Autoverleih verklagt 72-Jährigen Laster unter Brücke in Bramsche beschäftigt Gericht

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Verschätzt hat sich der Fahrer dieses Lasters im Dezember 2012. Foto: Wekenborg-PlackeVerschätzt hat sich der Fahrer dieses Lasters im Dezember 2012. Foto: Wekenborg-Placke

Osnabrück/Bramsche. Das hätte man doch sehen müssen, oder? Ein 72-jähriger Osnabrücker ist mit einem gemieteten Kleinlaster unter einer Unterführung in Bramsche stecken geblieben. Weil der Lkw einen Meter höher als die Brücke war, droht dem mittellosen Rentner in einem Zivilprozess nun eine Verurteilung wegen grober Fahrlässigkeit.

Noch hat die Kammer ihr Urteil nicht gesprochen, doch die Andeutungen waren mehr als eindeutig: „Dass Sie am Ende gar nichts zahlen müssen, glaube ich nicht“, sagte die zuständige Richterin einer Zivilkammer des Osnabrücker Landgerichtes.

Der beklagte 72-Jährige hatte im Dezember 2012 einen Lkw von einer Osnabrücker Fahrzeugvermietung geliehen. Laut eigener Aussage wollte er damit Möbel für seine Tochter kaufen. Am Penter Weg in Bramsche fand die Fahrt dann aber ein abruptes Ende: Der gemietete 7,5-Tonner blieb unter der B-218-Unterführung stecken. Der Lkw maß mitsamt Kofferaufbau 3,80 Meter – die Unterführung nur 2,80 Meter.

Schadenersatz

Kurz danach zahlte der 72-Jährige an den Autoverleih die vereinbarte Selbstbeteiligungssumme von 1000 Euro. Das deutschlandweit agierende Unternehmen gab sich damit allerdings nicht zufrieden: Da der Kofferaufbau des Lkw nicht von der Vollkasko abgedeckt gewesen sei, solle der Mann Schadenersatz in Höhe von knapp 14000 Euro zahlen.

„Ich hatte im Vorfeld bereits einen Vergleichsvorschlag gemacht, den die Klägerin angenommen hatte – der Beklagte allerdings nicht“, sagte die Richterin. Die Vergleichssumme hatte offenbar bei etwa 5000 Euro gelegen. Mittlerweile hat sich die Rechnung für den 72-Jährigen allerdings noch erhöht: Der Anwalt der Autofirma sagte, das Unternehmen würde nun auch noch Geld für die Bergung und für den Mietausfall des Lkw einklagen. Im Fall eines Vergleichs würde er deshalb 7500 Euro geltend machen. Der Angeklagte hielt diese Forderung für völlig überzogen. Über seine Dolmetscherin ließ der Portugiese mitteilen, er sei sich keiner Schuld bewusst. Sein Anwalt wiederum sagte, sein Mandant sei mittellos und könne die geforderte Summe niemals aufbringen. „Er hat ein unpfändbares Einkommen und würde dann wahrscheinlich in die Privatinsolvenz gehen.“ 2000 Euro – mehr könne der 72-Jährige nicht aufbringen. „Da brauche ich bei meiner Mandantin gar nicht nachzufragen“, sagte der Anwalt des Autoverleihs.

Dass die Klägerin eindeutig die besseren Karten hat, zeigte sich schließlich in der Zeugenvernehmung. Die für die Richterin entscheidende Frage: Waren in dem Lkw Aufkleber angebracht, die den Fahrer noch einmal auf den Kofferaufbau und die dadurch gesteigerte Höhe des Fahrzeugs hinwiesen?

Aufkleber als Warnung

Ein 44-jähriger Mitarbeiter des Verleihs, der die Anmietung mit dem 72-Jährigen telefonisch vereinbart hatte, bestätigte das. „Da sind immer Aufkleber drin, und ich prüfe das sogar noch bei jedem Fahrzeug, weil das ganz wichtig ist.“ Auch ein 59-jähriger Mitarbeiter des Unternehmens, der den Lkw übergeben hatte, äußerte sich ungünstig für den Beklagten. „Ich habe ihn mündlich darauf hingewiesen und auch noch mal auf den Aufkleber gezeigt.“

Die Richterin sagte anschließend, um in diesem Fall ein Urteil zu sprechen, müsse zuvor noch ein Gutachten eingeholt werden. Die Frage, ob dem Beklagten bewusst gewesen sei, dass der Kofferaufbau von der Vollkasko ausgenommen war, spiele für sie keine Rolle. Entscheidend sei, dass der Mann offenbar trotz eindeutiger Aufkleber im Wagen und Warnschildern vor der Unterführung nicht angehalten habe. Deshalb sehe alles danach aus, dass der 72-Jährige grob fahrlässig gehandelt habe.

Am 20. Oktober wird die Richterin dann das Urteil sprechen.


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