dem Mähwerk drüber, wenn man sie nicht vorher wegbringt.

Wie genau gehen Sie vor?

Mit einer Software teilen wir das Feld in ein Raster ein, das wir dann abfliegen. Dabei steigt der Oktokopter 23 Meter hoch. Am besten beginnt die Suche am frühen Morgen oder spätabends. Wenn die Sonne zu hoch steht und das ganze Feld aufheizt, kann man die Tiere mit der Wärmebildkamera nur schwer erkennen.

Wie viele Leute brauchen Sie dazu?

Für den Einsatz unseres Systems benötigen wir mindestens drei Personen. Einer bedient den Oktokopter, ein weiterer überwacht das Bild, das während des Fluges von der Wärmebildkamera gesendet wird. Der Dritte steht mit einer Videobrille am Rand des Feldes und kann bei erkannter Wärmesignatur den Punkt im Feld überprüfen. Wenn es sich um ein Rehkitz handelt , wird ein Jäger per Funk informiert, der das Tier fachgerecht versetzt, damit es nicht den Geruch des Menschen annimmt. Die anderen Tiere flüchten aus eigenem Antrieb.

Was kostet es, wenn ich den Oktokopter für mein Feld bestelle?

Das muss man im Einzelfall sehen. Generelle Kostenfaktoren sind der Verschleiß der Technik sowie die Anreise- und Auswertungskosten. Für ein Feld würde man ungefähr 130 Euro berechnen. Wobei die Anreisekosten natürlich von Auftrag zu Auftrag unterschiedlich sind.

Mittlerweile gibt es Drohnen mit Kameras auch in Elektrofachmärkten zu kaufen. Was ist denn der Unterschied zu ihrem Fluggerät?

Unser Prototyp kostet mit Ausrüstung zwischen 30.000 und 35.000 Euro. Er hat bessere Flugeigenschaften und liegt auch bei höheren Windstärken konstant in der Luft. Das lässt sich mit Drohnen aus dem Baumarkt schwer vergleichen. Zudem ist tatsächlich Flugerfahrung gefragt, man braucht Genehmigungen, um Aufsteigen zu dürfen und muss Versicherungen abschließen. In erster Linie geht es uns aber auch nicht um Einzelaufträge, sondern wir sind auf der Suche nach Kooperationspartnern, die uns finanziell oder bei der Entwicklung von Software unterstützen.

Was ist Ihr Ziel?

Wir wollen, dass der Oktokopter Serienreife erlangt. Das würde auch die Stückkosten senken. Dann wäre es beispielsweise denkbar, dass sich landwirtschaftliche Genossenschaften einen Oktokopter anschaffen, um die Felder vor dem Mähen abzusuchen. Möglich sind aber auch andere Einsatzbereiche wie Überflüge von Bränden oder Personensuchen.


Mehr als 500000 kleine und große Wildtiere finden jedes Jahr auf Deutschlands Wiesen den Tod durch die Mähwerke. Darunter allein über 90000 Kitze. Pascal Janßen (24), Dennis Röttger (24) und Henning Rohoff haben ein System entwickelt, mit dem vielen Tieren der Tod erspart werden könnte, wie sie glauben.