Für Pilzfreunde und Genießer Auf Pilzlehrwanderung durch das Bramscher Gehölz

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Kennt sich aus: Melanie Schnieders vom Natur- und Geopark Terra-Vita führte 20 Teilnehmer auf einer Pilzlehrwanderung durch das Waldstück Gehn. Foto: Egmont SeilerKennt sich aus: Melanie Schnieders vom Natur- und Geopark Terra-Vita führte 20 Teilnehmer auf einer Pilzlehrwanderung durch das Waldstück Gehn. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Herbstzeit ist Pilzsammelzeit, denn das feucht-kalte Klima bietet ideale Wachstumsbedingungen für schmackhafte Speisepilze. Doch Feinschmecker und Hobbysucher aufgepasst: Ohne gründliche Recherche, fachliche Expertise und eine Menge Training ist Vorsicht geboten. Damit ungenießbare oder giftige Pilze gar nicht erst im Korb landen, bietet Melanie Schnieders vom Natur- und Geopark Terra-vita regelmäßig Pilzlehrwanderungen für Interessierte an.

„Wenn ich mein Wissen erweitere, ist auch mehr für mich da“, erklärte Pilzsachverständige Melanie Schnieders, die auch der losen Vereinigung der „Pilzfreunde Osnabrücker Land“ angehört. Zusammen mit ihrem Kollegen Martin Wernke führte sie eine Gruppe von 20 Pilzinteressierten auf eine Lehrwanderung durch das Waldgebiet Gehn zwischen Ueffeln und Hesepe in Bramsche. „Viele Leute sammeln Steinpilze und Maronen und lassen alles andere stehen“, beschrieb Schnieders weiter. Bei rund 3000 Großpilzarten in Niedersachsen dürfte sich manch ein Sammler aber auch schnell verloren fühlen.

Das weiß auch Martin Wernke. „Es hilft eine Fundliste zu führen und diese mit Fotos zu ergänzen“, empfahl er, „die Vielfalt überfordert erst“. Bei der Wanderung durch den Wald standen er und Schnieders den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite. Merkmale verschiedener Pilzarten, Besonderheiten der Pilzsuche und Techniken zum nachhaltigen Sammeln erklärten die beiden mit Begeisterung und am besten direkt am frisch geernteten Beispiel. „Pilze zum Bestimmen immer herausdrehen, niemals abschneiden“, empfahl Wernke, „denn wichtige Bestimmungsmerkmale befinden sich oft an der Stielbasis.“ Der eigentliche Pilz wächst im Boden. Wird der sichtbare Teil an der Oberfläche herausgedreht und die Erde anschließend wieder vorsichtig angedrückt, bleibt der untere Teil unbeschädigt und kann weiter wachsen.

Ein besonderer Gast dieser Wanderung war Uwe Argerter, Dezernent der Niedersächsischen Landesforsten in Ankum. Der Förster kennt seine Wälder wie kein anderer. „War vor 200 Jahren mehr oder weniger Wald in dieser Region?“, fragte er die aufmerksamen Teilnehmer. Die Pilzsucher zeigten sich unsicher, das Ergebnis überraschte sie: Durch landwirtschaftliche Übernutzung habe es früher nur rund zehn Prozent der heutigen Waldflächen gegeben, erklärte Argerter. Heute lässt die üppige Vegetation des Waldgebietes kaum noch Rückschlüsse auf die damalige Heidelandschaft zu.

Der kalte und feuchte August habe die ersten Herbstpilze bereits wachsen lassen, schilderte Schnieders, mit dem warmen und trockenen Wetter des Septembers stellen diese das Wachstum aber schon wieder ein. „Vor einem Jahr stand hier noch alles voll“, erinnerte sich Wernke. Ein paar Pilze seien aber dennoch da, wenn auch nicht unbedingt um jeden Teilnehmerkorb komplett zu füllen. Die fleißigen Sammler ließen sich davon aber nicht beirren. Die hiesige Gegend bietet eine bunte Vielfalt an schmackhaften Pilzsorten. Die bekanntesten sind dabei sicherlich der Steinpilz, der Pfifferling und der Maronenröhrling, aber auch manche Arten der weitverbreiteten Täublinge seien durchaus schmackhaft. Sogar die übel riechende Stinkmorchel sei essbar, wird sie ganz jung geerntet. Auch vom schwammigen Aussehen der Krausen Glucke sollte sich der Sammler nicht täuschen lassen, sie sei ein „exzellenter Speisepilz“, versprach Wernke.

Auch gleiche Pilzarten kämen in ihrer Erscheinung sehr veränderlich daher, warnte Schnieders, je nach Standort können sie völlig unterschiedlich aussehen. Nicht zuletzt deshalb kann das Pilzsammeln im Wald gefährlich sein. Viele Pilzarten erweisen sich als hochgiftig. Eine Magen-Darm-Erkrankung ist dabei noch die harmlose Variante. Der Grüne Knollenblätterpilz etwa kann bereits in kleinen Mengen tödlich sein. Anfassen könne man aber jeden Pilz, versicherte Schnieders, vermeintliche Gifte gelängen nur über das Kauen und Schlucken in den Körper. Viele Pilze seien vor allem roh ungenießbar und giftig. Pilze sollten deshalb grundsätzlich immer gegart werden. Um Pilze sicher bestimmen und identifizieren zu können braucht es viel Erfahrung und ausgiebige Bildung durch Fachliteratur und Seminare. Internetrecherche eigne sich dabei nur bedingt, warnte Wernke, viele wichtige Merkmale wie der Geruch oder die Konsistenz seien elementar für die Bestimmung und so nicht erfassbar. Im Zweifel also immer auf Nummer sicher gehen. Auch überalterte Pilze verlieren wichtige Bestimmungsmerkmale.

Für Anfänger eignen sich vor allem Röhrlinge, sie seien einfacher zu bestimmen und die tödlich giftigen Pilze werden ausgeklammert, empfiehlt Schnieders. Es dauere aber nicht lange, bis „man an seine Grenzen stößt“. Ab dann gilt es sich weiterzubilden. Für diesen Zweck gibt es unter anderem die Pilzfreunde Osnabrücker Land als einen losen Zusammenschluss von Pilzliebhabern und die Lehrwanderungen des Natur- und Geoparks Terra-Vita. Die Nachfrage ist groß. Sieben Termine für Pilzlehrwanderungen und ein Seminar seien restlos ausgebucht, freute sich Schnieders. Informationen rund um das Thema Pilze und Weiterbildungskurse gibt es unter www.naturpark-terravita.de.


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